Lebensmittelindustrie 2018 in Oberbayern

In der oberbayerischen Lebensmittelindustrie erwirtschafteten 286 Betriebe mit 34.062 Beschäftigten im Jahr 2016 einen Umsatz von rund 8 Mrd. Euro. Das zeigt die Branchenstudie der IHK München zur Lebensmittelindustrie 2018.

Lebensmittelindustrie in Oberbayern wächst

Anteile der oberbayerischen Lebensmittelindustrie an der bayerischen Lebensmittelindustrie
© IHK Die Lebensmittelindustrie ist für den Freistaat Bayern und speziell auch für den Regierungsbezirk Oberbayern von herausragender Bedeutung.

Die oberbayerischen Unternehmen der Lebensmittelbranche verzeichnen bei Mitarbeitern und Umsatz kräftige Zuwächse, so die IHK-Branchenstudie.

  • 2016 zählten die Betriebe 34.000 Beschäftigte, ein Plus von über 15 Prozent seit 2010. Mehr als jeder Vierte der in der bayerischen Lebensmittelindustrie Beschäftigten arbeitet damit in Oberbayern.
  • Auch die Anzahl der oberbayerischen Betriebe stieg im selben Zeitraum um fast 17 Prozent auf 286.
  • Insgesamt erwirtschaftete die Branche 2016 einen Umsatz in Höhe von acht Milliarden Euro. Sie schulterte somit weit über ein Viertel (28,7 Prozent) der gesamtbayerischen Umsätze. Das Umsatz­wachstum zwischen 2010 und 2016 belief sich auf beachtliche 20 Prozent.
  • Bei den Produkten zählen nicht nur Bier, sondern auch Fleischerzeugnisse, Milch­produkte sowie Back- und Teigwaren zu den Spitzenreitern.

Export ist für die oberbayerische Lebensmittelindustrie ein wichtiges Standbein

Die Lebensmittelindustrie in Oberbayern erwirtschaftete 2016 einen Auslandsumsatz von rund 1,5 Mrd. Euro, dies entspricht einem Anteil von 18,8 %. Rund 1,27 Mrd. Euro (19,6 %) entfielen auf die Hersteller von Nahrungs- und Futtermitteln und 0,23 Mrd. Euro (15,4 %) auf die Getränkehersteller.

Damit generiert Oberbayern, verglichen mit dem Bundesgebiet sowie dem gesamten Freistaat, einen etwas geringeren Auslandsumsatz. Gleichwohl ist der internationale Handel für die oberbayerischen Lebensmittelunternehmen wichtig. Ob Weißbier in New York oder Käse in Kapstadt – bayerische Produkte sind im Ausland beliebt und bekannt.

Dynamik in den Exportumsätzen

Der Export von Lebensmitteln aus Oberbayern nahm zwischen 2010 und 2014 von
1,20 Mrd. Euro auf 1,58 Mrd. Euro zu. 2015 und 2016 haben sich die Auslandsumsätze
der Lebensmittelindustrie in Oberbayern leicht rückläufig entwickelt. Insgesamt lag
der Anteil des Auslandsumsatzes am Gesamtumsatz 2016 unter dem Niveau von 2011
(19,0 % der Gesamtumsätze).

Produkte der oberbayerischen Lebensmittelindustrie

Der Umsatz der Fleischverarbeitung in Oberbayern hat sich seit 2010 um circa 180 Mio. (36,2 %) erhöht. Auch die Betriebs- und Beschäftigungszahlen lagen 2016 auf einem neuen Rekordhoch.

Die Beschäftigungszahlen in der Fleischverarbeitung in Oberbayern sind in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen. Diese erreichten im Jahr 2016 mit 3.203 Mitarbeitern den Höchststand der vergangenen Jahre, das waren 12 % mehr als 2013. Im Jahr 2016 war mehr als jeder Fünfte (21,1 %) der insgesamt 15.151 Beschäftigten der bayerischen Fleischverarbeitung in Oberbayern tätig.

Die Milchverarbeitung weist innerhalb der Lebensmittelindustrie in Oberbayern die höchsten Umsätze auf – mehr als jeder dritte Euro wird hier erwirtschaftet. Auf Milchprodukte entfallen über 58 Prozent des Auslandsumsatzes der Lebensmittelindustrie. Vor allem Länder in Süd- und Osteuropa sind wichtige Absatzmärkte, Käse ist das am meisten nachgefragte Produkt.

Mit 1,5 Mrd. Euro Umsatz ist die Getränkeherstellung eine der größten Teilbranchen der Lebensmittelindustrie. Knapp drei Viertel des Umsatzes werden hierbei in der Herstellung von Bier generiert. In ganz Bayern sind es rund 55 Prozent. Mit 139 Braustätten belegt Oberbayern nach Oberfranken (173 Brauereien) den zweiten Platz bei der Bierproduktion.

Die Backwarenindustrie weist absolut und auch in Relation zur Gesamtbranche die höchsten Beschäftigungszahlen innerhalb der Lebensmittelindustrie in Oberbayern auf. Auch die Betriebs- und Umsatzzahlen entwickeln sich positiv. Die Anzahl der Backwarenhersteller in Oberbayern ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen – zwischen 2010 und 2016 um rund 20 %. Auch die Beschäftigungszahlen verzeichneten seit 2013 stetige Zuwächse – nach zeitweise deutlichen
Rückgängen in den Jahren 2012 (11.664) und 2013 (11.633). Derzeit ist die Branche mit einem starken Mangel an Arbeitskräften konfrontiert.

Zukunftstrends und Innovationen in der oberbayerischen Lebensmittelindustrie

Trends in der oberbayerischen Lebensmittelindustrie
© IHK
  • Die Lebensmittelindustrie gilt traditionell als vergleichsweise innovationsschwach. Die geringen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung in den Unternehmen sind allerdings mit weiteren Spezifika der Branche in Relation zu setzen: Vor dem Hintergrund eines zunehmenden Preis- und Rationalisierungsdrucks spielen Prozessinnovationen eine hervorgehobene Rolle. Als „Innovationstreiber“ gelten hierbei vor allem externe Zulieferer und Dienstleister, insbesondere aus dem Bereich Maschinenbau.
  • Obwohl die Ernährungswirtschaft keine „klassische“ Hightechbranche ist, hat sich der Druck zur Entwicklung neuer, innovativer Produkte beständig erhöht. Die Produktlebenszyklen werden kürzer. „Neuheit“ drückt sich dabei häufig in einer geänderten Verpackung und in inkrementellen Veränderungen der individuellen Rezeptur aus.
  • In der Lebensmittelindustrie Oberbayerns ist die Digitalisierung bereits in vielen Unternehmensbereichen deutlich vorangeschritten, z. B. in einzelnen Prozessabläufen der Produktion oder im Personalmanagement. Insbesondere im Marketing wird versucht, Kunden über unterschiedliche Kanäle zu erreichen. Zudem ist es möglich, Kundendaten digital zu erfassen und auszuwerten. In der Verpackungstechnik und der Produktion werden Prozesse durch digitale Applikationen optimiert und ressourceneffizient eingesetzt.
  • Auf dem Markt für Lebensmittel hat sich ein genereller Verbrauchertrend in Richtung gesunder, wenig verarbeiteter Produkte aus vornehmlich regionaler und/oder biologischer Herstellung verstetigt. Auch Nachhaltigkeit (nachhaltiges Wirtschaften, artgerechte Tierhaltung …) hat als übergeordnetes Thema an Bedeutung gewonnen. Regionale Produkte eröffnen Verbrauchern die Möglichkeit, mit landwirtschaftlichen Erzeugern und Verarbeitern vor Ort in Kontakt zu treten: Frische Produkte, kurze Lieferwege, Nachvollziehbarkeit der Produktion sowie das persönliche Kennen des Landwirts schaffen Vertrauen bei den Konsumenten.