06.02.2017

Bayerische Wirtschaft startet fulminant ins neue Jahr

Daumen hoch
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Der Konjunkturmotor in Bayern läuft weiter auf Hochtouren. Die Geschäftslage hat sich gegenüber Herbst 2016 noch einmal verbessert und markiert einen neuen Rekord. Auch in den kommenden zwölf Monaten rechnen die Unternehmen mit Zuwächsen.

BIHK-Chef Driessen warnt vor Eiszeit für den Freihandel

Der BIHK-Konjunkturindex, der Lage und Erwartungen abbildet, klettert auf 130 Punkte und erreicht damit den dritthöchsten Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1993. Dies geht aus der heute in München vorgestellten Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) unter rund 3.700 Betrieben im Freistaat hervor.

„Die bayerische Wirtschaft startet fulminant ins Jahr 2017“, sagte BIHK-Haupt­geschäftsführer Peter Driessen bei einer Pressekonferenz in München. „Dank starker Nachfrage sowohl aus dem In- und dem Ausland sind 52 Prozent der bayerischen Unternehmen mit ihrer aktuellen Lage zufrieden und nur sechs Prozent unzufrieden“, so Driessen. Nie seit Beginn der BIHK-Konjunkturumfrage war der resultierende Indikator höher als jetzt. Der Boom wird weitergehen, da in den kommenden zwölf Monaten nur ein Zehntel der Betriebe Rückgänge erwarten. Dagegen rechnet ein Viertel der Betriebe mit Zuwächsen. „Damit präsentiert sich die bayerische Wirtschaft in einer noch stabileren Verfassung als im vergangenen Herbst“, so der BIHK-Chef.

Die Unternehmen wollen aufgrund der guten Aussichten mehr investieren. Der Indikator der Investitionspläne erreicht den höchsten ‎Stand seit knapp sechs Jahren. „Angesichts der äußerst günstigen ‎Finanzierungsbedingungen ist das Investitionsniveau jedoch nach wie vor enttäuschend, vor allem bei den Industriebetrieben“, merkte Driessen an.

Der Rekord bei den Beschäftigungszahlen wird sich in diesem Jahr fortsetzen. 20 Prozent ‎der Betriebe wollen zusätzliches Personal einstellen, nur 11 Prozent Stellen streichen. Der ‎Saldo der Beschäftigungspläne erreicht den höchsten Stand seit Frühjahr 2012. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch die Achillesferse der bayerischen Wirtschaft. Jedes zweite Unternehmen sieht im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko. Damit ‎wird der negative Spitzenwert vom Herbst gehalten.

Die politischen Risiken treten in der Konjunkturumfrage immer mehr in den Vordergrund: 49 Prozent der Betriebe sehen in den aktuellen wirtschaftspolitischen Entwicklungen ein Risiko. Das ist der höchste Wert seit 2010, als diese Frage erstmals gestellt wurde. „Auf der ‎Weltbühne bereitet der unkalkulierbare Kurs der neuen US-Regierung große Sorgen, innerhalb Europas sind die größten Unsicherheitsquellen der Brexit, die Wahlen in Frankreich sowie die schwache wirtschaftliche Entwicklung in Italien“, sagte BIHK-Chef Driessen.

Der Erhalt des europäischen Binnenmarkts und des Freihandels müsse daher oberste politische Priorität haben. Ein möglichst freier ‎Zugang Großbritanniens zum EU-Binnenmarkt sei klar im Interesse der bayerischen Wirtschaft, ebenso ein möglichst freier Handel mit den USA. Driessen mahnte: „Ein weltweit zunehmendes Klima des Protektionismus könnte eine Eiszeit für den Freihandel einleiten. Damit wäre das bayerische Erfolgsmodell bedroht. Unsere heimische, stark exportorientierte Wirtschaft gedeiht nur in einer globalisierten, arbeitsteiligen Welt.“

Beschwerden der Wirtschaft gibt es jedoch auch mit Blick auf Deutschland: Die zunehmende Regulierung und Bürokratie, beispielsweise im Arbeits- und Steuerrecht, behindern die Unternehmen. Auch die anstehende Bundestagswahl wird in der Konjunkturumfrage explizit als Unsicherheitsfaktor für den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs in Deutschland benannt.‎