13.06.2018

Wirtschaft lehnt Recht auf befristete Teilzeit ab

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Die IHK für München und Oberbayern lehnt die Pläne der Bundesregierung ab, ein Recht auf befristete Teilzeit für Arbeitnehmer einzuführen. „Die Große Koalition gefährdet den Standort, wenn sie in Zeiten des Fachkräftemangels dafür sorgt, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit ohne Angabe von Gründen befristet reduzieren können“, sagt IHK-Präsident Eberhard Sasse.

Sasse: „Gesetzesvorhaben zerstört Planungssicherheit in den Betrieben“ ‎

„Die Wirtschaft ist entsetzt, dass die Politik den Unter­nehmen so unbekümmert neue Fesseln anlegen will. Die Große Koalition schädigt damit mutwillig das aktuelle Jobwunder und den Mittelstand als Hauptträger unseres Aufschwungs. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn die Wirtschaft eine derartig einseitige Regelung für sich selbst fordern würden“, so Sasse.

„Ein sachgrundloses Recht auf befristete Teilzeit zerstört die Planungssicherheit in den Unternehmen und untergräbt das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeit­nehmern“, sagt der IHK-Präsident. Er unterstreicht, dass die Unternehmen ihren Beschäf­tigten bereits viel Flexibilität und individuelle Arbeitszeitlösungen anbieten, um als Arbeit­geber attraktiv zu sein. „Betriebe und Arbeitnehmer müssen weiter im gegenseitigen Ein­vernehmen nach Lösungen suchen“, so Sasse. Allein in Oberbayern beläuft sich die Zahl der Betriebsstätten mit mehr als 45 Mitarbeitern laut IHK auf rund 9.200. Dort sind rund eine Million Vollzeitkräfte beschäftigt, die nach dem Gesetzesentwurf ein grundsätzliches Recht auf befristete Teilzeit hätten. Auch rund 370.000 bereits in Teilzeit Beschäftigte in diesen Firmen könnten ihre Arbeitszeit weiter reduzieren. Für Betriebe mit weniger als 200 Mitarbeitern ist allerdings eine Quotenregelung vorgesehen, damit nicht ganze Beleg­schaften gleichzeitig in Teilzeit gehen können. In ganz Bayern betrifft das Gesetz rund 25.000 Betriebsstätten und 3,6 Millionen Beschäftigte, darunter 950.000 Teilzeitkräfte.

„Die Betriebe müssen sich wegen der komplizierten Regeln und vielen individuellen An­sprüche auf ein absolutes Bürokratiemonster gefasst machen. Es besteht erhebliche Gefahr für den Betriebsfrieden, da wegen der Quotenregelung in den mittelgroßen Betrie­ben nicht alle Ansprüche zum Zuge kommen, Mitarbeiter Rechtsmittel einlegen werden und die Arbeitsdichte angesichts eines leergefegten Arbeitsmarkts zwangsläufig steigt. Kleine Unternehmen werden ihre Beschäftigungspläne auf den Prüfstand stellen, um unter der 45-Mitarbeiter-Grenze zu bleiben“, sagt Sasse.