08.07.2016 - Starnberg

Bewerberlücke bleibt auf Rekordniveau

Die Betriebe im Landkreis Starnberg haben weiterhin Mühe für ihre freien ‎Ausbildungsstellen geeignete Lehrlinge zu finden. Zwei Monate vor Beginn des ‎Ausbildungsjahrs sind noch 177 Ausbildungsstellen frei. Gleichzeitig gibt es noch 167 ‎unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht. ‎

‎„Die Chancen, mit einer Lehre im Berufsleben durchzustarten, sind so gut wie noch ‎nie“, ‎wirbt Martin Eickelschulte, Vorsitzender des IHK-‎Regionalausschusses Starnberg, für die betriebliche Ausbildung. Angesichts ‎der ‎guten Wirtschaftslage und des drohenden ‎Fachkräftemangels ‎sei die ‎Ausbildungsbereit‎schaft der Unternehmen ungebrochen hoch, doch es fehlten immer ‎häufiger die Bewer‎ber. Grund dafür sind vor allem die sinkenden ‎Schulabgängerzahlen und der ‎Trend zum ‎Studium.‎

Besonders dramatisch ist der Azubi-Mangel im Landkreis im Handel. Für angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer und Fachverkäufer sind noch mehr als 50 Stellen frei, aber nur 34 unversorgte Bewerber äußern einen entsprechenden Berufswunsch. Für den Bereich Lebensmittelverkäufer, in dem allein 15 Lehrstellen offen sind, gibt es gar keinen gemeldeten Interessenten. Eickelschulte unterstreicht, dass der Bewerbermangel quer durch alle Branchen geht: „Es werden auch noch angehende Bankkaufleute, Köche, Kfz-Mechatroniker oder Hotelkaufleute gesucht.“

Der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses appelliert erneut an die Politik, den Fachkräfte-Aderlass in der Berufsausbildung zu stoppen und die zunehmende Akademisierung auf den Prüfstand zu stellen. Außerdem fordert Eickelschulte die verlässliche und schnelle Umsetzung des „3+2“-Modells für junge Flüchtlinge, wie es auf Vorschlag des BIHK im neuen Integrationsgesetz festgelegt wurde. Danach dürfen Asylbewerber, die eine Lehre aufnehmen, in den drei Jahren der Berufsausbildung sowie in den folgenden zwei Jahren zum Sammeln von Berufserfahrung nicht abgeschoben werden. An den Berufsschulen im Landkreis Starnberg befinden sich derzeit mehr als 50 jugendliche Asylsuchende in drei berufsvorbereitenden Berufsschulklassen. „Viele Unternehmen sehen in diesem Personenkreis Potenzial für ihre freien Ausbildungsplätze, aber Einstellungen scheitern häufig an der mangelnden Planungssicherheit und den vielen bürokratischen Auflagen“, so Eickelschulte.

Insgesamt sind zurzeit 215 IHK-zugehörige Unternehmen im Landkreis Starnberg in ‎der ‎Ausbildung aktiv und ‎stehen für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse.