18.10.2018

Wirtschaft kritisiert Recht auf befristete Teilzeit ‎

Die IHK für München und Oberbayern kritisiert das heute vom Bundestag beschlossene Recht auf befristete Teilzeit für Arbeitnehmer. „Die Große Koalition erweist der Wirtschaft einen Bärendienst. Wenn in Zeiten des Fachkräftemangels Beschäftigte ihre Arbeitszeit ohne Angabe von Gründen befristet reduzieren können, wird das in vielen Unternehmen zu heftigen Personalproblemen führen“, sagt IHK-Präsident Eberhard Sasse.

Sasse: „Gesetz verschärft Fachkräftemangel“‎

„Die Wirtschaft ist enttäuscht, dass die Politik das Gesetzesvorhaben so unbekümmert durchgepeitscht hat. Die Große Koalition schädigt mutwillig das aktuelle Jobwunder und den Mittelstand als Hauptträger unseres Aufschwungs“, so Sasse.

„Das sachgrundlose Recht auf befristete Teilzeit zerstört die Planungssicherheit in den Unternehmen und untergräbt das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern“, sagt der IHK-Präsident. Er unterstreicht, dass die Unternehmen ihren Beschäf­tigten bereits viel Flexibilität und individuelle Arbeitszeitlösungen anbieten, um als Arbeit­geber attraktiv zu sein. „Betriebe und Arbeitnehmer müssen weiter im gegenseitigen Ein­vernehmen nach Lösungen suchen“, so Sasse. Allein in Oberbayern beläuft sich die Zahl der Betriebsstätten mit mehr als 45 Mitarbeitern laut IHK auf rund 9.200. Dort sind rund eine Million Vollzeitkräfte beschäftigt, die nach dem Gesetzesentwurf ein grundsätzliches Recht auf befristete Teilzeit hätten. Auch rund 370.000 bereits in Teilzeit Beschäftigte in diesen Firmen könnten ihre Arbeitszeit weiter reduzieren. Für Betriebe mit weniger als 200 Mitarbeitern ist allerdings eine Quotenregelung vorgesehen, damit nicht ganze Beleg­schaften gleichzeitig in Teilzeit gehen können. In ganz Bayern betrifft das Gesetz rund 25.000 Betriebsstätten und 3,6 Millionen Beschäftigte, darunter 950.000 Teilzeitkräfte.

„Die Betriebe müssen sich wegen der vielen individuellen Ansprüche auf ein absolutes Bürokratiemonster gefasst machen. Es besteht erhebliche Gefahr für den Betriebsfrieden, da wegen der Quotenregelung in den mittelgroßen Betrieben nicht alle Ansprüche zum Zuge kommen. Angesichts eines leergefegten Arbeitsmarkts werden die Betriebe nur schwerlich Personalersatz finden. Kleine Unternehmen werden ihre Beschäftigungspläne auf den Prüfstand stellen, um unter der 45-Mitarbeiter-Grenze zu bleiben“, sagt Sasse.