09.05.2018

Bayerische Betriebe: Sprache ist größtes Problem bei Flüchtlingsintegration

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Die bayerische Wirtschaft sieht die Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Arbeit im Freistaat auf gutem Wege. Laut einer aktuellen Umfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) beschäftigt bereits ein Viertel der befragten Betriebe (24 Prozent) Flüchtlinge als Auszubildende, Fach- oder Hilfskräfte.

Wirtschaft wünscht sich mehr Lehramtsstudenten an Berufsschulen‎

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Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil noch unter einem Fünftel (19 Prozent). Die Flüchtlinge arbeiten zumeist als Hilfskräfte (53 Prozent aller von Flüchtlingen besetzten Stellen), absolvieren eine Ausbildung (27 Prozent) oder ein Praktikum (13 Prozent). Als Fachkräfte haben derzeit 7 Prozent eine Beschäftigung gefunden.

Als größte Probleme geben die Unternehmen fehlende Sprachkenntnisse sowie rechtliche Unsicherheiten an. Ein Sechstel der Betriebe (16 Prozent) nennt die Sprache als Grund für den Abbruch eines Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnisses. Bei 11 Prozent der Betriebe beendeten rechtliche Hürden wie eine entzogene Arbeitserlaubnis oder eine Abschiebung die Beschäftigung eines Flüchtlings. „Um die Flüchtlinge noch schneller zu integrieren und als dringend benötigte Fachkräfte zu qualifizieren, ist eine bessere Sprachförderung sowie nach wie vor mehr rechtliche Sicherheit notwendig“, sagte BIHK-Präsident Eberhard Sasse heute bei einem Spitzentreffen der bayerischen IHKs mit Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer (CSU) in Aschaffenburg.

„Deutsch lernen ist Integration, deswegen setzt die Wirtschaft vor allem auf einen Ausbau der vorbildlichen Arbeit in den Berufsintegrationsklassen für Flüchtlinge an den bayerischen Berufsschulen. Wir wünschen uns, dass erfolgreiche Pilotprojekte auf ganz Bayern ausgeweitet werden. Dazu gehört der gezielte Einsatz von Lehramtsstudenten zur Sprachförderung in Berufsschulklassen für Flüchtlinge sowie ein um ein Jahr verlängertes Ausbildungsmodell mit intensiver Sprachförderung der IHK zu Coburg“, so Sasse. Zudem könnten unverhältnismäßige Hürden bei der beruflichen Qualifizierung von Nicht-Muttersprachlern durch sprachlich vereinfachte Prüfungen ausgeräumt werden, ohne das Prüfungsniveau zu senken, regte Sasse an. In Aufgaben sollten etwa zu komplizierte Formulierungen vermieden werden. Für Kandidaten ohne vorherigen deutschsprachigen Schulabschluss sei bei der anstehenden Reform des Berufsbildungsgesetzes ebenso eine längere Bearbeitungszeit von Aufgaben zu prüfen, so Sasse. Hilfsmittel wie Wörterbücher bei Prüfungen lassen die bayerischen IHKs als Vorreiter in Deutschland bereits seit Juni 2015 zu.

Außerdem macht sich die Wirtschaft weiterhin für eine intelligente Stichtagsregelung für mehr Rechtssicherheit für die Flüchtlinge und die Betriebe stark. „Wir fordern, dass bereits hier befindliche Flüchtlinge, die beruflich qualifiziert, in berufsvorbereitenden Berufsschulklassen oder in Ausbildung sind, der Weg zu einem gesicherten Aufenthalt geöffnet wird. Eine solche Regelung wäre ein starkes politisches Signal für Klarheit und ein Schlussstrich unter das Tauziehen um das Aufenthaltsrecht vieler Flüchtlinge, die sich gut integriert haben und für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen wollen“, sagte Sasse. Eine solche Regelung würde auch Rechtssicherheit für die fast 10.000 Flüchtlinge schaffen, die heuer im Freistaat die berufsvorbereitenden Klassen der Berufsschulen beenden und im Anschluss eine Ausbildung oder Arbeit suchen. Aktuell absolvieren bereits 3.675 Flüchtlinge eine Ausbildung in bayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer dankte der bayerischen Wirtschaft für ihr Engagement: „Dank der Initiative ‚Integration durch Ausbildung und Arbeit‘ steht Bayern bei der Integration von Flüchtlingen im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Das ist eine enorme Leistung insbesondere der Betriebe. Wir müssen uns bei der Integration von Flüchtlingen aber auf diejenigen konzentrieren, die absehbar langfristig in Bayern bleiben werden. Probleme in der Praxis müssen wir einheitlich lösen. Rechtssicherheit sind wir den Betroffenen, aber auch unseren Betrieben schuldig.“ Der Wirtschaftsminister sicherte der bayerischen Wirtschaft seine Unterstützung zu und warb darum, sich gemeinsam für eine bessere Steuer- und Energiepolitik auf Bundesebene einzusetzen. Weitere Themen beim Meinungsaustausch der Spitzenvertreter aller neun bayerischen IHKs mit dem Minister waren Fachkräftemangel und Digitalisierung.

Bildunterschriften: Beim BIHK-Spitzengespräch am 9. Mai 2018 in der IHK Aschaffenburg. (© Fotos: IHK Aschaffenburg / Hubert Ziemlich)

Bild 1: (v.l.n.r.) Gastgeber Friedbert Eder, Präsident der IHK Aschaffenburg, Bayerns Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, BIHK-Präsident Dr. Eberhard Sasse, DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben.

Bild 2: (jeweils v.l.n.r.) vordere Reihe: Gerti Oswald, BIHK-Geschäftsführerin, Peter Driessen, BIHK-Hauptgeschäftsführer, Dr. Eberhard Sasse, BIHK-Präsident, Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer, Friedbert Eder, Präsident der IHK Aschaffenburg, Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth, Gabriele Hohenner, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Oberfranken Bayreuth;

Mittlere Reihe: Gerhard Witzany, Präsident der IHK Schwaben, DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben, Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, Alexander Schreiner, Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern, Thomas Leebmann, Präsident der IHK Niederbayern, Friedrich Herdan, Präsident der IHK zu Coburg, Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken, Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken;

Reihe hinten: Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Dr. Andreas Kopton, Präsident der IHK Schwaben, Dr. Sandra Hartig, DIHK-Bereichsleiterin, Otto Kirchner, Präsident der IHK Würzburg-Schweinfurt, Prof. Dr. Ralf Jahn, Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt, Dr. Andreas Freundt, Hauptgeschäftsführer der IHK Aschaffenburg, Peter Saalfrank, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.