Verantwortungsvolles Wirtschaften fördern

Für die europäische Politik gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortliches, das heißt nachhaltiges, Wirtschaften in einer immer vernetzteren Welt unterstützen.

Auf einen Blick

Die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen (VN) lassen sich nur gesamtgesellschaftlich erreichen. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind gefordert, ihre Potenziale zu bündeln und gemeinsam zukunftsweisende Ideen und Lösungsansätze zu entwickeln. Für Unternehmen bedeutet dies insbesondere, die Auswirkung ihrer Geschäftstätigkeit auf Gesellschaft und Umwelt stärker in den Blick zu nehmen. Verantwortliches Wirtschaften in der Tradition des Ehrbaren Kaufmanns ist für den Großteil der oftmals familiengeführten Unternehmen in Bayern seit jeher selbstverständlich. Für die europäische Politik gilt es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ökonomisch, ökologisch und sozial verantwortliches, das heißt nachhaltiges, Wirtschaften in einer immer vernetzteren Welt unterstützen:

  • Gemeinsam vorangehen: Verantwortungspartnerschaft für nachhaltige Lieferketten stärken
  • Neue Maßstäbe setzen: Nachhaltigkeit als Leitbild in der Finanzbranche etablieren
  • Unternehmen fördern und nicht überfordern: Komplexität der CSR-Berichterstattung praktikabel halten

Europa zählt heute zu den leistungsstärksten Standorten weltweit. Es gibt jedoch keine Garantie für den zukünftigen Erfolg. Dafür ist neben hoher Qualität zunehmend auch Nachhaltigkeit ein entscheidendes Kriterium. Als Unternehmer haben wir die Möglichkeit, in diesem Feld Standards zu setzen und die Zukunftsfähigkeit der Region zu steigern.

Dr. Eberhard Sasse, Vorstand der Dr. Sasse AG, München, Präsident der IHK für München und Oberbayern

Gemeinsam vorangehen: Verantwortungspartnerschaft für nachhaltige Lieferketten stärken

Die verantwortungsvolle Gestaltung von Liefer- und Wertschöpfungsketten kann einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten und erfordert die gemeinsame Anstrengung aller gesellschaftlichen Akteure. Im Sinne einer Verantwortungspartnerschaft müssen Staaten ihre völkerrechtlich verankerte Aufgabe wahrnehmen, Sozial- und Umweltstandards durchzusetzen und Menschenrechte zu schützen. Das gilt auch für Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Möglichkeiten der Einflussnahme von Unternehmen auf die Zulieferketten variieren je nach Unternehmensgröße und -struktur, Branche und Marktposition stark. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben oftmals nur begrenzten Einfluss und Kontrollmöglichkeiten auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards vor Ort.

Unternehmen unterstützen und CSR-Kompetenzen fördern

Die EU sollte Unternehmen, insbesondere KMU, bei der Wahrnehmung ihrer menschenrechtlichen Sorgfalt unterstützen. Dies kann durch Informationen zu Menschenrechtsrisiken, z. B. über den Europäischen Auswärtigen Dienst (EEAS), durch Angebote zur Entwicklung von Kompetenzen und Know-how sowie durch entsprechende Fördermittel geschehen. Die EU sollte auf eine kohärente Umsetzung der nationalen Aktionspläne für Wirtschaft und Menschenrechte in den Mitgliedstaaten achten. Zudem sollte sich die EU gemeinsam mit internationalen Organisationen wie den VN, der ILO und der OECD in multilateralen Foren weiterhin für nachhaltige Lieferketten einsetzen, um global auf die Angleichung der Wettbewerbsbedingungen für Unternehmen hinzuwirken. Die staatliche Verantwortung zum Schutz der Menschenrechte darf dabei weder in den Gaststaaten noch von Europa aus auf die Unternehmen übertragen werden.

Forderungen:

  • Auf kohärente Umsetzung der nationalen Aktionspläne Wirtschaft & Menschenrechte hinwirken
  • Informationen zu Menschenrechtsrisiken bereitstellen
  • Fördermittel für Unternehmen und Brancheninitiativen zur Förderung nachhaltiger Lieferketten bereitstellen

Neue Maßstäbe setzen: Nachhaltigkeit als Leitbild in der Finanzbranche etablieren

Nachhaltigkeit im Finanzsektor etablieren

Der Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Finanzierung von nachhaltigem Wachstum zielt insbesondere darauf ab, Kapitalflüsse auf nachhaltige Investitionen umzulenken sowie langfristige Orientierung und Transparenz in der Finanz- und Wirtschaftstätigkeit zu fördern. Er ist damit ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 sowie der Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens. Die geforderte Tiefe bei der Prüfung von Wertschöpfungsketten auf Nachhaltigkeitskriterien sollte jedoch den regulatorisch bedingten Aufwand der Finanzinstitute sowie die Offenlegungspflichten von Nachhaltigkeitsinformationen von Unternehmen nicht zusätzlich belasten. Denn hinzukommende Prüf-, Dokumentations- und Meldepflichten von Nachhaltigkeitskriterien binden Personal und Kapital unverhältnismäßig und könnten zu Engpässen in der Unternehmensfinanzierung führen. Hierunter fällt auch, dass der Aufwand von Berichts- und Dokumentationspflichten in Beratungsgesprächen nicht noch weiter zunehmen darf. Gleichwohl bietet die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien der Finanzwirtschaft die Möglichkeit, das Thema Nachhaltigkeit als Chance für Marktansprache und Wachstum zu nutzen.

Zielkonflikte thematisieren und auf bestehenden Initiativen aufbauen

Um Kapitalströme hin zu einer nachhaltigen Entwicklung zu lenken, ist zunächst ein gemeinsames Grundverständnis von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Finanzprodukten wichtig. Die EU-Kommission sollte bei der Entwicklung einer gemeinsamen Taxonomie auf bestehende Initiativen aus den Mitgliedsländern aufbauen und auch Zielkonflikte der Nachhaltigkeit offen ansprechen und thematisieren. Zudem kommt den Regierungen der Mitgliedstaaten bei der Förderung von nachhaltiger Finanzierung eine wichtige Vorbildfunktion zu. So sollten die Mitgliedstaaten in die Pflicht genommen werden, Nachhaltigkeitskriterien bei der Anlage von staatlichen Fonds, Pensionsgeldern und Sondervermögen stärker zu berücksichtigen, um der Wirtschaft eine eindeutige Orientierung zu geben. Ein „Green Supporting Faktor“, d. h. eine reduzierte regulatorische Eigenkapitalunterlegung für nachhaltige Finanzprodukte, ist abzulehnen, solange ein geringeres Risiko für nachhaltige Vermögenswerte nicht tatsächlich messbar und nachweisbar ist.

Forderungen:

  • Keine reduzierte Eigenkapitalunterlegung für nachhaltige Finanzprodukte einführen – die Kapitalunterlegung muss risikoadäquat erfolgen
  • Verzicht auf unverhältnismäßige Dokumentations- und Meldepflichten, z. B. in der Anlageberatung und bei Berichtspflichten
  • Vorbildfunktion von staatlichen Fonds, Pensionsgeldern und Sondervermögen stärken

Unternehmen fördern und nicht überfordern: Komplexität der CSR-Berichterstattung praktikabel halten

CSR-Richtlinie stellt kleine und große Unternehmen vor Herausforderungen

Die CSR-Richtlinie der EU hat Berichterstattungspflichten von nicht-finanziellen Informationen eingeführt. Von der Berichtspflicht sind nicht nur große Unternehmen betroffen, sondern durch den Kaskadeneffekt auch KMU, die als Zulieferbetriebe zur Erhebung von nicht-finanziellen Informationen – oftmals nach unterschiedlichen Standards und Formaten – aufgefordert werden. Wesentliche Themen und Risiken müssen identifiziert und entsprechende Managementkonzepte und Kennzahlen berichtet werden. Eine erste Evaluierung zeigt, dass deutsche Unternehmen die neuen Regeln unterschiedlich umsetzen und damit den gesetzlichen Spielraum für anzuwendende Berichtsstandards und -formate nutzen. Gleichzeitig beklagen eine Vielzahl von Unternehmen mit begrenzten Ressourcen einen Mehraufwand durch fehlende Standardisierung. Dennoch wird bereits eine Ausweitung der nicht-finanziellen Berichtspflichten erwogen.

Anforderungen und Bedürfnisse insbesondere von KMU im Blick behalten

Bei der Bewertung und Überarbeitung der CSR-Richtlinie gilt es zu hinterfragen, inwiefern eine Ausweitung der Berichtspflicht zielführend ist. Es gilt, klare, verlässliche und der Unternehmensgröße angemessene Berichtspflichten zu schaffen, die ausreichend Zeit für die Implementierung der eigentlichen Maßnahmen lassen. Insbesondere den Anforderungen und Bedürfnissen von KMU, die als Zulieferbetriebe zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen aufgefordert werden, ist dabei Rechnung zu tragen. Um Unternehmen nicht mit zusätzlichem Verwaltungsaufwand zu belasten, sollte auf etablierten Standards wie dem Global Reporting Index (GRI) und dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) aufgebaut werden. Unterschiedliche Berichts- und Nachweispflichten, wie beispielsweise zu CSR, Menschenrechten und Konfliktmineralien, sollten dabei stärker verzahnt werden. Die Möglichkeiten der Digitalisierung und integrierten Berichterstattung sollten in diesem Kontext zudem verstärkt aufgezeigt und gefördert werden.

Forderungen:

  • Praktikable Nachweispflichten entwickeln und unnötige Bürokratie vermeiden
  • Stärkere Verzahnung der Berichts- und Nachweispflichten einführen, auf Doppelungen verzichten, auf bestehende Standards aufbauen
  • Möglichkeiten der Digitalisierung und integrierten Berichterstattung aufzeigen