06.02.2018

Bayerische Wirtschaft in absoluter Top-Form

Baukräne
© Michael Rosskothen / fotolia

Der Konjunkturmotor in Bayern läuft weiter auf Hochtouren. Die Geschäftslage in den Betrieben hat sich seit Herbst noch einmal verbessert und erreicht den vierten Rekordwert in Folge.

Driessen: „Aufschwung geht ins sechste Jahr“ / BIHK-Konjunkturindex erreicht Rekordmarke ‎

Auch in den kommenden zwölf Monaten rechnen die Unternehmen mit Zuwächsen. Der BIHK-Konjunkturindex, der Lage und Erwartungen abbildet, steigt im Vergleich zum Jahresbeginn 2017 von 130 auf 136 Punkte. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 1993 hat er diese Rekordmarke bisher erst einmal, im Frühjahr 2011, erreicht. Dies geht aus der heute in München vorgestellten Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) unter rund 3.500 Betrieben im Freistaat hervor.

„Der breite wirtschaftliche Aufschwung im Freistaat geht in sein sechstes Jahr. Ein Ende ist nicht absehbar“, sagte BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen. „Die Industrie als Lokomotive der bayerischen Wirtschaft hat noch einmal mehr Fahrt aufgenommen. Die Betriebe sind sehr gut ausgelastet, immer mehr kommen sogar an ihre Kapazitätsgrenzen. Das treibt den Investitionsmotor und die Beschäftigungspläne an“, so Driessen. Die Rekordjagd werde dank der brummenden Nachfrage aus dem In- und Ausland weitergehen. Trotz der bereits sehr positiven Lageurteile rechnen 28 Prozent der bayerischen Unternehmen mit noch besseren Geschäften in den nächsten zwölf Monaten. Nur acht Prozent befürchten eine Eintrübung. Damit startet die bayerische Wirtschaft ins neue Jahr mit noch mehr Optimismus als im Vorjahr.

Positiv sind auch die Beschäftigungspläne der Unternehmen: 25 Prozent wollen ihren Mitarbeiterstamm vergrößern, nur zehn Prozent denken an Stellenabbau. Der Saldowert der Beschäftigungsabsichten erreicht den höchsten Wert seit sieben Jahren. Dagegen bleibt der Fachkräftemangel die Achillesferse der bayerischen Wirtschaft: 62 Prozent der Unternehmen – so viele wie noch nie zuvor – sehen im Fachkräftemangel ein Geschäfts­risiko. Vor Jahresfrist sagten dies erst 50 Prozent.

Etwas kritischer als noch im vergangenen Herbst blicken die Unternehmen auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen: 42 Prozent benennen diese als Risiko, zuvor waren es 40 Prozent. Hauptgrund dürfte die ‎langwierige Hängepartie in Berlin sein. Explizit gefragt, ob von der schwierigen Regierungsbildung ein Risiko ausgeht, ‎antworten 45 Prozent der Unternehmen mit „Ja“. „Die Konjunktur brummt trotz und nicht wegen der Politik. Die längerfristigen Wachstumschancen unserer Volkswirtschaft werden jedoch sehr wohl auch in Berlin entschieden. Deswegen brauchen wir endlich eine Bundesregierung mit einer Zukunftsvision, die grundlegende Fragen der Wirtschaft beantwortet. Es dürfen nicht nur Bestandspflege und Verteilungsfragen im Mittelpunkt stehen“, sagte der BIHK-Chef.

Besonders kritisch sieht Driessen die Pläne zur Befristung von Arbeitsverträgen sowie die Diskussion zur Flächennutzung. „Die Statistiken belegen, dass die öffentliche Hand der Arbeitgeber ist, der Befristungen am intensivsten nutzt – weit mehr als die Wirtschaft. Das heißt, die Politik kann das Problem zum Großteil selbst lösen“, so Driessen.

Beim Thema Flächenverbrauch betonte der BIHK-Chef, dass Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen gerade einmal 1,0 Prozent der Gesamtfläche Bayerns in Anspruch nehmen. Wohngebiete belegen dagegen 3,0 Prozent und verzeichneten überdies von 2011 bis 2015 deutlich höhere Zuwachsraten als Gewerbeflächen. „Die diskutierte Obergrenze für den so genannten Flächenverbrauch ist sowohl im Bund wie auch in Bayern der falsche Weg“, sagte Driessen. „Das wäre der Einstieg in eine zentral gelenkte Planwirtschaft und wohl auch Flächenkontingente für Wohnungen, Arbeitsplätze, Freizeiteinrichtungen und Straßen. Die Planungs- und Genehmigungsverfahren unter der Obhut jeder Gemeinde in Bayern haben sich bewährt. Trotz Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums wird im Freistaat sparsam mit Flächen umgegangen“, meinte der BIHK-Chef.