18.07.2016 - Landsberg

Kampf um Azubis verschärft sich

Landsberg am Lech – Die Betriebe im Landkreis Landsberg am Lech haben auch heuer große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis wieder viele Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Noch mehr als 250 freie Lehrstellen im Landkreis / Große Hürden für Flüchtlinge‎

Landsberg am Lech – Die Betriebe im Landkreis Landsberg am Lech haben auch heuer große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis wieder viele Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 256 Lehrstellen unbesetzt, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht. Gleichzeitig sind 270 unversorgte Bewerber gemeldet.

„Die Erfahrung der Vorjahre zeigt, dass die Bewerberzahl am Ende deutlich kleiner ausfällt, da sich viele Schulabgänger bis September noch für einen anderen Bildungsweg entscheiden oder trotz des großen Angebots keinen passenden Ausbildungsplatz finden“, befürchtet Reinhard Häckl, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg am Lech. 2015 blieben zu Beginn des Ausbildungsjahres rund 200 Lehrstellen unbesetzt.

„Die Chancen, mit einer Lehre ins Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Reinhard Häckl, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg am Lech, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Häckl. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Deutlich zeigt sich der Azubi-Mangel zum Beispiel auch im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch 40 Stellen frei, aber nur 18 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Häckl unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Kaufleute für das Büromanagement, medizinische Fachangestellte oder Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik gesucht.“‎

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert deshalb an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Häckl die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.

Aktuell bereiten sich im Landkreis Landsberg am Lech mehr als 80 jugendliche Asylbewerber in fünf Berufsintegrationsklassen auf das Berufsleben vor. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Häckl.

Insgesamt sind derzeit 242 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Landsberg am Lech in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungs­verhältnisse.