Exporttag Bayern 2016

Veranstaltung der Superlative

Neuer Anmelderekord, 530 Länderberatungen, mehr als 70 AHK-Experten im Einsatz, Teilnehmer reisen bis aus Hamburg an.

IHK Exporttag Bayern 2016 am 24.11.2016 in der IHK-Akademie in Muenchen. Foto: Sebastian Widmann
© Sebastian Widmann

Der Exporttag Bayern 2016 erwies sich erneut als Außenwirtschaftsveranstaltung der Superlative. Für den Großevent im Forum der Münchner IHK Akademie am 24. November waren insgesamt 330 Teilnehmer gemeldet. Ein Rekordwert. Mehr als 70 AHK-Experten aus allen Teilen der Welt waren für rund 530 individuelle Beratungsgespräche gebucht. Gleichzeitig fanden in einem Nebenraum die Vorträge u.a. zu folgenden Themen statt: Südkorea: Neuer Wachstumsmarkt in Asien, Schwache Dynamik in der Weltwirtschaft – wohin noch exportieren?, E-Mobilität, Gesundheitswirtschaft, Digitalisierung: Chinas Wirtschaft im Wandel und Iran nach den Sanktionen – Chancen für die deutsche Wirtschaft. Spannende Themen, dementsprechend waren auch fast alle Plätze besetzt. Schon am frühen Vormittag äußerten sich die Veranstalter, Vertreter der bayerischen IHKs (BIHK) und des bayerischen Handwerks, sehr zufrieden über die Resonanz. IHK-Außenwirtschaftsfachmann Johannes Huber erklärte, dass die Nachfrage nach länderspezifischen Beratungen noch nie so groß war. „Das brummt wie verrückt“, sagte Huber. Das Interesse der Unternehmen ist verständlich. Es verändert sich momentan ja sehr viel auf der Welt.

Südkorea ist ein Top-Markt für deutsche Luxusprodukte

Frank Robaschik, Bereichsleiter Asien/Pazifik bei der German Trade & Invest (GTAI), erklärte in seinem Vortrag beispielsweise, dass Südkoreas Aufstieg zum fünftgrößten Industrieland auch zu einem neuen Absatzmarkt für deutsche Marken- und Luxusprodukte geführt habe. Er machte deutlich, wie segensreich sich Freihandel für Deutschlands Wirtschaft wirkt. Seit Südkoreas Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU sind vor allem die deutschen Exporte nach Südkorea drastisch gestiegen: um satte 56,2 Prozent. Wie komplex die Weltwirtschaft geworden ist, und wie hilfreich Informationen aus erster Hand sein können, machte das Gespräch mit Sonia Bankowa deutlich. Bankowa ist Spezialistin für Aus- und Weiterbildung der Deutsch-Bulgarischen Industrie- und Handelskammer. Ihr Land steht derzeit ohne Regierung da, die Wirtschaftsleistung Bulgariens liegt nur knapp über der afrikanischer Krisenstaaten. Dennoch haben Bayerns Unternehmen Interesse an Bulgarien. Bankowa war für fünf Beratungen gebucht. Sie nannte folgende Gründe für die Nachfrage. „In China sind die Kosten drastisch gestiegen, der Protektionismus nimmt zu. Bulgarien bietet sich als Alternative an – mit sehr günstigen Löhnen und deutlich geringeren logistischen Kosten, weil wir räumlich sehr nahe beieinander liegen“, sagte die AHK-Fachfrau.

AHK-Experten zwischen Hoffnung und Bangen

Trotz aller politischen Unsicherheiten geht sie davon aus, dass Bulgarien seine wirtschaftsfreundlichen Reformen fortsetzen wird. Als Folge würden auch aus Bayern die Investoren kommen, die das Land für seine Entwicklung braucht. Marco Trisciuzzi, Teamleader Marktentwicklung & Markterschließung bei der AHK in Mailand plagen ganz andere Sorgen. Er befürchtet ein Scheitern des für den 4. Dezember von Ministerpräsident Matteo Renzi angesetzten Referendums über die italienische Verfassungsreform. Das, sagte Trisciuzzi, wäre ein sehr schlechtes Signal. „Das hieße weniger Investitionen, das Festhalten an einer lähmenden Verwaltung und weiter keine Lösung des Schuldenproblems unserer Banken“, meinte der AHK-Fachmann.

China weiter top-gefragt

Zu den Stars des Exporttags gehörte Christoph Angerbauer, von der AHK Schanghai. Mit 13 China-Beratungen war der Mann ausgebucht. Gut für viele Besucher, dass Angerbauer noch einen Vortrag hielt. Tenor: China bleibt im Export das Maß der Dinge, aber Mittelständler nimmt Euch in Acht! Chinas Wirtschaft attackiert die Platzhirsche aller Branchen mit einer völlig neuen Produktqualität. Überraschend wenige Auskünfte zu Donald Trump musste an diesem Tag Mirko Wutzler von der AHK in San Franciso geben. „Die Nachfrage ist ungebrochen“, sagte Wutzler. Selbst Trumps Kohle-Rhetorik werde nicht verhindern, dass Kalifornien weiter in Richtung erneuerbare Energien und Umwelttechnik gehe. Das einzige, was Wutzler bedauert, ist, dass mit dem Aus für TTIP der Abbau aufwändiger technischer Zulassungsverfahren in den USA vorerst nicht möglich sei. Ansonsten sieht er vor allem wegen des Silicon Valleys für bayerische Unternehmen in Kalifornien unverändert beste Geschäftschancen. Über den Exporttag äußerte sich der AHK-Mann begeistert. „Das ist eine super Veranstaltung. Auch die Qualität der Firmen, mit denen ich hier spreche, ist außergewöhnlich hoch. Ein Unternehmer ist heute eigens aus Hamburg hierher zum Exporttag geflogen, weil er hier Top-Beratung bekommt. Das zeigt, welches Format diese Veranstaltung hat“, sagte Wutzler.