IHK Ratgeber

Vorbereitung auf den harten Brexit (No Deal)

Inhalt

Was versteht man unter dem Harten Brexit (No Deal)

Unter dem Harten Brexit wird eine Trennung des Vereinigten Königreiches von bisherigen vertraglichen Verbindungen mit der EU verstanden – ohne Folgevereinbarungen. Dabei wird das VK von allen Rechten und Pflichten, die mit der EU Mitgliedschaft einhergehen, gelöst. Dies könnte u.a. zur Folge haben, dass ab dem 1. November 2019 für den grenzüberschreitenden Handel umfassende Zollkontrollen, Zulassungsbeschränkungen etc. anstehen. Das VK würde aus Sicht der EU zu einem Drittstaat.

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Wer muss sich vorbereiten?

Alle Unternehmen, die mit dem Vereinigten Königreich Handel treiben, müssen sich auf einen Harten Brexit vorbereiten. Kontrollieren Sie hier, ob dies auch auf Sie zutrifft.

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Checkliste: Bin ich vom Brexit betroffen?

Mein Unternehmen hat Handelsbeziehungen mit Partnern in Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
In meiner Lieferkette gibt es Vorprodukte aus Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Unsere Geschäftspartner in Großbritannien planen ggf. ihre Produktion (oder Teile davon) zu verlagern.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Wir führen genehmigungspflichtige Produkte aus.Zur Handlungsempfehlung Warenverkehr & Zoll
Mein Unternehmen entsendet regelmäßig Mitarbeiter in das Vereinigte Königreich.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
In unserem Unternehmen sind Mitarbeiter im Vereinigten Königreich ohne britische Staatsbürgerschaft beschäftigt.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
In unserem Unternehmen sind britische Staatsbürger im EU-27 Gebiet ohne zusätzliche deutsche oder anderweitig europäische Staatsbürgerschaft beschäftigt.Zur Handlungsempfehlung Dienstleistungsverkehr
Ich habe bestehende Verträge mit britischen Vertragspartnern. Unterliegen diese Verträge britischen Recht bzw. britischer Gerichtsbarkeit?Zur Handlungsempfehlung Recht
Wir planen derzeit neue Verträge mit britischen Vertragspartnern.Zur Handlungsempfehlung Recht
Wir übermitteln personenbezogene Daten zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU. Es existieren in unserem Unternehmen britische Gesellschaften, die personenbezogene Daten verarbeiten.Zur Handlungsempfehlung Recht
In meinem Unternehmen gibt es Warenströme zwischen Großbritannien und einem weiteren EU-Mitgliedsstaat (nicht zwingend Deutschland). Dabei werden verbrauchsteuerpflichtige Waren in das VK geliefert oder von dort bezogen.Zur Handlungsempfehlung Steuern
Ich bin Speditionsunternehmer oder versende viele Waren nach UK.Zur Handlungsempfehlung Transport & Logistik
Unser Unternehmen hat Bankkonten bei britischen Banken.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Unser Unternehmen hat Kredite bei britischen Kreditinstituten.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Mein Unternehmen arbeitet mit britischen Wirtschaftsprüfern zusammen.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen
Mein Unternehmen plant oder tätigt bereits Investitionen in Großbritannien.Zur Handlungsempfehlung Finanzdienstleistungen

Thema Transport: Wie kann ich mich auf den harten Brexit vorbereiten?

International tätige Speditionen und Produktionsunternehmen mit Sitz in Bayern profitieren vom uneingeschränkten EU-Binnenmarkt, der auf dem freien Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital basiert. Fällt der freie Warenverkehr weg, müssen Unternehmen mit höheren Kosten rechnen.

  • Im Falle von wieder erhobenen Zöllen ("Hard Brexit") entstehen direkte Zollkosten und indirekte Mehrkosten, u.a. durch den erhöhten Zeitaufwand, Bürokratie und Grenzkontrolle.
  • Im Falle von Transitverkehr über Großbritannien nach Irland über die sogenannte Landbrücke, kann es durch zusätzliche Kontrollen zu zeitlichen Verzögerungen kommen. Daher sollten Alternativrouten geprüft und ggf. in Anspruch genommen werden.

Luftverkehr: Das Vereinigte Königreich kann nach dem Brexit den Zugang zum einheitlichen europäischen Luftraum verlieren. Sollte kein anderweitiges Abkommen geschlossen werden, treten automatisch die ursprünglich ausgehandelten bilateralen Luftverkehrsabkommen in Kraft. Die britische Regierung kann mit der EU und anderen Drittstaaten neue Luftverkehrsabkommen abschließen und damit den Luftverkehr neu regeln.

Straßengüterverkehr: Die Regelungen zur Entsendung von LKW-Fahrern, zu den Lenk- und Ruhezeiten und zur Karbotage (Transitverkehr) müssen nach dem Brexit neu festgesetzt werden. Die Regeln zur europäischen Karbotage besagen, dass nur Logistikunternehmen mit Sitz in der EU ohne zusätzliche Genehmigung in andere EU-Staaten liefern dürfen. Im Falle eines harten Brexit würde das für Großbritannien entfallen.

Hinweis: Informieren Sie sich rechtzeitig über Führerscheinanerkennungen bei Fahrern aus Drittstaaten, ob diese für Großbritannien weiterhin gelten.

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Thema Zoll: Wie kann ich mich auf den harten Brexit vorbereiten?

Für Unternehmen aus Bayern mit direktem Großbritannien-Geschäft bedeutet ein harter Brexit, keine Möglichkeit einer Übergangsphase und damit eine sofortige Rückkehr zu Zollanmeldungen und einer entsprechenden Abfertigung durch den Zoll.

Eine besonders große Umstellung bedeutet der Brexit für:

  • Unternehmen, die ihre Waren bisher ausschließlich aus der EU beziehen
  • Unternehmen, die nur an Kunden innerhalb des Europäischen Binnenmarkts liefern
  • Unternehmen mit britischen Lieferanten oder Kunden

Gerade für diese Unternehmen ist es an der Zeit, sich mit den Export-Regeln zu beschäftigen. EORI-Nummer, Warennummer / Zolltarifnummer, Zollanmeldungen, Ursprungsregeln, Präferenznachweise, Präferenzkalkulationen und Exportkontrolle spielen dann unter anderem eine Rolle.

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Thema Mitarbeiter: Was müssen Sie für Ihre Mitarbeiter im UK beachten?

Im Falle eines harten Brexit befürworten EU und britische Regierung folgende Regelungen zur Einreise:

  • Einreise ohne Visum (d.h. auch nur mit Personalausweis möglich) bis zu 90 Tage je Zeitraum von 180 Tagen (bzw. 3 Monate im VK) → darin wäre das Recht temporär zu arbeiten.
  • Im VK wäre eine Verlängerung über die 3 Monate hinaus möglich: dazu müsse ein Antrag gestellt werden → nach Bewilligung bestünde das Recht sich für bis zu 36 Monate im VK aufzuhalten und zu arbeiten. Eine Verlängerung wäre nicht möglich.
  • Diese Regelungen greifen nur, wenn beide Seiten Erleichterungen auch tatsächlich final beschließen (Reziprozität).

Weitere Regelungen zur Mitarbeiterentsendung im Falle eines harten Brexit:

  • Die Entsenderichtlinie der EU würde nicht mehr gelten
  • Es wäre keine Beantragung einer A1-Bescheinigung mehr möglich und nötig
  • Ob das 1960 geschlossene "deutsch-britische Abkommen über soziale Sicheheit" wieder zur Anwendung kommen wird, solte keine anderweitige Vereinbarung getroffen werden, ist noch unklar.

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