Unternehmerische Verantwortung beim Crowdfunding

Wer die Crowd nicht ehrt ...

„Life is what happens while you are busy making other plans“, sinnierte einst John Lennon. Das gilt nicht nur im persönlichen, sondern auch im unternehmerischen Leben.

Dass viele Gründungen scheitern, ist eine Tatsache. Das weiß jeder, der sich ernsthaft mit der Gründerszene auseinandersetzt. Die Gründe sind oft so unterschiedlich wie die Unternehmen selbst. Von der fehlenden Finanzierung bis zu Zerwürfnissen im Team gibt es viele Dinge, die ein junges Unternehmen aus der Bahn werfen können. Vorhersehbar ist das in den meisten Fällen kaum. Und auch die Stigmatisierung der „Gescheiterten“, die hierzulande häufig stattfindet, hilft niemandem. Im Gegenteil.

Im Dezember 2014 erreichte uns die Insolvenzmeldung eines Münchner Startups, welches noch im September einen sechsstelligen Funding-Betrag von der Crowd erhalten hatte. Das Ende eines Unternehmens ist besonders hart für die Gründer, aber natürlich auch für diejenigen, die investiert haben. Doch das Risiko beim Crowdinvesting ist bekannt. Es ist nicht das erste und mit Sicherheit auch nicht das letzte crowd-finanzierte Unternehmen, das scheitert. Trotzdem: In diesem Fall bleibt ein fader Nachgeschmack. Es gibt Stimmen, die zu Recht kritisch fragen, wie das Unternehmen in nicht mal vier Monaten das gesamte Geld der Crowd verlieren konnte und ob das Scheitern nicht schon viel früher abzusehen war.

Die Hintergründe kennen wir nicht. Uns geht es auch nicht darum, ein Urteil zu fällen, ob ein einzelnes Unternehmen in diesem Fall falsch oder richtig gehandelt hat. Uns ist es wichtig, die unternehmerische Verantwortung, die Gründer mit dem ersten Tag ihres Handelns tragen, bewusst zu machen. Unser Sinnbild des „ehrbaren Kaufmanns“ spiegelt diese Verantwortung wider. Er steht für Werte und Moral im Geschäftsleben und berührt den etablierten Mittelständler ebenso wie das junge Unternehmen.

Die eigene Geschäftsidee zu begraben ist für jeden Gründer mit Abstand am schwersten. Darum ist es nur menschlich, dass viele bis zur letzten Minute um den eigenen Traum kämpfen. Unternehmer sein heißt aber auch, Verantwortung zu übernehmen und zwar nicht nur für das eigene Unternehmen, sondern auch gegenüber der Gesellschaft – gegenüber der „Crowd“. Dazu gehört der Mut, die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment zu treffen. Loszulassen, selbst wenn es das Aus für das Unternehmen bedeutet.

Geld zu verlieren ist eine Sache. Vertrauen zu verlieren eine ganz andere. Das Geld der Unterstützer ist ein gewährter Vertrauensvorschuss. Crowdfundig lebt von diesem Vertrauen. Es leichtfertig auf’s Spiel zu setzen ist fatal. Nicht nur für das einzelne Unternehmen oder die Crowdfunding-Plattform, die als Vermittler dazwischen steht, sondern für Crowfunding im Ganzen. Junge Unternehmen, die auf das Geld des Schwarms setzen, sollten also ehrlich mit sich und denjenigen sein, die ihnen ihr Vertrauen schenken. Denn nichts ist so schwer zurück zu gewinnen wie einmal verloren gegangenes Vertrauen. Im Leben wie im Unternehmen.