08.07.2016 - Erding-Freising

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Freising haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis mehr als 150 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind noch 436 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gibt es aber nur 283 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Otto Heinz, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Erding-Freising, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Heinz. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis Freising im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch mehr als 120 Stellen frei, aber nur 36 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 42 Lehrstellen offen sind, gibt es ‎gar keinen gemeldeten Interessenten. ‎Heinz unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es ‎werden auch noch angehende Speditionskaufleute, Köche, Bankkaufleute oder Lagerlogistiker gesucht.“‎

Der IHK-Vizepräsident appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Heinz die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. ‎An der Berufsschule im Landkreis Freising befinden sich derzeit mehr als 50 jugendliche ‎Asylsuchende in sechs berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „‎Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Heinz.

Insgesamt sind zurzeit 394 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Freising in ‎der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. ‎