13.04.2018 - Ebersberg

Wirtschaft im Landkreis Ebersberg will Zuzug von ausländischen Fachkräften erleichtern

Ausländer werden zu einer immer wichtigeren Stütze für den Arbeitsmarkt im Landkreis Ebersberg. Der Anteil der Beschäftigten ohne deutschen Pass ist in den vergangenen fünf Jahren von 12,1 auf 17,8 Prozent gestiegen. Insgesamt gehen im Landkreis mehr als 7.000 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, so die aktuellsten Zahlen der Arbeitsagentur.

Im Landkreis 17,8 Prozent der Beschäftigten ohne deutschen Pass

Weil der Fachkräftemangel zulegt und die Zahl der offenen Stellen weiter steigt, fordert die IHK für München und Oberbayern jetzt eine Reform des Zuwanderungsgesetzes. „Das derzeitige Reglement geht an den Bedürfnissen der Wirtschaft vorbei. Trotz Vollbeschäftigung gibt es große Personallücken in den Unternehmen, deswegen sind Zuwanderer mittlerweile ein wichtiges Fachkräftepotenzial“, sagt Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg.

Die Parsdorfer Unternehmerin betont, dass der Stellenaufbau im Landkreis zwischen Juni 2016 und Juni 2017 bereits zu 50 Prozent von ausländischen Fachkräften getragen wurde. Bayernweit stammen die meisten Neuankömmlinge momentan aus EU-Ländern, vor allem aus Rumänien, Kroatien, Polen und Ungarn. EU-Angehörige genießen in Deutschland freies Aufenthaltsrecht zur Arbeitsaufnahme. Die IHK kritisiert, dass die Zuwanderung aus Drittstaaten dagegen kaum eine Rolle spiele, weil sie zu unübersichtlich und realitätsfern geregelt sei. „Ein Beispiel sind die viel zu stark eingeschränkten und damit weitgehend nutzlosen Listen von Engpassberufen. Wie andere Industrieländer brauchen wir eine gesteuerte Zuwanderung, die wirksam auf Engpässe am Arbeitsmarkt reagiert“, so Ziegltrum-Teubner.

Neben generellen Erleichterungen für Zuwanderer mit einem konkreten Jobangebot in Deutschland schlägt die IHK als zweite Schiene ihres neuen Zuwanderungsmodells ein Punktesystem vor. Wie etwa in Kanada könnten Einwanderer eine zunächst befristete Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bekommen, wenn sie anhand von Kriterien wie Alter, Bildungsgrad, Qualifikationen, Sprachkenntnissen und Integrationsfähigkeit eine Mindest-Punktezahl erreichen. Beide Zuwanderungskanäle, von Fachleuten als „marktorientiert“ respektive „potenzialorientiert“ bezeichnet, könnten über jährliche Kontingente fortlaufend an das Bevölkerungswachstum oder Konjunkturschwankungen angepasst werden.

Ziegltrum-Teubner unterstreicht, dass die Zuwanderung nur eins von mehreren Instrumenten zur Linderung des Fachkräftemangels sei. „Mit der „Rente mit 63“ hat die Politik der Wirtschaft einen Bärendienst geleistet und die Anstrengungen der Betriebe zur Beschäftigung Älterer durchkreuzt. Der Fachkräftemangel hat sich dadurch noch einmal massiv und zum demografisch ungünstigsten Zeitpunkt verschlimmert. Die Wirtschaft wartet auch weiter auf eine flächendeckende und bedarfsgerechte Kinderbetreuung und Ganztagsschulen, damit Familien Erziehung und Beruf besser unter einen Hut bringen und die Erwerbstätigkeit von Eltern zunimmt. Stattdessen werden laufend neue Rechtsansprüche zur einseitigen Arbeitszeitverkürzung durch Arbeitnehmer diskutiert, wodurch ebenfalls wertvolles Fachkräftepotenzial verloren geht“, so die IHK-Vorsitzende.

Das Zuwanderungsmodell wurde im Auftrag der IHK vom ifo Institut München entwickelt.