Pressemeldung vom 13.10.2020 - Ebersberg

Wohnraum für Fachkräfte zu teuer und zu knapp ‎

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13.10.2020 - Brigitte Keller, Kaufmännischer Vorstand der Wohnbaugesellschaft Ebersberg (WBE) und Gastreferentin auf der jüngsten Sitzung des IHK-Regional­ausschusses Ebersberg im Bauzentrum Poing, brachte es auf den Punkt: „Weil zu wenig gebaut wird, bleibt Wohnraum zu teuer und der Verdrängungswettbewerb Richtung Osten in vollem Gange.“ Dem wirkt die Wohnbaugesellschaft Ebersberg, der Landkreisgemeinden mit Zahlung eines Stammkapitals in Höhe von 10.000 Euro beitreten können, seit 2017 entgegen. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist außerdem ein Grundstück im Besitz der Kommune, das bebaut werden kann.

Ziegltrum-Teubner: „Im Kampf für mehr Wohnraum alle Register ziehen“ ‎

Die WBE übernimmt im nächsten Schritt Planung, Bau und Betrieb der Wohnungen. Dafür nutzt sie auch einen Zuschuss aus dem Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm des Freistaats in Höhe von 30 Prozent der anfallenden Kosten. Die Kommune ihrerseits bringt das notwendige Eigenkapital dadurch ein, dass sie ebenfalls einen Zuschuss in Höhe von 30 Prozent des Bodenrichtwerts des Grundstücks erhält. Aktuelles Beispiel ist ein im September bezogenes Mehrfamilienhaus in Moosach mit sieben Wohnungen. Der Baupreis lag bei 2.900 Euro / Quadrat­meter und ermöglicht damit eine Kaltmiete von 8,70 Euro/ Quadratmeter.

Derzeit sind neben dem Landkreis Ebersberg die Stadt Grafing sowie die Gemeinden Moosach und Anzing Mitglied. Weitere Vorteile für die Kommunen sind: das Grundstück bleibt in ihrem Eigentum, und sie entscheiden darüber, wer die Wohnungen mietet. Ziel der WBE ist es, langfristig alle Gemeinden im Landkreis von einer Mitgliedschaft in der Wohnbaugesellschaft zu überzeugen. „Der Landkreis will in den kommenden zehn Jahren 1.000 bezahlbare Wohnungen bauen, dazu will die WBE ihren Beitrag leisten“, so Keller.

Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg, lobte das Engagement des Landkreises, das in dieser Form bayernweit ein Leuchtturmprojekt ist. „Normalerweise ist der Wohnungsbau Aufgabe der einzelnen Kommunen, aber für unseren Landkreis ist die WBE ein echter Gewinn und wichtiger Mosaikstein im Kampf für mehr Wohnraum“, so Zielgtrum-Teubner.

Das bestätigte auch Susanne Kneissl-Heinevetter, Referentin Immobilienwirtschaft bei der IHK für München und Oberbayern. Laut Kneissl-Heinevetter zeige allein die Mietpreis­entwicklung in der Stadt Ebersberg mit aktuell 11,35 Euro pro Quadratmeter bei einem mittleren Wohnwert, dass nicht nur Wohnraum für niedrige Einkommen sondern auch für mittlere fehle. Die Mietpreise haben sich seit 2014 um 38 Prozent erhöht. Um dem entgegenzuwirken, so die Referentin, müsse vor allem Bauland mobilisiert werden, eine enorme Herausforderung angesichts der Flächenknappheit. Viele Maßnahmen wie Mietendeckel oder Mietpreisbremse fokussieren hingegen eine Marktregulierung, die nicht zu dem gewünschten Effekt führe, dass mehr gebaut werde. Die IHK empfiehlt daher allen Kommunen, konsequent eine Flächen- und Wohnraumpotenzialanalyse durchzuführen. Nur so können Flächen und ihre Verwendung langfristig geplant werden. Angesichts des prognostizierten Bevölkerungswachstums können auch Kooperationen zwischen den Gemeinden bei der Flächennutzung dabei unterstützen, mehr Wohnraum zu schaffen.