09.07.2019

ifo Studie: Neue Stromtrassen für Versorgungssicherheit Bayerns erforderlich

Ein Hochspannungsmasten für Strom vor blauem Himmel und Sonnenstrahlen
© Erwin Wodicka

Die bayerische Wirtschaft hält weiter am Ausbau der Energienetze mit zwei neuen Stromtrassen fest, um langfristig eine sichere und preislich wettbewerbsfähige Stromversorgung für Bayern zu gewährleisten.

IHK-Hauptgeschäftsführer Gößl: „Stromnetze und dezentrale Energieversorgung zügig ausbauen“‎

Eine ifo Studie im Auftrag der IHK für München und Oberbayern untermauert diese Forderung der Wirtschaft. „Für eine sichere Stromversorgung in Bayern brauchen wir die zwei neuen Stromtrassen und mehr dezentrale Stromerzeugung“, fasst IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl die zentrale Botschaft zusammen.

Die ifo Experten weisen darauf hin, dass die wachsende Bevölkerung und neue Anwen­dungen wie Elektromobilität und Wärmepumpen den Stromverbrauch in Bayern allein bis 2025 um bis zu 30 Prozent steigen lassen könnten. Gleichzeitig fällt ein Großteil der konventionellen Kraftwerke, die bislang die Energieversorgung in Bayern wetterunabhängig gewähr­leistet haben, bereits bis Ende 2022 durch den Kernenergieausstieg sowie längerfristig durch das geplante Ende für fossile Energieträger weg. Die Studie warnt vor hohen Kosten, wenn dieser Strom-Mehrbedarf zu noch mehr netzstabilisierenden Maßnahmen führt. Allein im Bereich des Übertragungsnetzbetreibers Tennet fielen dafür 2018 bereits Ausgaben in Höhe von 1,1 Milliarden Euro an.

Langfristig führt laut Studie allein wegen der Klimaziele kein Weg daran vorbei, dass Bayern dauerhaft über die zwei neuen Stromtrassen den relativ günstig produzierten Windstrom aus Norddeutschland importieren kann. Im Gegenzug muss überschüssiger Solarstrom aus Bayern an Sonnentagen in den Norden abfließen können. Der Verzicht auf den Netzausbau würde dagegen aufgrund der EU-Marktregelungen zur Teilung Deutschlands in zwei Strompreiszonen mit höheren Strompreisen in Süddeutschland führen. Die für den stabilen Netzbetrieb notwendige gesicherte Leistung müsste in Bayern deutlich ausgebaut werden, etwa über den Bau von Gaskraftwerken. Dies ist aber unrealistisch oder mit hohen Kosten verbunden, da Gaskraftwerke unter den aktuellen Marktbedingungen nicht rentabel zu betreiben sind.

Die ifo Experten haben auch Optionen einer ausschließlich dezentralen Energieversorgung in Bayern getestet. Aufgrund des in Summe notwendigen Kapazitätsaufbaus ergibt sich daraus allerdings kein realistischer Lösungsansatz. So seien entweder bis zu eine Million kleine Blockheizkraftwerke in Haushalten oder 10.000 neue Biogasanlagen notwendig, um die erwartete Kapazitätslücke der Stromerzeugung in Bayern zu schließen. Neben immensen Investitionskosten und langwierigen Genehmigungs- und Bauverfahren für so viele Anlagen wäre diese Lösung energiewirtschaftlich ineffizient und zudem nicht CO2-neutral. Im Fall von Solarstrom seien 750.000 neue Dach-Photovoltaikanlagen oder 10.000 Freiflächen-PV-Anlagen notwendig. Allerdings kann die Photovoltaik ohne massive Speichertechnologie nicht zuverlässig rund um die Uhr Strom liefern. Freiflächenanlagen führen außerdem zu mehr Versiegelung im Freistaat. Für mehr Windkraft wäre ein Ende der 10H-Regel notwendig.

„Der Energiewende fehlt nach wie vor ein Gesamtkonzept, das Versorgungssicherheit, international wettbewerbsfähige Strompreise und die ebenfalls notwendigen Umweltziele in Einklang bringt. Die Stromversorgung ist ein zentraler Standortfaktor für die im globalen Wettbewerb stehende bayerische Wirtschaft, insbesondere für die Industrie­unternehmen mit ihren vielen Arbeitsplätzen. Bei den Strompreisen liegen wir schon jetzt weltweit an der Spitze“, mahnt Gößl. „Unsere empfindlichen Energienetze erlauben keine Experimente mit ungewissem Ausgang. Länger anhaltende Stromausfälle müssen wir unbedingt ausschließen“, so Gößl. „Der Netzausbau mit zwei Stromtrassen ist mit guten Gründen im Bundesbedarfs­plangesetz festgeschrieben – auch dieser Punkt sollte in der Debatte immer wieder erwähnt werden. Nichtsdestotrotz ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien ein wichtiger Baustein einer erfolgreichen Energiewende in Bayern.“