29.05.2018

Keine Trendwende bei Gründungen im Freistaat

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Die Durststrecke für Gründer in Bayern geht weiter. Die Zahl der Existenzgründungen im Freistaat ist 2017 das achte Mal in ‎Folge gesunken, teilt der Bayerische ‎Industrie- und Handelskammertag (BIHK) mit. Insgesamt meldeten im vergangenen Jahr 98.313 Personen ein Gewerbe an, ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der BIHK führt die Flaute in erster Linie auf die anhaltend gute Konjunktur zurück.

Gewerbeanmeldungen seit acht Jahren rückläufig / Zuwachs bei Betriebsübernahmen

In 89.300 Fällen handelte es sich dabei um Firmenneugründungen, ein Rückgang von 1,3 Prozent. Die Betriebsübergaben an einen Nachfolger haben dagegen zugelegt und stiegen laut BIHK-Angaben um 3,1 Prozent auf 9.013 Fälle. „Der bayerische Arbeitsmarkt bietet praktisch flächendeckend Vollbeschäftigung“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Damit sinke das Interesse an einer unternehmerischen Selbst­ständigkeit und den damit verbundenen Risiken.

Positiv sieht der BIHK dagegen den Trend zur besseren Vorbereitung einer Gründung, unter anderem durch Angebote wie die IHK-Gründermessen und Beratungen der Kammern. „Die Existenzgründer steigern so ihre Erfolgsaussichten, die dank der wirtschaftlichen Rahmendaten ohnehin so gut wie selten zuvor sind“, sagt Sasse. Auch der Trend zur Gründung im Nebenerwerb zeige, dass die Gründer überlegter handeln. „So testen sie parallel zu einem bestehenden Arbeitsverhältnis, ob das angepeilte Geschäftsmodell überhaupt tragfähig ist“, so der BIHK-Präsident.

Sasse fordert angesichts der mageren Gründerbilanz mehr Unterstützung für angehende Selbstständige und Betriebsnachfolger. „Wir brauchen ein besseres Gründungsklima mit weniger Bürokratie und einfacheren Steuerregeln. Bereits in der Schule müssen die Chancen und der Wert des Unternehmertums für die Gesellschaft deutlich gemacht werden“, so Sasse. Der BIHK-Präsident unterstreicht die Rolle der Existenzgründer für die Wirtschaft: „Start-Ups und neue Unternehmen sorgen für Innovationen und Dynamik. Sie sind damit das Fundament für zukünftige wirtschaftliche Erfolge. Auch alteingesessene Betriebe sind bedroht, wenn sich keine Nachfolger finden, die das unternehmerische Risiko von der vorhergehenden Generation übernehmen wollen.“

In Oberbayern sind die Existenzgründerzahlen 2017 ebenfalls das siebte Mal in ‎Folge gesunken. Insgesamt meldeten hier 38.933 Personen ein Gewerbe an, ein Minus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 36.320 Fällen handelte es sich dabei um Firmenneugründungen, ein Rückgang von 2,9 Prozent. Die Betriebsübergaben an einen Nachfolger haben noch deutlicher nachgelassen und schrumpften um 13,3 Prozent auf 2.613 Fälle.

Auch die Landeshauptstadt München kann sich dem Trend nicht entziehen: In München nahmen die Gründerzahlen 2017 zum sechsten Mal in ‎Folge ab. Es meldeten 11.570 Personen ein Gewerbe an, ein Minus von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei handelte es sich in 11.351 Fällen um Firmen­neugründungen, ein Rückgang von 8,8 Prozent. Die Betriebsübergaben an einen Nachfolger gingen um 64,3 Prozent auf 219 Fälle zurück.

Die BIHK-Auswertung beruht auf Daten des Bayerischen Landesamts für Statistik.