Bayerische Konjunktur Herbst 2015

Der Boom bekommt Risse

Der Höhenflug der bayerischen Wirtschaft hat sich im Sommer 2015 fortgesetzt. Die Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie zuletzt vor vier Jahren. Angebetrieben wird der Boom vor allem aus dem Inland. Steigende Löhne, sichere Arbeitsplätze, niedrige Zinsen und gesunkene Benzinpreise beflügeln die Konsumlaune der Bürger. Davon profitieren vor allem Branchen, die stark auf das Inlandsgeschäft ausgerichtet sind. Das ergab die Konjunkturumfrage der bayerischen IHKs.

Laut Konjunkturbericht Herbst 2015notieren die Lagebewertungen der Bauunternehmen sowie der Dienstleister notieren nahe an ihren historischen Höchstständen. Aber auch Handel und Industrie sind Profiteure der hohen privaten Nachfrage. Das Auslandsgeschäft der bayerichen Wirtschaft ist hingegen in den vergangenen sechs Monaten schwieriger geworden. Die Industrie spürt dies besonders, da sie rund die Hälfte ihres Umsatzes über den Export erzielt.

Erwartungen und Risiken

Die Unternehmen haben ihre Erwartungen für die kommendenzwölf Monate zum Teil deutlich nach unten geschraubt. Bei denErwartungen sowohl für das Inlands- wie auch das Auslandsgeschäft sind die Unternehmen vorsichtiger geworden. Die Euphorie vom Frühjahr 2015 ist verflogen.

Die Ergebnisse deuten für 2016 auf ein ähnlich moderates Wachstum wie im Jahr 2015, denn die guten Rahmenbedingungen für den Konsum bestheen weiter. Auch der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Fast drei Viertel der Unternehmen wollen an ihrem derzeitigen Personalbestand festhalten, 17 % möchten sogar zusätzliche Stellen schaffen.

Der Boom in der bayerischen Wirtschaft ist aus vier Gründen gefährdet:

  • Die konjunkturelle Abschwächung in den Schwellenländern bremst das Exportwachstum.
  • Die Investitionstätigkeit ist weiterhin zu schwach. Nur wenn mehr investiert wird, steigt die Produktivität und damit der Spielraum für Lohnerhöhungen.
  • Die aktuelle Wirtschaftspolitik verunsichert die Unternehmen weiterhin stark, was zur Investitionsflaute beiträgt.
  • Im Inland wird der Fachkräftemangel zur Wachstumsblockade.

Branchen

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Unsicherheit prägt die Erwartungen der bayerischen Industrie im Herbst 2015.

Die Geschäfte laufen in der bayerischen Industrie gut: 46 % der Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Lage zufrieden und nur 10 % unzufrieden. Die Unternehmen profiiteren von der stabilen Nachfrage aus dem Inland. Auch das Auslandsgeschäft hat weiter zugenommen.

Sorge bereitet die Entwicklung in den Schwellenländern, vor allemin China und den von Rohstoffexporten abhängigen Ländern. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung hat daher im Vergleich zum Frühjahr deutlich zugenommen. Entsprechend vorsichtiger fallen die Prognosen für die kommenden zwölf Monate aus.

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Der Fachkräftemangel bremst die weitere Entwicklung im bayerischen Baugewerbe.

Die bayerische Bauwirtschaft setzt ihren Höhenflug fort. Mehr als jedes zweite Unternehmen ist mit seiner aktuellen Gechäftslage zufrieden. Nur bei 3 % der Unternehmen laufen die Geschäfte schlecht. Niedrige Zinsen, steigende Einkommen sowie dieSuche nach einer sicheren Geldanlage schieben den Wohnungsbau an.

Die Aussichten bleiben günstig, auch wenn die Geschäftserwartungen jahreszeitlich bedingt gegenüber dem Frühjahr gesunken sind. Schwierig wird es dagegen, neues Personal zu bekommen. Mehr als zwei Drittel sieht im Fachkräftemangel ein Risiko.

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Insgesamt ist die Stimmung im bayerischen Handel im Herbst 2015 sehr gut.

Im Handel insgesamt ist die Stimmung sehr gut. Steigende Löhne, sichere Einkommen und niedrige Zinsen sorgen für eine robuste Inlandsnachfrage. Die Unternehmen rechnen jedoch damit, dass in den kommenden zwölf Monaten die Umsätze nicht mehr so stark ansteigen werden wie zuletzt. Der Online-Handel entwickelt sich dynamischer als der stationäre. Von den Unternehmen, die im Internet anbieten, melden 41 % ein Umsatzplus, im stationären sind es 35%.

Für das kommende Jahr 2016 zeichnet sich eine ähnlich gute Entwicklung wie für das laufende ab. Probleme bereitet allerdings der Fachkräftemangel.

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Die Aussichten für das bayerische Dienstleistungsgewerbe bleiben günstig.

Sehr hohe Zufriedenheit herrscht in weiten Teilen der bayerichen Dienstleistungsbranche. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen annähernd so gut bewertet wie idm Rekordjahr 2007. Hauptgrund ist die robuste Inlandsnachfrage.

Die Aussichten für die Dienstleistungsbranche in Bayern bleiben günstig. Von einer gleichbleibend guten Entwicklung gehen zwei Drittel der Unternehmen aus. Die Unternehmen möchten wieder mehr Personal einstellen. Aber 45 % der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für die Geschäftsentwicklung.

Wirtschaftspolitische Forderungen

Die Konjunktur in Bayern wirkt auf den ersten Blick äußerst solide. Die Wachstumsraten sind ordentlich und in vielen Regionen herrscht Vollbeschäftigung. Beim zweiten Blick zeigen sich jedoch Risse am Boom, denn das derzeitge Wachstum ist nicht nachhaltig angelegt. Haupttreiber ist der Konsum, während die Investitionstätigkeit vergleichsweise schwach ist.

Absehbar steigende Energiekosten, zu wenig Investitionen in die Infrastruktur sowie Reguleirungen wichtiger Flexibilisierungsinstrumente reduzieren die Standortattraktivität und sind Mitverursacher für die Investitionsflaute.

Auch auf Landesebene hakt es. Wichtige Infrstrukturprojekte wie der Zulauf zum Brenner-Basistunnel oder die zweite Stammstrecke in München kommen nur schleppend voran. Eine gute Wirtschaftspolitik zeichnet sich dadurch aus, dass sie die langfristigen Wachstumgsperspektiven verbessert. Hierzu gehören ein planbarer Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, ein schlanker, bürokratiearmer und flexibler Rechtsrahmen sowie eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung. Auf all diesen Gebieten sind wir in den vergangenen Jahren nicht vorangekommen.

Methode

Für den bayerischen Konjunkturbericht Herbst 2015 wurden zwischen 2015 und 2015 insgesamt Unternehmen in ganz Bayern schriftlich befragt. Die Konjunkturumfrage der bayerischen IHKs wird drei Mal im Jahr durchgeführt.