Fragen im Vorfeld einer Crowdfunding-Kampagne

Wann kommt Crowdfunding in Frage?

Crowdfunding ist ein faszinierender Weg für ein Unternehmen, eine Idee, die Gründung oder das Wachstum zu finanzieren. Aber es ist kein Allheilmittel. Wann kommt Crowdfunding in Frage, und wie läuft es ab?

Für und Wider von Crowdfunding aus Unternehmenssicht

  • Kapital in der Frühphase der Gründung
    Klassische Finanzierungswege bleiben Startups mit innovativen Geschäftsmodellen häufig versperrt. Crowdfunding kann die Finanzierungslücke schließen, die zwischen Produktentwicklung und Markteintritt entsteht.
  • Kurzfristige Finanzierung
    Eine Crowdfunding-Runde läuft meistens über einen Zeitraum von wenigen Wochen. Insofern steht das benötigte Kapital bei Erreichen des Mindestfinanzierungsbetrags (Funding-Schwelle) relativ schnell zur Verfügung.
  • Gewinn von Multiplikatoren
    Überzeugte Unterstützer tragen ihre Begeisterung nach außen, besonders wenn diese bereits investiert und damit am Erfolg des Vorhabens interessiert sind. Das Startup profitiert von den Empfehlungen und kann seine Bekanntheit über die bestehende Community hinaus ausbauen. Spannende Crowdfunding-Projekte können außerdem einflussreiche Meinungsführer erreichen und so noch mehr Reichweite erzielen.
  • Test des Geschäftsmodells
    Durch das Alles oder nichts-Prinzip wird eine Crowdfunding-Kampagne gleichzeitig zu einem ersten Markttest für das Produkt bzw. das Geschäftsmodell. Wird die Fundingschwelle nicht erreicht, so erfolgt auch keine Umsetzung der Geschäftsidee. Der Gründer kann somit sanft scheitern ohne große finanzielle Verpflichtungen.
  • Crowd als zukünftige Kunden
    Unterstützer sind oft auch potenzielle Kunden, d.h., der Gründer kann sich durch Crowdfunding eine erste Kundenbasis beim Markteintritt schaffen. Durch die Beteiligung der Unterstützer entsteht eine enge Kundenbindung an das Unternehmen.
  • Signalwirkung für Investoren
    Ein erfolgreiches Crowdfunding hat Signalwirkung nach außen. Gelingt es, die Crowd zu aktivieren und so zu demonstrieren, dass das Geschäftsmodell auch zukünftig Erfolg verspricht, kann das der Türöffner für größere Investitionen sein.
  • Großer Gestaltungsspielraum
    Crowdfunding ist bislang wenig reglementiert. D.h. Startups sind in der Ausgestaltung ihrer Crowdfunding-Kampagne relativ frei.
  • Gewinn von Know-how und Kontakten
    Unterstützer können Startups nicht nur finanziell unter die Arme greifen, sondern mitunter auch wertvolles Feedback für die Weiterentwicklung und Verbesserung der Geschäftsidee liefern. Auch Unterstützung durch Know-how oder Kontaktnetzwerke ist denkbar.
  • Hoher Betreuungsaufwand
    Das Planen und Umsetzen einer Crowdfunding-Kampagne ist für Startups mit hohem Zeit- und Arbeitsaufwand verbunden. Schon im Vorfeld der eigentlichen Kampagne muss ein entsprechend großer Unterstützerkreis aufgebaut werden. Dieser ist wichtig, damit das Projekt erfolgreich starten kann. Projekte, die bereits kurz nach dem Start des Funding eine hohe Unterstützerzahl aufweisen, sind in der Regel erfolgreicher als andere. Außerdem ist eine intensive und kontinuierliche Kommunikation mit der Crowd nötig, um das Vertrauen der potenziellen Investoren nicht zu gefährden.
  • Reputationsverlust
    Nicht nur Erfolge, sondern auch Misserfolge werden beim Crowdfunding nach außen sichtbar. Schafft es ein Startup nicht, genügend Unterstützer zu organisieren, hat das eine negative Signalwirkung. Auf der anderen Seite bietet ein Misserfolg des Startups aber auch die Chance, das eigene Geschäftsmodell zu überarbeiten.
  • Crowd als Störfaktor
    Der eigene Unterstützerkreis kann auch zur Gefahr werden, und zwar dann, wenn die Investoren mit den strategischen Entscheidungen des Managements nicht einverstanden sind. Der Ärger der Unterstützer bleibt im Netz nicht verborgen und wird schnell nach außen getragen. Eine proaktive Kommunikation im Vorfeld kann helfen, dies zu verhindern.
  • Negative Assoziationen durch bestimmte Investoren
    Unter Umständen können sich Startups ihre Investoren beim Crowdfunding nicht immer aussuchen. So können Investoren mit zweifelhaftem Ruf auch der Reputation des Startups schaden.
  • Veröffentlichung von Interna
    Um potenzielle Investoren von dem eigenen Vorhaben zu überzeugen, müssen viele Informationen aus dem Unternehmen (z.B. über das Geschäftsmodell, den Businessplan, die Finanzierung etc.) öffentlich gemacht werden. Diese werden beim Crowdfunding einer größtenteils unbekannten Crowd zugänglich gemacht, was insbesondere für Startups mit leicht kopierbarem Geschäftsmodell eine Gefahr sein kann.
  • Unzuverlässige Investoren / Widerruf
    Investoren haben z.B. beim reward-based Crowdfunding gemäß dem Fernabsatzrecht §312 Abs. 1+2 BGB das Recht, ihre Entscheidung in den ersten zwei Wochen zu widerrufen und die Investition rückgängig zu machen. Außerdem gibt es Fälle, in denen Investoren säumig werden und die zugesagten Investitionen ausbleiben.