13.04.2018 - Landkreis München

Mehr Ausländer auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis München

Fachkräfte ohne deutschen Pass werden zu einer immer wichtigeren Stütze für den Arbeitsmarkt im Landkreis München. Ihr Anteil bei den Beschäftigten ist in den vergangenen fünf Jahren von 14,1 auf 19,4 Prozent gestiegen. Weil der Fachkräftemangel zulegt und die Zahl der offenen Stellen weiter steigt, fordert die IHK für München und Oberbayern jetzt eine Reform des Zuwanderungsgesetzes. „Das derzeitige Reglement geht an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei. Trotz Vollbeschäftigung gibt es große Personallücken in den Unternehmen, deswegen sind Zuwanderer mittlerweile ein wichtiges Fachkräftepotenzial“, sagt Christoph Leicher, Vorsitzender des IHK-Regional-ausschusses München (Landkreis).

Im Landkreis 19,4 Prozent der Beschäftigten ohne deutschen Pass

Insgesamt gehen im Landkreis mehr als 43.500 ausländische Fachkräfte einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Wie aus den aktuellsten Zahlen der Arbeitsagentur hervorgeht, stellten sie zwischen Juni 2016 und Juni 2017 rund 60 Prozent des Stellenaufbaus. Bayernweit stammen die meisten Neuankömmlinge momentan aus EU-Ländern, vor allem aus Rumänien, Kroatien, Polen und Ungarn. In seinem Kirchheimer Betrieb beschäftigt Leicher Menschen aus zehn Nationen. Seine persönliche Erfahrung ist positiv: „Ein multikulturelles Team ist für das ganze Unternehmen sehr bereichernd.“

Die IHK kritisiert, dass die Zuwanderung aus Drittstaaten im Gegensatz zu EU-Angehörigen kaum eine Rolle spiele, weil sie zu unübersichtlich und realitätsfern geregelt sei. „Ein Beispiel sind die viel zu stark eingeschränkten und damit weitgehend nutzlosen Listen von Engpassberufen. Wie andere Industrieländer brauchen wir eine gesteuerte Zuwanderung, die wirksam auf Engpässe am Arbeitsmarkt reagiert“, so Leicher.

Neben generellen Erleichterungen für Zuwanderer mit einem konkreten Jobangebot in Deutschland schlägt die IHK als zweite Schiene ihres neuen Zuwanderungsmodells ein Punktesystem vor. Wie etwa in Kanada könnten Einwanderer eine zunächst befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen, wenn sie anhand von Kriterien wie Alter, Bildungsgrad, Qualifikationen, Sprachkenntnissen und Integrationsfähigkeit eine Mindest-Punktezahl erreichen. Beide Zuwanderungskanäle, von Fachleuten als „marktorientiert“ respektive „potenzialorientiert“ bezeichnet, könnten über jährliche Kontingente fortlaufend an das Bevölkerungswachstum oder Konjunkturschwankungen angepasst werden.

Leicher unterstreicht, dass die Zuwanderung nur eins von mehreren Instrumenten zur Linderung des Fachkräftemangels sei. „Mit der „Rente mit 63“ hat die Politik der Wirtschaft allerdings einen Bärendienst geleistet und die Anstrengungen der Betriebe zur Beschäftigung Älterer konterkariert. Der Fachkräftemangel hat sich dadurch noch einmal massiv und zum demografisch ungünstigsten Zeitpunkt verschlimmert. Die Wirtschaft wartet auch weiter auf eine flächendeckende und bedarfsgerechte Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, damit Familien Erziehung und Beruf besser unter einen Hut bringen und die Erwerbstätigkeit von Eltern zunimmt. Stattdessen werden laufend neue Rechtsansprüche zur einseitigen Arbeitszeitverkürzung durch Arbeitnehmer diskutiert, wodurch ebenfalls wertvolles Fachkräftepotenzial verloren geht“, so der IHK-Vorsitzende.

Das Zuwanderungsmodell wurde im Auftrag der IHK für München und Oberbayern vom