08.07.2016 - Ebersberg

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Ebersberg haben weiterhin große Mühe, genügend Azubis zu finden. Bereits zwei Monate vor Beginn des Ausbildungsjahrs ist absehbar, dass in den Unternehmen im Landkreis mehr als 150 Lehrstellen unbesetzt bleiben. Momentan sind im Landkreis noch 341 Lehrstellen frei. Gleichzeitig gib es aber nur 173 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch nie“, ‎wirbt Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer häufiger die Bewer‎ber, sagt Ziegltrum-Teubner. Grund dafür sind vor allem die sinkenden Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium. Zusätzlich verhinderten nach wie vor Rechtsunsicherheit und büro‎kratische Hürden ‎die Besetzung von freien Lehrstellen mit Flüchtlingen.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch mehr als 100 Stellen frei, aber nur 29 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 13 Lehrstellen offen sind, gibt es gar keinen gemeldeten Interessenten. Ziegltrum-Teubner unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es werden auch noch angehende Fachlageristen, Hotelkaufleute oder Groß- und Außenhandelskaufleute gesucht.“

Die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Ziegltrum-Teubner die verlässliche und schnelle Umsetzung des ‎‎„3+2“-Modells für ‎junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt ‎wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, ‎in den drei Jahren der ‎Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln ‎von ‎Berufserfahrung nicht abgeschoben werden.‎ „Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so die Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg.

Insgesamt gibt es derzeit im Landkreis 219 IHK-zugehörige Betriebe, die für fast 60 ‎Prozent aller Ausbildungsverhältnisse ‎stehen. ‎