10.10.2019 - Ebersberg

IHK-Regionalausschuss: Bezahlbarer Wohnraum und ÖPNV als heiße Themen

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© IHK

Wie Politik und Wirtschaft im Austausch gemeinsam den Landkreis voranbringen können, stand bei der Herbstsitzung des IHK-Regionalausschusses Ebersberg im Hotel Bader in Parsdorf ganz im Vordergrund.

Antrittsbesuch von IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl im IHK-Gremium

Den Einstieg gab Manfred Gößl, seit Beginn des Jahres Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern und erstmals zu Besuch im Gremium der gewählten Vertreter der regionalen Wirtschaft für den Landkreis Ebersberg. Gößl betonte die Rolle der IHK als Sprachrohr der gesamten Wirtschaft – darunter auch ein Anteil von rund 90 Prozent an Kleinst- und Kleinunter­nehmen, die oftmals keine anderen Fürsprecher in Politik und Verwaltung haben. So habe sich die IHK zum Beispiel vehement und erfolgreich für bürokratische Erleichterungen eingesetzt, darunter die Erhöhung der Sofortabschreibung, die Anhebung der Kleinunternehmengrenze oder die flächenbezogene Einfach-Grundsteuer, die Bayern als Sonderweg auf Bundesebene durchgesetzt hat.

Als weiteres Beispiel für die politische Interessenvertretung nannte Gößl die in der Diskussion stehende Obergrenze bei der Flächennutzung, mit einem Richtwert von fünf Hektar pro Tag in Bayern. Starre Flächenkontingente lehnt die IHK ab: „Das bedeutet einen Eingriff in die kommunale Planungshoheit und beschwört vor Ort Konflikte zwischen den Nutzungsarten auf“, so Gößl. Stattdessen plädiert Gößl für eine effizientere Flächennutzung. Dem stimmte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) zu. Zumindest müssten unversiegelte, aber laut Statistik als bebaut zählende Flächen wie Fußballplätze, Parks und Grünstreifen aus der Rechnung genommen werden. Ähnliches sollte auch für nachhaltige Nutzungen wie Radwege gelten. „Ansonsten wird es mit der Obergrenze nicht funktionieren“, so der Landrat.

Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg, brachte das Thema „Bezahlbarer Wohnraum“ in die Diskussion ein, das vielen Arbeitgebern auf den Nägeln brenne. Hier wünschten sich die Unternehmer Vereinfachungen im Baurecht, um zum Beispiel Saisonkräften oder Wochenendpendlern auf vorhandenen Firmengrund­stücken in Gewerbegebieten Unterkünfte anbieten zu können. Dies sei aber aktuell im Normalfall nicht möglich, weil baurechtlich streng zwischen Gewerbe- und Wohngebieten unterschieden werde. Landrat Niedergesäß betonte, dass der Landkreis zur schnelleren Abwicklung von Bauanträgen eine Selbstverpflichtung eingegangen sei, Bauanträge innerhalb von 40 Tagen zu bearbeiten. Der häufigste Grund für Verzögerungen seien aus Sicht der Verwaltung unvollständige Antragsunterlagen. Niedergesäß verwies auch auf die kürzlich durchgeführte Wohnbaukonferenz im Landkreis und die landkreiseigene Wohnbau­gesellschaft, stimmte aber zu, dass der Bedarf an Wohnraum weiter schneller steige als das Angebot.

Viele Wortmeldungen gab es auch zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr und jüngste Vorstöße zu 365-Euro-Tickets und kostenlosem Bus- und Bahnfahren für Schüler und Auszubildende. IHK-Chef Gößl sprach sich dafür aus, die erste Priorität nicht bei niedrigeren Fahrpreisen, sondern beim Ausbau des Angebots und der Fahrgastkapazitäten zu setzen. „Die dafür notwendigen, umfangreichen Investitionen müssen erst einmal finanziert werden“, gab Gößl zu bedenken. „Der Infrastrukturausbau wurde in den letzten Jahrzehnten verpennt“, pflichtete Landrat Niedergesäß bei, besonders mit Blick auf den Ausbau des S-Bahn-Netzes im Landkreis. Etliche Wirtschaftsvertreter forderten einen deutlichen Ausbau des Busverkehrs im Landkreis, um Mitarbeitern, Auszubildenden, aber auch Feriengästen und Geschäftsreisenden das Leben leichter zu machen.

Die Omnibusunternehmer im IHK-Regionalausschuss wiesen auf ihre großen Probleme hin, genügend Busfahrer für den Linienverkehr zu finden. Man behelfe sich erfolgreich mit dem Anwerben von ausländischen Interessenten, unter anderem aus Rumänien und Serbien. Dadurch entstünden allerdings Sprachprobleme, vor allem bei der in deutscher Sprache abzulegenden Prüfung für die notwendige Berufskraftfahrerqualifikation im Personenverkehr. Beide Busunternehmer haben deswegen nun Deutschlehrer für ihre neuen Fahrer organisiert.

Gastgeberin Monika Hobmeier, Inhaberin und Geschäftsführerin des Hotels Bader in Parsdorf, berichtete über die erfolgreiche Entwicklung des im Januar 2015 eröffneten Betriebs. Das Konzept der Nachhaltigkeit für das in Holzarchitektur errichtete Hotel mit 50 Zimmern habe sich bestens bewährt.

Bildunterschrift: Bei der Sitzung des IHK-Regionalausschusses Ebersberg am 9. Oktober 2019 im Hotel Bader in Parsdorf: (v.l.n.r.) Landrat Robert Niedergesäß (CSU), IHK-Regionalausschussvorsitzende Sonja Ziegltrum-Teubner, Gastgeberin Monika Hobmeier und IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl.