18.07.2016 - Dachau

Noch mehr als 150 freie Lehrstellen im Landkreis Dachau

Die Betriebe im Landkreis Dachau haben weiterhin Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis mehr als 20 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind im Landkreis noch 179 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 157 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

‎„Die Chancen mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Peter Fink, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Dachau für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der guten Wirtschaftslage und des ‎drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen unge‎brochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die ‎Bewerber, sagt Fink. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der Trend zum Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und bürokratische Hürden die Besetzung freier Lehrstellen mit Flüchtlingen.

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Einzelhandel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch mehr als 150 Stellen frei, aber nur rund 54 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 46 Lehrstellen offen sind, gibt es gar keinen gemeldeten Interessenten. Fink unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es werden auch noch angehende Elektroniker Energie-/Gebäudetechnik, Mechatroniker, Lagerlogistiker gesucht.“

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Fink die verlässliche und schnelle Umsetzung des „3+2“-Modells für junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, in den drei Jahren der Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln von Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. An den Berufsschulen im Landkreis Dachau befinden sich derzeit mehr als 100 jugendliche Asylsuchende in sechs berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Fink.

Insgesamt sind derzeit 246 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Dachau in der Ausbildung aktiv und ‎stehen für mehr als die Hälfte aller Ausbildungsverhältnisse.