17.02.2016 - Dachau

„Integration von Flüchtlingen ist ein Schlüssel zur Lösung des Azubimangels“‎

Dachau – Trotz aller Anstrengungen in der Lehrlings-‎Akquise sind die ‎Ausbildungszahlen im Landkreis Dachau weiter rückläufig: Insgesamt stellten die ‎Betriebe aus Industrie, Handel und ‎Dienstleistung bis Jahresende (2015) 221 ‎Auszubildende neu ein, 5,2 Prozent weniger als im ‎Vorjahreszeitraum. Damit liegt der ‎Landkreis über dem oberbayerischen Schnitt. Hier ‎ging die Anzahl der Neu-Verträge ‎um 0,3 Prozent zurück. ‎Dies geht aus der aktuellen Ausbildungsstatistik der IHK für ‎München und Oberbayern hervor. ‎

Betriebe schlossen weniger neue Lehrverträge ab‎

„Die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen. Doch es gehen ihnen ‎schlichtweg die Azubis aus und das stellt die Betriebe bei der Fachkräftesicherung vor ‎riesige Probleme“, sagt Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-Gremiums Dachau-‎Fürstenfeldbruck. Besonders groß ist der Azubimangel bei den kaufmännischen ‎Berufen (minus 8,4 Prozent), allen voran im Hotel- und Gastgewerbe (6 Neu-Verträge/ ‎Vorjahr 14), im Einzelhandel (70/Vorjahr 75) sowie im Groß- und Außenhandel ‎‎(2/Vorjahr 7) und bei den Banken (20/Vorjahr 23). Zugelegt haben dagegen die ‎Ausbildungszahlen in der Metalltechnik (23 Neu-Verträge/Vorjahr 15). ‎

‎„Das Problem geht jedoch quer durch alle Branchen“, so Steinbauer. Insgesamt wurden ‎der Arbeitsagentur im vergangenen Jahr ‎‎rund 400 ‎freie ‎Ausbildungsplätze für den ‎Landkreis Dachau gemeldet. Da‎von blieben jedoch fast 90 ‎(Stichtag 30. September)‎ ‎unbesetzt. ‎Gleichzeitig wurden bei der Agentur für Arbeit nur sieben ‎unversorgte ‎Ausbildungsbewerber ‎verzeichnet.‎
‎ ‎„Es ist höchste Zeit, zu handeln“, mahnt Steinbauer. „Flüchtlinge können dabei der ‎Schlüssel zur Lösung des Azubimangels werden“‎. Dazu sei die rasche und ‎zielgerichtete ‎Integration von Flüchtlingen in den ‎Arbeitsmarkt dringend notwendig. „Das von den ‎bayerischen IHKs entwickelte ‚3+2 Modell‘ hat letztendlich bewirkt, dass Asylbewerber, ‎die eine Lehre aufnehmen, ‎nicht nur für die ‎Dauer ihrer ‎dreijährigen Ausbildungszeit ‎ein ‎Bleiberecht haben, sondern darüber ‎hinaus auch ‎in den fol‎genden zwei Jahren nicht ‎abgeschoben werden dürfen“, betont der IHK-Gremiumsvorsitzende.‎‎ ‎

Derzeit erlernen im Landkreis Dachau 72 ausländische Jugendliche (Vorjahr 63) ‎einen ‎Ausbildungsberuf bei Industrie-, Handels- oder ‎Dienstleistungsunternehmen. Ihr ‎Anteil an den ‎insgesamt 579 ‎Auszubildenden in IHK-Berufen wächst kontinuierlich und ‎liegt ‎momentan bei 12,4 Prozent. ‎In 6 Berufsintegrationsklassen werden außerdem mehr ‎als 100 ‎jugendliche ‎Asylbewerber auf das Berufsleben vorbereitet. ‎

‎‎Damit die Integration in den Arbeitsmarkt weiter Fahrt aufnimmt, wird die ‎Wirtschaft ‎selbst in ‎Vorleistung gehen‎: Dazu stellen die bayerischen IHKs acht Millionen ‎Euro ‎für ‎berufs- ‎und ‎ausbildungsbegleitende Sprachförderung, den ‎Aufbau ‎von ‎Unterstützungsstrukturen oder ‎die ‎spezifische Fortbildung von Ausbildern ‎für ‎Flüchtlinge ‎zur Verfügung. Dazu hat die IHK einen ‎ersten Leitfaden mit allen wichtigen ‎Informationen ‎rund um die Themen Ausbildung und ‎Beschäftigung von ‎Asylbewerbern ‎zusammengestellt (abrufbar unter www.muenchen.ihk.de/fluechtlinge) ‎‎„All ‎diese ‎Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ‎werden aber erst langfristig ‎greifen“, ‎betont ‎Steinbauer.‎

Insgesamt sind derzeit 246 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Dachau in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.