Erfahrungsaustausch rund um check.work

Brückenschlag zum Arbeitsmarkt

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© IHK/ Gajanin

Kompetenzen frühzeitig zu erkennen, ist einer der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration von Geflüchteten. Um nonformal und informell erworbene Fertigkeiten und Potenziale ermitteln zu können, hat die IHK für München und Oberbayern im Auftrag der bayerischen IHKs das Online-Tool check.work entwickelt. Bei der Veranstaltung „Integration durch Kompetenz“, informierten sich mehr als 80 Vertreter aus Jobcentern, Arbeitsagenturen, Berufsschulen und Bildungseinrichtungen über die Einsatzmöglichkeiten von check.work.

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© IHK/ Gajanin

In seiner Begrüßung betonte Florian Kaiser, Leiter des Referats Bildungsberatung der IHK für München und Oberbayern, dass viele Menschen mit Fluchthintergrund ungeahnte Talente oder Fertigkeiten und vielfältige ‎berufliche Erfahrungen mit sich bringen würden. Zwar variierten die Bildungsbiografien der Geflüchteten sehr stark in Abhängigkeit von der ‎Situation in den jeweiligen Herkunftsländern, aber fast alle hätten eine ausgeprägte Erwerbs- und Bildungsorientie‎rung. „Die Schwierigkeit besteht bisher darin, die vorhandenen Fähigkeiten und Potenziale konkret zu ermitteln“, so Kaiser. ‎Hier setze das von den bayerischen IHKs entwickelte Tool „check.work“ an.

Wie vielfältig die Möglichkeiten zum Erkennen und Fördern von Fähigkeiten sind, zeigte Stephan Schiele, Leiter Tür an Tür – Integrationsprojekte gGmbH, in seinemImpulsvortrag.Darin unterstrich er die notwendige Unterscheidung zwischen der Feststellung von Kompetenzen und der Analyse von Qualifikationen. Im Mittelpunkt müsse dabei stets die intensive Auseinandersetzung mit der jeweiligen Person stehen. „Wenn dies richtig und gut funktioniert, dann schaffen wir es, die Geflüchteten auf einem hohen Niveau in den Arbeitsmarkt zu bringen“, sagte Schiele. Abschließend stellte er dazu unterschiedliche Ansätze vor, mit denen sein Team Geflüchtete und Migranten in passende Arbeitsstellen vermitteln konnte. Das von den bayerischen IHKs entwickelte Tool „check.work“ unterstütze diesen Prozess, weil es eine Vielzahl von Berufen und Kompetenzen umfasse, so Schiele.

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© IHK/Goran Gajanin Moderator Dr. Alexander Hartmann führte humorvoll durchs Programm

Mareike Ziegler, Projektleitung für „check.work“ und Teamleiterin der Integrationsberatung der IHK für München und Oberbayern, sowie Helmut Stangl, Chefredakteur der Meramo Verlag GmbH, stellten daraufhin die Anwendung im Detail vor. Ziel sei es von Anfang an gewesen mit einem einfachen und sehr frühen Screening die Beratung und passgenaue Vermittlung in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, betonte Ziegler.

„Check.work ersetzt weder den Berater noch das Beratungsgespräch. Das Tool soll vielmehr vor falschen Wegen in den Arbeitsprozess schützen“

Helmut Stangl, Chefredakteur Meramo Verlag

Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung des Tools, so Stangl, sei die große Heterogenität der Andwendergruppe „Geflüchtete“ gewesen. Sie reiche vom Hilfsarbeiter mit wenig bis gar keiner Schulbildung bis hin zum Nanowissenschaftler. „Check.work ersetzt dabei weder den Berater noch das Beratungsgespräch. Es soll vielmehr vor falschen Wegen in den Arbeitsprozess schützen“, sagte Stangl. Für Modul 1, das sich an Geflüchtete mit Berufserfahrung richtet, habe man deshalb das komplette deutsche Bildungssystem in konkrete Tätigkeiten zerlegt und in Bildern festgehalten. Modul 2, ein eignungsdiagnostischer Kompetenztest, der insbesondere für Berufsintegrationsklassen konzipiert sei, liefere individuelle Stärkenprofile mit Bezug zum deutschen Ausbildungssystem.

Den Einsatz von check.work unterstützen die bayerischen IHKs mit der Vergabe von kostenlosen Lizenzen aus einem festgelegten Kontingent und Testzugängen an die strategischen Partner, sowie durch kostenfreie Multiplikatoren-Schulungen.

Check.work ist ein guter ‎Wegweiser dafür, wohin Jugendliche vermittelt werden können

Mürvet Kasap, Teamleiterin für die Zentraleinheit Flüchtlinge des Jobcenters München

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© IHK/ Gajanin

Zum Abschluss tauschten sich die Vertreter der Jobcenter, ‎Bildungsträger und Betriebe bei einer Fishbowl-Podiumsdiskussion über den Einsatz von check.work in der Praxis aus. Mürvet Kasap, Teamleiterin für die Zentraleinheit Flüchtlinge des Jobcenters München, sieht in check.work „einen guten ‎Wegweiser dafür, wohin die Jugendlichen vermittelt werden können“. Sie betonte zudem, dass die Erwartungen an dieses Werkzeug erfüllt worden seien. So würden im Jobcenter die Ergebnisse aus der Kompetenzfeststellung mit check.work in das vorhandene Matching-System gespeist, ‎um auf diese Weise Kandidaten noch ‎gezielter an Arbeitsgeber vermitteln zu können.

Auch Besma Cherif, Geschäftsführerin der Münchner r&m Personalrecruiting und -‎management OHG ‎, berichtete von ihren positiven Erfahrungen mit check.work: „Es ist nicht immer leicht, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, aber zu den Betrieben kann durch die ‎Ergebnisse von ‎check.work eine Brücke hergestellt werden.“‎ Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass eine Besprechung der Ergebnisse stets notwendig sei und diese vor allem auch Anhaltspunkte für eine weitere, notwendige Förderung geben können.

Marc Schüpferling, Berater der add-on Personal & Lösungen GmbH, hat check.work im Rahmen einer Teilqualifizierungsmaßnahme verwendet und seit Mai 2017 in mehr als 50 Testungen eingesetzt. Mit Erfolg: Seither gab es noch keine Abbrüche in den TQ-Gruppe, deren Interesse und Eignung vorab im Bereich Metallverarbeitung mit check.work ermittelt worden sei.

Mit ‎check.work kann zu den Betrieben eine Brücke hergestellt werden

Besma Cherif, Geschäftsführerin der Münchner r&m Personalrecruiting und -‎management OHG

Differenzierter fielen die Berichte zur Anwendung von Modul 2 aus. Die Handhabung erweist sich in der Praxis zeitlich und inhaltlich komplexer und setzt neben einem Sprachniveau von B1 auch einen geübten Umgang mit Computern voraus. Matthias Weiß, Lehrer an der Städtischen Berufsschule zur ‎Berufsintegration, betonte zudem, dass auch der ‎Zeitpunkt des Einsatzes von Modul 2 in den Berufsintegrationsklassen (BIK) entscheidend sei. Darüber hinaus würden die Schülerinnen und Schüler einige Themen des Kompetenztests erst im Laufe des Schuljahres lernen. Er sieht in check.work jedoch eine gute Möglichkeit, Jugendliche aus den BIK-Klassen auf moderne Einstellungstests, wie sie bei großen Unternehmen im Bewerbungsprozess eingebunden sind, vorzubereiten. Zusammen mit der Unterstützung der IHK sei die Durchführung auch für die jungen Geflüchteten ein persönlicher Erfolg und eine Freude gewesen.

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Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie