08.07.2016 - Fürstenfeldbruck

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Fürstenfeldbruck haben weiterhin Mühe für ihre freien ‎Ausbildungsstellen geeignete Lehrlinge zu finden. Zwei Monate vor Beginn des ‎Ausbildungsjahrs sind noch 380 Ausbildungsstellen frei. Gleichzeitig gibt es noch 400 ‎unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch ‎nie“, ‎wirbt Michael Steinbauer, Vorsitzender des IHK-‎Regionalausschusses Fürstenfeldbruck, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts ‎der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die ‎Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer ‎häufiger die Bewer‎ber. Grund dafür sind vor allem die sinkenden ‎Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch mehr als 130 Stellen frei, aber nur rund 71 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 22 Lehrstellen offen sind, gibt es gar keinen gemeldeten Interessenten. Steinbauer unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es werden auch noch angehende Bankkaufleute, Handelsfachwirte, oder Fachkräfte für Kurier-Express- und Postdienstleistung gesucht.“

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Steinbauer die verlässliche und schnelle Umsetzung des „3+2“-Modells für junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, in den drei Jahren der Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln von Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. An den Berufsschulen im Landkreis Fürstenfeldbruck befinden sich derzeit mehr als 50 jugendliche Asylsuchende in drei berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Steinbauer.

Insgesamt sind zurzeit 319 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Fürstenfeldbruck ‎in der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎