Bayerische Konjunktur Frühjahr 2016

Boom unter Vorbehalt

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Die bayerische Wirtschaft boomt weiterhin. Gemessen am BIHK-Konjunkturindex erreicht die Stimmung mit 128 Punkten annähernd das Zweijahreshoch vom Jahresbeginn. Grund sind die aktuell gut laufenden Geschäfte: 48 % der Unternehmen sind mit der gegenwärtigen Lage zufrieden, nur sieben Prozent unzufrieden. Doch die gute Stimmung ist gedopt.

Die Niedrigzinspolitik der EZB und billiges Öl lassen die Konjunktur robuster erscheinen als sie tatsächlich ist. Der Konjunkturbericht im Frühjahr 2016 zeigt, dass das Konjunktur-Doping ungesunde Nebenwirkungen hat. Das wissen auch die Unternehmen: 48 % der Betriebe sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko. Darum bleibt die Lust auf neue Investitionen überschaubar. Einstellungsfreudig sind sie hingegen weiterhin: 17 % wollen Personal einstellen und elf % Stellen streichen. Der Arbeitsmarkt brummt damit weiter und die Fachkräfte werden noch knapper.

Ausblick

Der private Konsum bleibt der wichtigste Wachstumstreiber. Neue Jobs, höhere Löhne und sichere Arbeitsplätze sorgen für Konsumlaune, günstige Benzinpreise und niedrige Zinsen erhöhen zusätzlich den finanziellen Spielraum der Haushalte. Auch der Staat schiebt die Nachfrage an: Sein Wachstumsbeitrag ist so hoch wie im Krisenjahr 2009. Geringere Impulse als in früheren Boom-Phasen gehen hingegen vom Auslandsgeschäft aus. Auf der einen Seite wächst das Exportgeschäft langsamer. Die ultralockere Geldpolitik sorgt zwar für niedrige Wechselkurse, was preisliche Wettbewerbsvorteile bringt. Das langsamere Tempo der Weltwirtschaft überkompensiert dies jedoch. Auf der anderen Seite führt der Konsumboom dazu, dass auch die Importe kräftig steigen. Insgesamt wird die bayerische Wirtschaft weiter moderat wachsen.

Branchengewinner im aktuellen Konjunkturzyklus sind vor allem die Bauwirtschaft und der Einzelhandel. In beiden Branchen ist die Stimmung auf Rekordniveau. Der Einzelhandel profitiert vom starken privaten Konsum und die Bauunternehmen von der hohen Nachfrage nach Wohnraum.

Auch in der Industrie laufen die Geschäfte weiterhin überdurchschnittlich gut. Verglichen mit früheren konjunkturellen Hochphasen, dämpfen jedoch geringere Exportaussichten die Stimmung. Dem bayerischen Dienstleistungsgewerbe geht es ebenfalls gut. Allerdings herrscht im Kreditgewerbe Krisenstimmung. Die Kreditnachfrage der Unternehmen ist verhältnismäßig schwach und die niedrigen Zinsen sowie die zunehmende Regulierung sind für die Banken eine zusätzliche Belastung.

Branchen

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Industrie in Bayern, Frühjahr 2016

Die bayerische Industrie befindet sich auf einem Wachstumskurs, der im Vergleich zum Jahresbeginn etwas an Schwung verloren hat. Die Unternehmen berichten von einem geringeren Auftragsplus im In- und Auslandsgeschäft. Sie sind daher nicht mehr ganz so zufrieden wie zuletzt.

Für die kommenden zwölf Monate bleiben die Aussichten günstig. 27 % Prozent der Unternehmen erwarten eine Geschäftsbelebung, 8 % eine Eintrübung.

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Die Lage in der bayerischen Bauindustrie, Frühjahr 2016

Der Boom im bayerischen Baugewerbe hat sich nochmals verstärkt. Für 70 % der Unternehmen wird der Fachkräftemangel jedoch zur Wachstumsbremse. Die Zufriedenheit der Unternehmen ist auf ein neues 23-Jahres-Hoch geklettert.

Obwohl die Ausgangslage schon ausgesprochen gut ist, sind die Geschäftserwartungen der Bauunternehmen auf Rekordniveau. Die Unternehmen wollen weiterhin investieren und zudem spürbar mehr Personal einstellen.

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Bayerischer Handel, Frühjahr 2016

Der bayerische Handel profitiert von der robusten Inlandsnachfrage. Die Stimmung unter den Händlern ist weiterhin sehr gut. Die Geschäfte laufen noch besser als zu Jahresbeginn.

Zuversicht herrscht unter den Einzelhändlern auch beim Blick auf die kommenden zwölf Monate. Besonders gut läuft das Onlinegeschäft.

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Bayerisches Dienstleistungsgewerbe, Frühjahr 2016

Mit guter Stimmung sind die bayerischen Dienstleister ins Frühjahr gestartet. Jedes zweite Unternehmen bewertet seine aktuelle Geschäftslage als gut. Die Branche profitiert von der hohen Ausgabenfreude der privaten Haushalte.

Mit Zuversicht blicken die Unternehmen auch auf die kommenden zwölf Monate. Per Saldo sind die Erwartungen im Vergleich zum Jahresbeginn zwar leicht gesunken, mit zwölf Punkten überwiegt der Optimismus jedoch weiterhin deutlich.

Allerdings herrscht im Kreditgewerbe Krisenstimmung. Einerseits leidet der Bankensektor spürbar unter der Niedrigzinspolitik der EZB, andererseits ist auch die Nachfrage nach Krediten verhältnismäßig schwach.

Wirtschaftliche Konsequenzen

  • Die Konjunkturentwicklung wird immer mehr von politischen Einflüssen überlagert. Anstatt sich auf ihre Geschäfte zu konzentrieren, müssen sich die Unternehmen auf ständig neue Rahmenbedingungen einstellen.
  • In der EU legt die Debatte um Lösungen der Flüchtlingsfrage mangelnde Solidarität und politischen Einigungswillen schongslos offen. Es fehlt der politische Wille, Strukturreformen und eine Konsolidierung der Staatsfinanzen durchzusetzen.
  • In der verbleibenden Legislaturperiode müssen die Belange der Unternehmen in den Fokus rücken. Sonst wird die Wettbewerbsfähigkeit weiter erodieren.
  • Dazu gehört unter anderem ein schneller Ausbau der Verkehrs- und Energieinfrastruktur.
  • Auch eine wirkliche Bürokratieabbauoffensive, beispielsweise im Steuerrecht, würde das Vertrauen der Bürger in die Politik erhöhen.
  • Belastungsfaktoren, wie die Unsicherheit bezüglich der Erschaftsteuer oder Einschränkungen der Arbeitsflexibilität müssen verschwinden.

Methodik

Für den bayerischen Konjunkturbericht wurden insgesamt 2.000 Unternehmen von den bayerischen IHKs schriftlich befragt. Die Konjunkturumfrage wird drei Mal im Jahr durchgeführt.