01.09.2017 - Ebersberg

IHK-Betriebe im Landkreis Ebersberg verzeichnen weniger Ausbildungsverträge

Ein Lehrling / Azubi. Bauarbeiter auf Baustelle mit Helm.
© Erwin Wodicka

Viele Betriebe im Landkreis Ebersberg haben auch heuer große Mühe, zum Beginn des Ausbildungsjahrs am 1. September alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Die IHK für München und Oberbayern erwartet erneut, dass eine große Anzahl an Lehrstellen in den Unternehmen frei bleibt. Über die Hälfte der seit Jahresbeginn im Landkreis gemeldeten Ausbildungsangebote war zuletzt noch unbesetzt. Für die 381 freien Plätze gab es allerdings nur 154 unversorgte Bewerber, wie aus der Statistik der Arbeitsagentur hervorgeht.

Weiterhin freie Lehrstellen im Landkreis Ebersberg

Insgesamt treten laut IHK-Zwischenbilanz diese Woche 290 Jugendliche eine Lehre bei Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen im Landkreis an. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der neuen Ausbildungsverträge somit deutlich um fast 14 Prozent zurückgegangen. Die Top 5 der IHK-Ausbildungsberufe mit den meisten Bewerbern sind Kaufleute für Büromanagement, Einzelhandelskaufleute, Kfz-Mechatroniker, Industriekaufleute und Elektroniker.

‎„Angesichts der starken Konjunktur setzen die Betriebe mehr denn je auf den eigenen Fachkräftenachwuchs, die passenden Bewerber bleiben aber Mangelware“, ‎sagt Sonja Ziegltrum-Teubner, Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses Ebersberg. Die Parsdorfer Unternehmerin betont, dass der Engpass in ganz Oberbayern wie schon in den Vorjahren quer durch alle Branchen geht: „Es werden zwar nach wie vor besonders angehende Einzelhandelskaufleute, Verkäufer, Köche und Hotelfachleute gesucht, aber auch Bürokaufleute, Bankkaufleute und Lagerlogistiker fehlen“. Ziegltrum-Teubner führt den Bewerbermangel auf stagnierende Schulabgängerzahlen sowie den Trend zur Akademisierung zurück. Die Zahl der Absolventen der Mittelschulen (früher Hauptschulen) ist in Oberbayern seit 2005 um 28 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 57 Prozent.

Um das Image der Ausbildung zu verbessern, fordert die Regionalausschuss-Vorsitzende eine bessere Berufsorientierung an den Schulen: „Die duale Ausbildung ist eins der größten Erfolgsgeheimnisse unserer Zeit. Es gibt keinen besseren Start ins Berufsleben. Die Schüler und ihre Eltern können zu Recht stolz sein, wenn sie sich für eine Ausbildung und damit für eine solide Zukunftsperspektive entscheiden“. Haben Betriebe Probleme in der Ausbildung, geben laut einer IHK-Umfrage 76 Prozent von ihnen an, dass die unklaren Berufsvorstellungen der Schulabgänger ein Hindernis seien. Die Unternehmen bieten deswegen mehr Praktikumsplätze an und verbessern ihr Personalmarketing.

Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen im Landkreis Ebersberg stieg im Vergleich zum Vorjahr um 15,5 Prozent, das sind über 100 zusätzlich Angebote. Insgesamt gibt es aktuell 211 IHK-zugehörige Ausbildungsbetriebe, geringfügig weniger als noch vor einem Jahr. Bayernweit bilden die IHK-Betriebe Jugendliche in mehr als 240 Berufen aus und stehen ‎für fast 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse. Die Zahlen der Arbeitsagentur beziehen sich auf alle Ausbildungsbereiche, neben Industrie, Handel und Dienstleistung gehören dazu auch das Handwerk und die freien Berufe.

Zahlreiche freie Lehrstellen in Ebersberg mit sofortigem Ausbildungsbeginn sind unter www.ihk-lehrstellenboerse.de zu finden.