IHK Leitfaden

Betriebliches Gesundheitsmanagement

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Einleitung

Die gute Nachricht zuerst: Arbeit fördert die Gesundheit der Menschen. Mehr als ein Drittel der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger leidet an gesundheitlichen Einschränkungen. Mit dem Wiedereinstieg in das Erwerbsleben ist häufig eine signifikante Verbesserung des Gesundheitszustands verbunden.

Es gibt aber auch einen Zusammenhang zwischen Arbeit und gesundheitlicher Belastung. Und dabei geht es nicht nur um schwere körperliche Arbeiten. Heute sitzen viele Arbeitnehmer pro Tag sieben Stunden an ihrem Platz. Und die Arbeitsmedizin hat längst erkannt, Sitzen ist ungesund. Zu wenig Bewegung, insbesondere in Verbindung mit unregelmäßigen und ungesunden Mahlzeiten und Stress, macht Menschen krank. Die einseitige Haltung und Belastung fördert Muskel-, Gelenk- und Skeletterkrankungen. Bewegungsmangel ist mit Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes assoziiert und Stress sowie wenig abwechslungsreiche oder über- und unterfordernde Tätigkeiten setzen der Psyche zu.

Insbesondere Rückenbeschwerden und psychische Probleme machen den Beschäftigten heutzutage zu schaffen. Laut dem Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse fehlten Beschäftigte im Jahr 2017 krankheitsbedingt 14,6 Tage am Arbeitsplatz. Fast jede elfte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird aufgrund von Rückenbeschwerden erteilt. 15,1 % der Krankschreibungen liegt eine psychische Störung zugrunde. Diese Zahlen zeigen, dass erkrankte Mitarbeiter eine große Belastung für Unternehmen sind. Deshalb ist ein betriebliches Gesundheitsmanagement, das solchen Beschwerden vorbeugt, eine nötige und wirksame Investition – übrigens auch mit Blick auf die Unternehmensfinanzen. Beispiel psychische Gesundheit: Hier lagen im Jahr 2014 die Produktionsausfallkosten bundesweit bei 8,3 Milliarden Euro und die Bruttowertschöpfungsverluste bei 13,1, Milliarden Euro.

Zahlen und Fakten rund um die Gesundheit im Unternehmen

Bereits wenige Zahlen und Fakten zeigen, dass das betriebliche Gesundheitsmanagement ein wichtiges Instrument ist, um die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten.

  • 21,8 % aller Fehltage werden durch Muskel- und Skeletterkrankungen verursacht. Diese stellen damit den häufigsten Grund für eine Arbeitsunfähigkeit dar und sind volkswirtschaftlich problematischer als Erkältungskrankheiten und die Grippe (DAK Gesundheitsreport).
  • 16,7 % aller Krankschreibungen erfolgen aufgrund psychischer Probleme (DAK Gesundheitsreport).
  • 85 % aller Rückenschmerzen haben auch eine psychische Komponente (Bund deutscher Psychologen).
  • 40 % aller Arbeitnehmer in der Altersgruppe zwischen 25 und 39 Jahren leiden an Rückenbeschwerden (DAK Gesundheitsreport).
  • 9 % der Beschäftigten konsumieren regelmäßig Alkohol am Arbeitsplatz. 5 % nehmen ab und zu leistungssteigernde Medikamente ein (AOK Fehlzeitenreport).
  • 46,7 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der bayerischen Bevölkerung im Jahr 2031. Im Jahr 2011 waren es noch 43,2 Jahre (Bayerisches Landesamt für Statistik).
  • 2,5 Stunden körperliche Aktivität pro Woche reichen bereits aus, um die Gesundheit zu erhalten (WHO).
  • 500 Euro pro Mitarbeiter und Jahr darf jedes Unternehmen seit dem Jahr 2009 steuerfrei für die Gesunderhaltung der Belegschaft aufwenden (Bundesgesundheitsministerium).
  • 15 % bessere Leistungen bringen Mitarbeiter, wenn sie mental gesund sind (Top Job-Studie).
  • 60 % der bayerischen Unternehmen geben an, dass die Bedeutung des betrieblichen Gesundheitsmanagements sich in den letzten Jahren gesteigert hat (IHK Unternehmensbarometer).
  • 70,5 % der Beschäftigten schätzen einen Arbeitgeber mit betrieblichem Gesundheitsmanagement als attraktiv ein (Orizon).
  • 24 % der Führungskräfte pflegen einen gesunden Lebensstil (Top Job-Studie).
  • Psychische Belastungen führten im Jahr 2014 zu Produktionsausfallkosten von 8,3 Milliarden Euro und Bruttowertschöpfungsverlusten von 13,1 Milliarden Euro (BAuA).

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Bündnis für Prävention Bayern

Gesundheitsförderung und Prävention erhalten angesichts der zunehmenden Bedeutung chronischer, lebensstilbedingter Erkrankungen und des medizinisch-technischen Fortschritts zunehmend Aufmerksamkeit. Auf dieser Basis gründet der Bayerische Präventionsplan. Die Ziele des Bayerischen Präventionsplan sind: bestmögliche Gesundheit für Bayerns Bürger, gesundheitliche Chancengleichheit für alle bayerischen Regionen, Berücksichtigung von Gesundheitsförderung und Prävention in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft sowie die Befähigung der Bürger zur Eigenverantwortlichkeit für die Gesundheit. Der Präventionsplan hebt vier Handlungsfelder besonders heraus:

  • Gesundes Aufwachsen
  • Gesundheitskompetenz in der Arbeitswelt
  • Gesundes Altern
  • Gesundheitliche Chancengleichheit.

Zugleich ist der Präventionsplan die Grundlage für das Bayerische Bündnis für Prävention. Mehr als 120 Einrichtungen, Verbände und Organisationen aus den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft sind dem Präventionsbündnis Bayern bereits beigetreten. Zu den Erstunterzeichnern gehört der Bayerische Industrie- und Handelskammertag. Sie alle bekennen sich zu den Zielen des Bayerischen Präventionsplans und engagieren sich in ihren Wirkungsbereichen dafür.

Mehr zum Bayerischen Präventionsplan

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Betriebliches Gesundheitsmanagement zahlt sich vielfach aus

Unternehmen stehen in Zukunft vor einer großen Herausforderung. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung, und somit auch das durchschnittliche Alter der Beschäftigten, steigt. Zugleich rücken weniger junge Fachkräfte nach. Daher sind Betriebe darauf angewiesen, ältere Mitarbeiter bis zum Renteneintrittsalter gesund und leistungsfähig zu erhalten und für junge Bewerber attraktive Bedingungen zu bieten. Mit einem betrieblichen Gesundheitsmanagement lassen sich beide Ziele erreichen. Denn die verschiedenen Maßnahmen beugen gesundheitlichen Problemen vor, überzeugen junge Fachkräfte – und helfen Kosten zu sparen.

Grundsätzlich zielen die Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements in zwei Richtungen: Verhältnisprävention betrifft die betrieblichen Arbeitsumstände wie Arbeitsort, Abläufe oder Inhalte – also das, was in die Zuständigkeit des Arbeitgebers fällt. Verhaltensprävention betrifft die Motivation der Beschäftigten, sich gesundheitsbewusst zu verhalten, etwa den Regeln des Arbeitsschutzes Folge zu leisten, aber auch ihre Qualifikation sowie eine gesunde Gestaltung des beruflichen wie privaten Lebens zu erweitern.

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Die gesetzliche Fürsorgepflicht ernst nehmen

Arbeitgeber haben eine grundsätzliche Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter. Dies steht so im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Gesetzliche Fürsorgepflicht, §§ 617, 618 BGB

Fürsorgepflicht bedeutet, dass der Arbeitgeber zum Schutz von Leben und Gesundheit seiner Mitarbeiter verpflichtet ist, Räume, Vorrichtungen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten, dass der Arbeitnehmer gegen Gefahren geschützt ist.

Zugleich bestehen viele einzelne Gesetze und Vorschriften zum Gesundheits- und Unfallschutz. So ist etwa für jeden Arbeitsplatz eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen, die seit September 2013 nicht nur die physischen, sondern auch psychischen Belastungen genau erfasst.

Die wichtigsten Regelungen zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit auf einen Blick:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) inklusive Gefährdungsbeurteilungen (§5 ArbSchG): Diese betreffen die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes, physikalische, chemische und biologische Einwirkungen, die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit, die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken, unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten, psychische Belastungen bei der Arbeit.
  • Arbeitsstättenverordnung
  • Betriebssicherheitsverordnung
  • Gefahrstoffverordnung
  • Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
  • Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Benutzung persönlicher Schutzausrüstungen bei der Arbeit (PSA Benutzungsverordnung)
  • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen
  • Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung
  • Lastenhandhabungsverordnung
  • Biostoffverordnung
  • Baustellenverordnung

Betriebliches Eingliederungsmanagement

Eine wichtige Regelung, die Unternehmen nicht aus dem Blick verlieren sollten ist auch das Betriebliches Eingliederungsmanagement nach Sozialgesetzbuch IX, BEM (SGB IX, § 84): Betriebe jeder Größe müssen allen MitarbeiterInnen (egal ob Vollzeit oder Teilzeit, befristet oder unbefristet), die mehr als sechs Wochen im Jahr am Stück oder verteilt krank geschrieben waren, betriebliches Eingliederungsmanagement anbieten, das heißt: besondere Arbeitsbedingungen, Teilzeit etc. Pflicht ist das Angebot eines BEM, lehnt der Mitarbeiter ab, hat das Unternehmen seine Pflicht erfüllt.

Freiwillige Gesundheitsmaßnahmen ergänzen

Die betriebliche Gesundheitsförderung geht noch über diese Vorgaben hinaus. Wobei oft bereits kleine Maßnahmen eine große Wirkung zeigen. Ziel ist immer, die Mitarbeiter in Bewegung zu bringen und zu einem gesunden Lebensstil zu animieren. Welche Vorgehensweise sinnvoll ist, das richtet sich immer nach dem individuellen Bedarf der Mitarbeiter und des Unternehmens. Als Anregungen können folgende Ideen dienen, die bereits in verschiedenen bayerischen Unternehmen umgesetzt werden:

  • Übernahme der Kosten für eine Mitgliedschaft in einem Fitness- und Therapiezentrum, wo die Mitarbeiter trainieren und sich fit halten können.
  • Radfahr-Initiativen, bei denen Mitarbeiter Geld für soziale Projekte im wahrsten Sinne des Wortes erfahren, wenn sie den Arbeitsweg mit dem Fahrrad absolvieren.
  • Betriebssportgruppen, in denen die Mitarbeiter nicht nur in Bewegung kommen, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl der Belegschaft gestärkt wird.
  • Bewegungspausen, die die regulären Pausen verlängern, wenn Mitarbeiter bestimmte Präventionsübungen ausführen.
  • Animationsfilme, mit denen einfache Übungen in rund einer Minute direkt am Schreibtisch ausgeführt werden können und die an Pausen und entlastende Maßnahmen erinnern sowie das Verhalten dauerhaft etablieren.
  • Hilfsmittel wie Hebehilfen, die die körperliche Belastung vermindern.
  • Ergonomische Arbeitsplätze, die Fehlhaltungen und einseitigen Belastungen vorbeugen.

Betriebe, die ein betriebliches Gesundheitsmanagement anbieten, sehen die positiven Effekte nicht nur bei der bereits vorhandenen Belegschaft. Sie bemerken auch, dass sie vermehrt interessante Bewerbungsschreiben erhalten und qualifizierte Fachkräfte anziehen.

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Als Führungskraft mit gutem Beispiel vorangehen

Eine Studie der AOK Bayern zeigt, dass es um die Gesundheit der Manager und Führungskräfte oft nicht gut bestellt ist. Die Mehrheit dieser Gruppe arbeitet mehr als 50 Stunden pro Woche, ist ständig erreichbar und macht keine Pausen. Zudem bewegen sich viele höchstens einen Kilometer pro Tag zu Fuß. Viele leiden unter Rücken- und Gelenkbeschwerden, kämpfen mit Schlafproblemen und schleppen sich auch krank ins Büro. Dass 77 % der Manager und Führungskräfte in Bayern über eine schlechte Work-Life-Balance klagen, ist nach diesen Erkenntnissen keine Überraschung. Die Probleme, die sich aus diesem Verhalten ergeben, allerdings auch nicht. Einerseits setzen die Führungskräfte ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Auf der anderen Seite sind sie immer auch ein Vorbild für die Mitarbeiter.

Betriebliches Gesundheitsmanagement bezieht Führungskräfte daher mit ein. Denn ihre Gesundheit ist ebenso wichtig und gefährdet wie die von Mitarbeitern. Außerdem trauen sich viele Mitarbeiter nur, Belastungen anzusprechen oder sich Zeit für Übungen zu nehmen, wenn sie das Gefühl haben, dass der Vorgesetzte das positiv aufnimmt. Belegt ist: In Unternehmen, in denen die Geschäftsführung auf ihre eigene Gesundheit achtet, haben die Mitarbeiter um 8 % bessere Werte im Bereich der psychischen Gesundheit, so die TopJob-Studie. Führungskräfte können mit einfachen Maßnahmen mit gutem Beispiel vorangehen:

  • Regelmäßig kleine Pausen einlegen
  • Pausenzeiten wie die Mittagspause konsequent einhalten
  • Das Wochenende als Erholungszeit nutzen
  • Die ständige Erreichbarkeit abschaffen
  • Multitasking vermeiden
  • Körpersignale und Bedürfnisse ernst nehmen
  • Sich selbst wertschätzend und wohlwollend betrachten
  • Schreibtisch und Stehpult gezielt nutzen
  • Sport nicht mit übersteigertem Ehrgeiz und Erfolgsdruck angehen
  • Den Aufzug links liegen lassen und Treppen nutzen
  • Kleine Spaziergänge machen
  • Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit kommen
  • Rückenübungen in die Arbeit am PC integrieren
  • Gesunde Ernährung, öfter Wasser statt Kaffee

Zusätzlich gilt für Unternehmer und Führungskräfte:

  • Aufgaben delegieren, nicht alles selbst erledigen
  • Nein sagen lernen und auch den Mitarbeitern das Verneinen erlauben
  • Die eigenen Grenzen erkennen und respektieren
  • Prioritäten setzen
  • Innehalten und reflektieren, wie es Körper und Geist geht

Unternehmer und Führungskräfte leiden besonders unter Stress und Bewegungsmangel. Daher ist es wichtig, in der Freizeit einen Ausgleich zu schaffen. Neben Sport sind besonders Aktivitäten wichtig, die den Geist zur Ruhe kommen lassen und bei denen der Kopf vollkommen abschalten kann. Welche Strategie zum Einzelnen passt, ist sehr unterschiedlich. Manche Führungskräfte machen Yoga, andere joggen, dritte malen oder singen. Andere spielen Theater oder gehen Wandern.

Gesund führen

Zur Rolle des Vorgesetzten gehört aber nicht nur Vorbild zu sein. Er kann auch über sein Führungsverhalten positiv zur Gesundheit seiner Mitarbeiter beitragen. Selbstbestimmung und Selbstbefähigung gelten dabei als wichtige Treiber der Mitarbeitergesundheit: Mit Empowerment verbessert sich die psychische Gesundheit der Mitarbeiter um 31%. Das sind wertvolle Tipps · Gesundheit in den Werten des Unternehmens verankern · Regelmäßige, rechtzeitige und vollständige Informationen zur Aufgabe geben

  • Fragen stellen, anstatt nur Anweisungen zu geben
  • anspruchsvolle, abwechslungsreiche Arbeitsinhalte ermöglichen
  • Anerkennung und Lob spenden
  • nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern
  • Eigenständigkeit und Eigenverantwortung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fördern
  • Weiterbildung und Weiterentwicklung ermöglichen
  • Entwicklungsperspektiven und Verantwortung geben
  • regelmäßig fragen, wie es den Mitarbeitenden geht, und bei Problemen auf sie eingehen
  • soziale Unterstützungsmaßnahmen, die Wertschätzung vermitteln gewähren
  • präsent und ansprechbar sein bei Schwierigkeiten
  • regelmäßige Mitarbeitergespräche zum ehrlichen Austausch einführen

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Ein betriebliches Gesundheitsmanagement etablieren

Ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement schafft eine Arbeitsatmosphäre, in der sich die Mitarbeiter wohlfühlen. Das fördert nicht nur die Gesundheit, es erhöht auch Engagement, Leistungsfähigkeit und die Bindung an den Arbeitgeber. Dabei ist es wichtig, das betriebliche Gesundheitsmanagement schrittweise und gemeinsam mit der Belegschaft zu etablieren. Das ist aus zwei Gründen essenziell:

  • Die Mitarbeiter wissen am besten, welchen körperlichen und geistigen Belastungen sie an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind. Maßnahmen nach dem Gießkannenprinzip, die verteilt werden, weil sie als gesund gelten, passen nicht immer zum Betrieb und bleiben wirkungslos.
  • Die Belegschaft muss mitziehen und die Maßnahmen gern und aktiv umsetzen. Das funktioniert selten, wenn die Geschäftsleitung etwas beschließt und den Angestellten sozusagen zwangsweise gewünschte Verhaltensweisen abverlangt.

Voraussetzung: Gesetzliche Anforderungen erfüllen, unter anderem Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung

Um die gesetzlichen Regelungen kommt kein Unternehmen herum. Bevor also freiwillige Maßnahmen gestartet werden, gilt es die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Gerade die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung haben viele Unternehmen noch nicht immer im Blick. Sie muss aber von Unternehmen jeder Größe durchgeführt werden, ihre Durchführung muss dokumentiert werden. Die Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung wird mittlerweile von den Gewerbeaufsichtsämtern immer stärker geprüft. Nicht-Umsetzung ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit Geldstrafen bestraft werden. Themen sind Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Führung. Insbesondere die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hält viele pragmatische Ideen zur Durchführung und Dokumentation bereit.

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Freiwillige Gesundheitsförderung zielvoll planen

Schritt 1: Mitarbeiter beteiligen

Wichtig für die Akzeptanz und eine rege Teilnahme ist, dass die Mitarbeiter in die Planung des betrieblichen Gesundheitsmanagements einbezogen werden. In kleinen Unternehmen kann das über eine Mitarbeiterbefragung oder über einen Gesundheitszirkel erfolgen, bei dem die Mitarbeiter Probleme und Wünsche diskutieren. In größeren Unternehmen ist es sinnvoll, den Betriebsrat von Beginn an in die Planungen zu integrieren.

Schritt 2: Maßnahmen befristet einführen und Erfolg überprüfen

Nicht jede gesundheitsfördernde Aktivität passt zu jedem Unternehmen, und was auf dem Papier sehr sinnvoll erscheint, kann in der Praxis versagen. Allerdings wird es bei nahezu jedem Angebot einzelne Mitarbeiter geben, die das Programm sehr schätzen. Daher ist es empfehlenswert, Aktionen zuerst zu befristen und den Erfolg zu überprüfen. So können wenig erfolgreiche Maßnahmen durch neue Ansätze ergänzt oder komplett ersetzt werden, ohne Teile der Belegschaft zu enttäuschen. Erfolgreiche Maßnahmen dagegen fließen dauerhaft in die Betriebskultur ein.

Schritt 3: Unterstützung nutzen

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird auch vom Staat unterstützt.

  • Steuervorteil: Seit dem 1. Januar 2008 können 500 Euro pro Mitarbeiter und pro Jahr steuerbegünstigt für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investiert werden. Steuerbefreit sind zum Beispiel: Bewegungsprogramme, Ernährungsangebote, Suchtprävention oder Stressbewältigung. Nicht darunter fällt die Übernahme der Beiträge für einen Sportverein, ein Gesundheitszentrum oder Fitness-Studio. Die Maßnahmen müssen dem Leitfaden Prävention entsprechen, den der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen zusammengestellt hat.
  • Maßnahmen nach Präventionsgesetz: Seit 2015 gibt es das Präventionsgesetz: Die Krankenkassen sind demnach verpflichtet, mehr Geld in die gesundheitliche Prävention zu investieren – unter anderem in die betriebliche Prävention. Diese Angebote sind je nach Krankenkasse kostenfrei. Sie müssen dem Leitfaden Prävention und seinen Kriterien entsprechen. Im Betrieb müssen BGM-Anfangsstrukturen gegeben sein, um die Angebote zu nutzen. Der 500-Euro-Steuervorteil besteht nebenbei weiter.
  • Gesundheitsregionen plus: Mit dem Konzept "Gesundheitsregionen plus" will Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml die Gesundheitsversorgung, -förderung und Prävention im Freistaat durch regionale Netzwerke weiter verbessern. Die regionalen Netzwerke sollen auf kommunaler Ebene zur Gesundheit der Bevölkerung beitragen. Dazu gehören zum Beispiel die Versorgung mit Haus- und Fachärzten, Patienteninformation, Bewegungsförderung, Suchtvorbeugung oder Kinder- und Jugendgesundheit. Der Freistaat unterstützt die Gesundheitsregionenplus durch Beratung und Fördermittel.

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Strukturierte Maßnahmen, die die Gesundheit am Arbeitsplatz verbessern

  • Gesunde Ernährung: Ein Obstkorb zum Zugreifen, kostenlos gestelltes Mineralwasser, gesunde Gerichte in der Kantine und Schulungen zur gesunden Ernährung tragen viel zur Mitarbeitergesundheit bei. Stress, Bewegungsmangel und unregelmäßige und ungesunde Mahlzeiten fördern Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Unternehmen können viel tun, um Mitarbeitern Alternativen aufzuzeigen und einfach zugänglich zu machen.
  • Stressabbau: Wenig Stress und eine entspannte Arbeitsatmosphäre tragen viel dazu bei, die Belegschaft lange gesund und leistungsfähig zu halten. Hier sind insbesondere die Führungskräfte gefragt, denn der Führungsstil beeinflusst die Stimmung stark. Schulungen zu einem gesunden Führungsstil, Entspannungsseminare sowie Angebote für eine positive Work-Life-Balance bewirken viel.
  • Körperliche Gesundheit: Rückenleiden sind das Volksleiden Nummer 1. Auch an diesem Punkt können Selbstständige, Kleinunternehmer und KMU viel tun. Ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze, abwechslungsreiche Aufgaben, die Mitarbeiter in Bewegung bringen, Rückenschulungen, Entspannungsseminare oder Betriebssport zeigen sich hier wirksam.
  • Aktion Rauchfrei: Rauchen ist nicht nur ungesund, es sorgt auch für Spannungen am Arbeitsplatz. Denn Nichtraucher beschweren sich oft und nicht zu Unrecht über die Zigarettenpausen der rauchenden Kollegen. Bei sechs Raucherpausen á 5 Minuten sind das 30 Minuten pro Tag. Auch wenn nicht jeder so viel raucht, wird das Problem ersichtlich. Arbeitgeber können das Betriebsgelände zur rauchfreien Zone erklären und das Rauchen vor den Eingang verbannen. Solche Maßnahmen verhindern Streit unter Mitarbeitern und beugen Mobbing vor. Zugleich sollten Programme zur Raucherentwöhnung angeboten werden, viele Krankenkassen haben entsprechende Kurse im Angebot. Denn viele Raucher würden gern auf die Zigarette verzichten. Sie wissen nur nicht, wie sie das schaffen sollen.

Apropos: Es besteht ein Rechtsanspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Denn auch passiver Tabakkonsum kann zu erheblichen Gesundheitsschäden wie chronischen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs führen. Nichtrauchende Beschäftigte haben daher einen rechtlichen Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz. Wie dieser Nichtraucherschutz umgesetzt werden soll, entscheiden Unternehmensleitung und Mitarbeitervertretung gemeinsam. Den Forderungen des Gesetzgebers können Unternehmen mit folgenden Maßnahmen entsprechen: Rauchverbot im Gebäude – Raucherplätze im Freien, Raucherräume, Raucherpausenraum Technischer Nichtraucherschutz im Sinne von Raucherkabinen oder Raucherecken mit ausreichender Entlüftung.

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Ganzheitlicher Ansatz, permanente Pflege

Ein effektives und funktionierendes Gesundheitsmanagement fußt auf einem ganzheitlichen Ansatz, der die Arbeitsbedingungen, die Kommunikation und das seelische Wohlbefinden der Mitarbeiter einbezieht. Damit ergeben sich zahlreiche synergetische Effekte:

  • Zeigt die Unternehmensleitung, dass sie die Probleme der Mitarbeiter erkennt und löst, drückt sie auch Wertschätzung für die Arbeit und das Engagement des Einzelnen aus.
  • Arbeitsbedingungen, die Stress reduzieren, verbessern das Arbeitsklima, was sich dann wiederum positiv auf die psychische Belastung der Mitarbeiter auswirkt.
  • Ganzheitliche Konzepte ermöglichen es, dort zuerst zu reagieren, wo die Probleme am größten sind, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein Selbstläufer

Wenn die ersten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter etabliert werden, genügt es nicht, die Aktivitäten einfach nur anzubieten. Die Obstschale im Pausenraum benötigt einen Mitarbeiter, der den Zustand der Früchte prüft und für eine appetitliche Präsentation sorgt. Die Betriebssportgruppe kommt ohne kompetente Trainer und Mitarbeiter, die die Termine koordinieren und immer wieder aktiv mögliche Teilnehmer werben, nicht aus. Büropflanzen, die eine gute Raumatmosphäre schaffen, brauchen Pflege. Deshalb ist es unerlässlich, für die Gesundheitsförderung einen freiwilligen Kümmerer zu finden, der mit Engagement und Begeisterung für die regelmäßige Durchführung sorgt. In der Regel wird der Kümmerer seine Aufgaben in Absprache und nach Ermessen der Unternehmensleitung in seiner Arbeitszeit machen. Zudem ist es wichtig, dass die Führungsmannschaft hinter den Aktivitäten zur Gesundheitsförderung und Prävention steht und sich beteiligt. Ein Unternehmer oder Vorgesetzter, der selbst aktiv in der Betriebssportgruppe mitmacht, motiviert seine Mitarbeiter und tut auch etwas für die eigene Gesundheit. Zudem verbessert der sportlich-spielerische Kontakt das Betriebsklima und baut Hemmschwellen ab.

Ein weiterer wichtiger Punkt für den Erfolg ist die Ansprechbarkeit. Eine Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter sich vertrauensvoll an den Chef wenden können, wenn sie Ideen haben oder Unterstützung benötigen, fördert das seelische Wohlbefinden und den Erfolg von Programmen. Immerhin stehen für jeden Mitarbeiter bis zu 500 Euro pro Jahr steuerfrei für Prävention und Gesundheitsförderung zur Verfügung. Warum also nicht einem Mitarbeiter einen Bewegungskurs ermöglichen und den nächsten bei der Raucherentwöhnung unterstützen oder eine ganze Abteilung zum Antistresskurs schicken, wenn das Interesse besteht? Der Staat fördert solche Maßnahmen.

Vorgesetzte können gezielte Stresspuffer sein

Ein wichtiger Punkt beim betrieblichen Gesundheitsmanagement ist die Resilienz der Mitarbeiter. Menschen sind verschieden, die einen sind wahre Stehaufmännchen, die mit Druck, Stress und Rückschlägen sehr gut umgehen können. Andere reagieren auf Stress sehr empfindlich, die Resilienz der meisten liegt irgendwo dazwischen. Es ist kaum möglich, die natürliche Widerstandsfähigkeit des Menschen gegen psychisch belastende Situationen – sei es beruflich oder privat – signifikant zu verbessern. Aber Unternehmen können viel dafür tun, dass die Arbeitsbedingungen die Resilienz nicht verschlechtern. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements kann die Resilienz nicht separat verbessert werden. Viele verschiedene Maßnahmen tragen aber zu widerstandsfähigen Mitarbeitern bei, die gut mit Stress und Krisen umgehen können. Dazu gehören folgende Ansätze:

  • Es ist sehr schädlich, Druck einfach weiterzugeben. Gutes Führen ist gesundes Führen. Daher sollten Mitarbeiter transparent und umfassend über eine Situation und Aufgabe informiert werden, sie brauchen Wertschätzung, Verantwortung und Entwicklungsmöglichkeiten. Siehe auch oben: Stichwort Gesundes Führen
  • Handlungsspielräume sollten, wenn es der Job erlaubt, eine Selbstverständlichkeit sein.
  • Führungskräfte sollten Mitarbeiter auch in sozialen Fragen unterstützen und z. B. gemeinsam nach Lösungen für die Kinderbetreuung oder für Reha-Maßnahmen suchen.
  • Ein stetiger Dialog mit den Beschäftigten ist wichtig, dazu muss eine offene Kommunikationskultur bestehen.
  • Bewertungssysteme sollten wertschätzend sein. Kritik ist richtig und wichtig, es kommt immer darauf, wie diese vermittelt wird.

Persönliche Souveränität, Stabilität und Gemeinschaftsfähigkeit sind essenzielle Faktoren für ein gutes Betriebsklima und leistungsstarke und innovationsfreudige Mitarbeiter. An der Gestaltung eines solch produktiven Arbeitsumfeldes sind die Führungskräfte maßgeblich beteiligt. Deshalb sollten im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements auch Fortbildungen und Seminare zum Thema Führungsstil und Führungskompetenz angeboten und durchgeführt werden. Auch Workshops für Führungskräfte und Mitarbeiter tragen viel zu einer gesunden und damit auch produktiven Arbeitsumgebung bei.

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Gesundheitsmanagement für Kleinunternehmer und Selbstständige

Selbstständige und Kleinunternehmer sowie kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit bis zu 60 Mitarbeitern haben eine besonders gute Ausgangsposition für ein effektives betriebliches Gesundheitsmanagement. Denn in kleinen Unternehmen kennen sich Vorgesetzte und Mitarbeiter gut. Selbst bei rund 60 Mitarbeitern sind zumindest alle vom Sehen her bekannt. Diese vergleichsweise große Vertrautheit in familiärer Arbeitsumgebung macht es besonders leicht, ungesunde Mechanismen zu erkennen und gesundheitsfördernde Maßnahmen erfolgreich und gezielt umzusetzen. Zudem ziehen Mitarbeiter engagierter mit, wenn Inhaber und Führungskräfte sichtbar mit gutem Beispiel vorangehen. Das ist in kleineren Betrieben leichter umzusetzen.

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FAQ rund um das betriebliche Gesundheitsmanagement

Zusammenfassung

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird in Zeiten des Fachkräftemangels und des anstehenden Renteneintritts der Baby-Boomer immer wichtiger. Einerseits unterstützen Unternehmen durch Präventionsmaßnahmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und sorgen so dafür, dass die Belegschaft bis zum Renteneintrittsalter gesund und leistungsfähig bleibt. Auf der anderen Seite sind Unternehmen, die in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren, für junge Fachkräfte als Arbeitgeber besonders attraktiv. Damit zahlt sich das betriebliche Gesundheitsmanagement gleich doppelt aus. Wichtig für den Erfolg ist, gezielt solche Maßnahmen anzubieten, die den Mitarbeitern tatsächlich helfen. Das Gießkannenprinzip funktioniert nicht, denn jeder Betrieb und jede Belegschaft sind anders. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld zu evaluieren, welchen gesundheitlichen Gefahren die eigenen Mitarbeiter ausgesetzt sind und welche Maßnahmen die Situation verbessern können. Im Idealfall werden die Mitarbeiter frühzeitig an den Planungen beteiligt, das erhöht die Akzeptanz und steigert das Engagement. Zudem sollte in regelmäßigen Abständen überprüft werden, ob die Maßnahmen ihren Zweck erfüllen, oder ob Änderungen vorgenommen werden sollten.

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