Warum Unternehmer den Binnenmarkt schätzen

Beste Märkte vor der Haustür ‎

Christoph Leicher, Geschäftsführer von Leicher Engineering
© Wolf Heider-Sawall Unternehmer Christoph Leicher aus Kirchheim.

So zentral im Binnenmarkt positioniert zu sein, ist für uns in Oberbayern der größte Wettbewerbsvorteil. Beste Absatz- und Beschaffungsmärkte liegen direkt vor unserer Haustür«, sagt Christoph Leicher (64), Geschäftsführer der Leicher Engineering GmbH in Kirchheim. Als Großhändler für anspruchsvolle mechanische Bauteile ist das Familienunternehmen weltweit engagiert. Über ein Drittel der ausländischen Kunden und sogar 42 Prozent der Lieferanten kommen aus der EU. »Aus Abwicklungs- und Organisationsgründen bevorzugen wir den Binnenmarkt. Aus Kostengründen ist aber auch Asien als Beschaffungsmarkt nicht wegzudenken«, sagt Leicher. Fast alle EU-Länder sind wichtige Absatzmärkte für Leicher Engineering.

Bei der Beschaffung konzentriert sich das Unternehmen auf Südosteuropa und besonders Italien. »Für uns sind das tolle Märkte«, betont Leicher. Die Mentalitäten sind ähnlich, es gibt keine unterschiedlichen Zeitzonen, Kunden wie Lieferanten können schnell nach Bayern kommen und umgekehrt. »Wir tun uns leicht, hier neue Partner zu finden und sie zu binden «, so der Unternehmer. Der geringe bürokratische Aufwand im Vergleich zu den Nicht-EU-Ländern sei ein wichtiger Faktor. Die Rechtssysteme sind ähnlich, die Bezahlabwicklung einfach. Vor allem die gemeinsame Währung im Euroraum sei ein nicht zu unterschätzender Vorteil, so Leicher.

So zentral im Binnenmarkt positioniert zu sein, ist für uns in Oberbayern der größte Wettbewerbsvorteil. Beste Absatz- und Beschaffungsmärkte liegen direkt vor unserer Haustür.

Christoph Leicher

Das Prinzip des freien Handels sieht der Unternehmer im Binnenmarkt verwirklicht: »Wir brauchen keine Genehmigungen. Geschäfte laufen hier für uns genauso ab, als säßen die Geschäftspartner in Miesbach um die Ecke.« Bei aller Begeisterung spart der überzeugte Europäer aber auch nicht an Kritik. Die aktuellen Lkw-Kontrollen an der bayerisch-österreichischen Grenze hält er für nutzlose Willkür, die enorme Zeitverluste und Kosten verursache. Neben der schnellen Beseitigung dieser Grenzkontrollen auf der Brennerroute fordert er mehr Digitalisierung im Handelsverkehr. Der Dokumentationsaufwand auf Papier sei in einer digitalisierten Welt zu hoch.

Wie ein Heimatmarkt

»Sichere Märkte mit konstanten Umsätzen – ein starker Binnenmarkt hat für uns entscheidende Bedeutung«, sagt Michael Rosenheimer (62), Geschäftsführer der MIPM Mammendorfer Institut für Physik und Medizin GmbH. Das kleine Familienunternehmen ist als Nischenanbieter spezialisiert auf die Entwicklung und Produktion medizinischer Geräte. Der größte Teil des weltweiten Absatzes wird in den EU-Binnenmarkt geliefert. »Wenn wir in neue Märkte gehen, sind nicht Zollverfahren das Problem. Es sind die Regulierungen, die uns das Leben schwermachen«, sagt Rosenheimer. Denn die Geräte müssen in jedem einzelnen Land zugelassen werden. Bei Medizinprodukten ein langwieriges und kostspieliges Verfahren, das sich für kleinere Firmen, die geringere Stückzahlen verkaufen, nicht immer auszahlt. »Zwar müssen wir unsere Geräte auch innerhalb der EU zulassen«, sagt der MIPM-Geschäftsführer.

Der Binnenmarkt ist ein Heimatmarkt, auf dem man sich sicher wie in Deutschland fühlt.

Michael Rosenheimer

Michael N. Rosenheimer, MIPM, Geschäftsführer, HOMINUM SALUTI MEDICINAM EXERCENS
© Wolf Heider-Sawall Michael Rosenheimer

»Dies ist aber ein einmaliger bürokratischer Aufwand, der dann für derzeit noch 28 Länder gilt. Damit ist ein riesiger Absatzmarkt mit 500 Millionen Menschen abgedeckt.« Auch müsse man sich keine Sorgen über Wechselkursschwankungen machen, ganz anders als im ebenfalls wichtigen USA-Geschäft. Die Zollfreiheit innerhalb des Binnenmarkts bringe dem Unternehmen deutlichen Gewinn, betont Rosenheimer: »Die schnelle, unbürokratische und kostengünstige Lieferung an den Kunden ist ein großer Vorteil, gerade auch für Serviceleistungen. Die Geräte sind innerhalb der EU sehr einfach zu verschicken.« Gehen Waren in Länder außerhalb der EU, kostet das lange Warten auf die Zollinspektion den Geschäftsführer fast jedes Mal viel Zeit und Nerven. Dennoch wünscht sich Rosenheimer auch innerhalb des Binnenmarkts weniger Bürokratie: »Neue Regulierungen aus Brüssel schießen oftmals über das Ziel hinaus«, kritisiert der Medizintechniker. Auch gebe es in manchen Ländern immer wieder protektionistische Bestrebungen, die den freien Warenaustausch mit zusätzlichen Anforderungen wie Onlineregistrierungen einschränken. Trotzdem – die Geschäfte innerhalb der EU laufen für MIPM fast immer problemlos, sagt Rosenheimer: »Der Binnenmarkt ist ein Heimatmarkt, auf dem man sich sicher wie in Deutschland fühlt.«