Crowdfunding in der Gastronomie

Hungrig auf Innovation

Crowdfunding konnte sich als alternative Finanzierungsmöglichkeit in der Gründerszene einen guten Stand schaffen. Das Prinzip ist die Macht der Masse – viele geben jeweils wenig. Aber bietet diese Art der Kapitalbeschaffung auch eine Chance für die kapitalintensive Gastronomiebranche? Lassen sich auch lokale Gastronomiebetriebe mit Crowdfunding finanzieren?

Ein Gastbeitrag von Anna von Grün.

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Tim Reckmann / pixelio.de

„Ich mache Kartoffelsalat“, lautete das simple Versprechen eines jungen Amerikaners, der 2014 auf der Crowdfunding Plattform Kickstarter über 55.000 US-Dollar innerhalb eines Monats einsammelte. Mag dieser kuriose Internet-Hype auf noch so viele kontroverse Meinungen treffen, eins ist gewiss: Das Thema Essen stößt bei uns Menschen schnell auf Begeisterung und so sind wir gerne auch mal zu einer finanziellen Unterstützung bereit. Die Finanzierung durch den Schwarm könnte folglich auch der chronisch unterfinanzierten Gastronomiebranche zugutekommen.

Kaum eine Branche hat es bei der Existenzgründung mit der Finanzierung so schwer wie das Gaststättengewerbe. Gründer stoßen hier auf viele Herausforderungen. Hohe Investitionen sowie schwankende Erträge sind Risikofaktoren, die einen Bankenkredit für Gründer oft schwierig machen. Die Gastronomie lebt jedoch von neuen innovativen Konzepten, trotzdem scheitert es leider noch zu häufig an der finanziellen Realisierung. Doch Gastro-Gründer in der jungen Startup-Szene entdecken nun neue Finanzierungsformen. Auch in der Gastro-Branche werden Gründer in Zukunft verstärkt auf private Geldgeber und Business Angels angewiesen sein, deren Finanzierungen sich aber vor allem an hohen Wachstumsraten orientieren, wie etwa bei der Systemgastronomie. Kleinere Betriebe im Sinne der Individualgastronomie werden von diesen Finanzmitteln kaum profitieren können. An dieser Stelle könnte Crowdfunding als Teilfinanzierung eine Möglichkeit sein.

In der internationalen Crowdfunding-Landschaft sind gastronomische Projekte noch stark unterrepräsentiert, eine eigene Kategorie für Food bzw. Gastronomie findet man auf den Plattformen bislang selten. Doch mit den Plattformen Equity Eats undFoodstart hat Food-Crowdfunding in den USA seine erste Nische gefunden. Auch in Deutschland gibt es schon einige erfolgreiche Projekte. Dazu zählen beispielsweise Bunter Burger, Yes Ve Gan, Munich Distillersund Pizza Innovazione. Mit einem stimmigen Konzept und einem engagierten Team kann eine Kampagne sehr erfolgreich werden und durch Multiplikator-Effekte einen großen Mehrwert für die Gründer schaffen. Willkommene Nebeneffekte sind beispielsweise die Vorteile des Crowdsourcings (z.B. die Suche nach einer geeigneten Ladenimmobilie mit Hilfe der Unterstützer-Crowd) oder des Civic-Crowdfundings, wo Crowdfunding-Projekte mit regionalem Bezug von lokalen Unterstützern profitieren.

Die Gastronomie versinnbildlicht geradezu den Kerngedanken dieser neuen Finanzierungsform, denn sie lebt vom direkten Kontakt zwischen dem Wirt und seinen Gästen, so wie Crowdfunding von dem Kontakt zwischen dem Projektstarter und seiner Crowd. Entwicklungspotenzial gastronomischer Nischenprojekte ist also vorhanden, denn die neue Finanzierungsart eignet sich besonders für Themen, mit denen sich die Crowd identifizieren kann.

Zum Abschluss einige Praxistipps für Kampagnenstarter in der Gastro- und Foodbranche:

Eine gut durchdachte und vor allem strukturierte Kampagnenvorbereitung ist das A&O!

Neulinge in Sachen Crowdfunding-Kampagne realisieren häufig zu spät, dass 90 Prozent der Arbeit für ein erfolgreiches Projekt in der Vorbereitung stecken. Vergleichbar mit der Mise en Place in der Küche. Erst wenn alle Komponenten vorbereitet sind, kann mit dem Handwerk begonnen werden. So ist es wichtig, schon vor Kampagnenstart eine möglichst große Unterstützer-Community aufzubauen.

Das Auge isst mit! Den Unterstützern soll das Projekt schon auf den ersten Blick im wahrsten Sinne des Wortes schmackhaft gemacht werden!

Die visuelle Darstellung ist gerade bei Projekten aus der Food-Branche extrem wichtig. Schließlich bittet man Menschen, Geld in Essen zu investieren, das sie noch nie probiert haben.

Sprich vor der Kamera und zeige, wer du bist!

Kampagnenvideo: Keep it short and simple! Dabei sind authentisches Auftreten und ein guter Slogan wichtig. Ein Unterstützer sollte sich schließlich innerhalb kürzester Zeit in die Idee verlieben können.

Die Idee sollte innovativ sein und den (lokalen) Unterstützern einen Mehrwert bieten!

Konzepte, die sich an neuen Ernährungs-Trends orientieren oder den Fokus auf Themen wie soziales Engagement und Nachhaltigkeit legen, haben gute Chancen, aus der Masse von Angeboten herauszustechen! Außerdem ist es wichtig, den Standortfaktor miteinzubeziehen. Sprich, welche gastronomische Einrichtung wünscht sich die Bevölkerung und wie lässt sich dies mit der eigenen Projektidee realisieren?

Personalisieren Sie Ihre Kampagne durch ein emotionales Storytelling!

Die Leute unterstützen Crowdfunding-Projekte, wenn sie sich mit dem Konzept identifizieren können. Dies gelingt am ehesten, wenn man der Kampagne eine emotionale und authentische Note verleiht. Individualität überzeugt!

Über die Autorin:
Anna von der Grün ist Absolventin des Studiengangs Tourismusmanagement an der Hochschule München und als Konzeptentwicklerin in der Food-Branche tätig. Ihre Abschlussarbeit widmete sie dem Thema „Crowdfunding als neue Finanzierungsalternative in der Gastronomiebranche – Analyse der Erfolgsfaktoren und Handlungsempfehlungen“.