09.03.2017

Erneut weniger Auszubildende in Oberbayerns Betrieben

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Die Betriebe in Oberbayern haben 2016 erneut weniger Azubis eingestellt: Mit 16.794 neu abgeschlossenen Lehrverträgen in Industrie, Handel und Dienst­leistungen ergibt sich ein Minus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, so die jüngsten Zahlen der IHK für München und Oberbayern. Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort. 2008 hatten noch über 18.000 Jugendliche in Oberbayern eine Ausbildung im Zuständigkeitsbereich der IHK begonnen.

Sasse: „Bewerberlücke wird jedes Jahr größer“ / Wirtschaft wirbt um jeden Schulabgänger

„Jedes Jahr wird es schwieriger für die Betriebe, ihren Fachkräftenachwuchs zu finden. Die Bewerberlücke wächst und wächst“, sagt IHK-Präsident Eberhard Sasse. In allen Ausbildungsbereichen – dazu gehören neben Industrie und Handel auch das Handwerk und freie Berufe – blieben in Oberbayern im vergangenen Jahr laut Arbeitsagentur-Statistik rund 3.700 angebotene Lehrstellen unbesetzt. Das ist ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wurden in Oberbayern nur 430 unver­sorgte Schulabgänger verzeichnet. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen werben intensiv um jeden Schulabgänger und investieren so viel wie noch nie in die Ausbildung. Aufgrund der guten Konjunktur und des absehbaren Fachkräftemangels bieten sie reichlich Lehrstellen an, sie bekommen aber immer weniger Bewerbungen“, so Sasse. Als Hauptgründe nennt der IHK-Präsident die schwindenden Schulabgängerzahlen von Mittel- und Realschulen sowie den Trend zu weiterführenden Schulen und zum Studium. Sasse fordert als Gegenmittel mehr bildungspolitischen Realitätssinn: „Eine Ausbildung ist für viele Schulabgänger eine bessere Wahl als ein abgebrochenes Studium.“

Nach der letzten IHK-Zählung sind 9.871 oberbayerische Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen aktive Ausbildungsbetriebe. Sie stehen für rund 60 Prozent der Ausbildungsverträge in Oberbayern. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Aus­bildungsbetriebe gegen den Trend um 142 zugenommen, ein Plus von 1,5 Prozent. Allerdings haben sich seit dem Höchststand von 2008 wegen des Bewerbermangels per Saldo 845 Unternehmen aus der Ausbildung verabschiedet.