25.08.2015 - Neuburg-Schrobenhausen

Zukunftskarte Oberbayern 2030: Blicke aus der Region bündeln

Wenn sich der Mittelständler mit dem Präsidenten der Hochschule, einer Nachhaltigkeitsexpertin, einer Wirtschaftsjuniorin und einem Gründer zu Kernthemen seiner Gegend austauscht, dann bittet die IHK zum Regionalworkshop für die „Zukunftskarte Oberbayern 2030“.

Von Digitalisierung über Ausbildungskonzepte bis zur „Zukunft der Arbeit“ skizzierten die knapp 30 Teilnehmer all das, was sie persönlich für Wirtschaft und Gesellschaft in ihrer Region für wichtig erachten.

Diskussionen dank bunter Mischung

In der IHK Akademie in der Hohen Schule Ingolstadt flogen am 30. Juli 2015 in dem rund zweistündigen Workshop die Argumente und Beispiele nur so über die Tische. Nach einer Einführung zu Oberbayerns Status im internationalen Vergleich durch Price Waterhouse Coopers (PwC) führte die bunte Mischung der Teilnehmer zu manch heißer Diskussion. In einer Art Brettspiel konnten die Unternehmer und regionalen Akteure ihre Wünsche und Handlungsempfehlungen für ihre Region auf Aktionskarten und großen Stellwänden formulieren.

Anders als im Auftakt-Workshop in München sollten die Teilnehmer dafür nicht als Filmteam im Jahr 2030 imaginär unterwegs ein, um zu zeigen, warum Oberbayern wirtschaftlich stark und einmalig ist. Sie sollten vielmehr die Schlagzeilen auf der Titelseite des internationalen Magazins „The Economist“ texten – mit der „globalen Brille“ auf Oberbayern zu blicken war Absicht, um sich aus dem eigenen Tagesgeschäft zu lösen.

Top in Oberbayern bei der Digitalisierung

Alle Teilnehmer priorisierten mit Klebepunkten unter der engen Taktung des Moderatoren-Duos vom Münchner Leadership Institut (MLI) ihre Themen. In Ingolstadt dominierte die Digitalisierung deutlich mit 26 Punkten – sie erhielt damit die meisten Punkte aller sechs Workshops und zeigt die klarste Priorisierung des Themas in Ingolstadt. An Rang zwei setzten die Teilnehmer aus der Region 10 die „Zukunft der Arbeit“ und Mobilität mit je 15 Punkten vor „Internationalisierung“ mit elf und „Energie“ mit zwei Punkten.

„Bildung“ war mit 11 Punkten stark vertreten im freien Textfeld, in dem Teilnehmer nach Belieben ergänzen konnten. „Tourismus, Tradition, Kultur und Sport“ lagen mit fünf Punkten vor „Vielfalt“ und „Qualität“ mit je zwei Punkten sowie „Nationalisierung“ mit einem Punkt.

Weiteres Vorgehen

Diese Gedanken und vorgeschlagene Maßnahmen werden nun für eine Online-Umfrage aufbereitet. Sie wird bis Mitte September unter den Teilnehmern aller „Zukunftskarte“-Workshops sowie der breiten Öffentlichkeit auf der IHK-Website zur Abstimmung gestellt. Die IHK für München und Oberbayern wird die Ergebnisse grafisch aufbereitet auf einem Abschluss-Workshop im Oktober vorstellen. Und sie anschließend als Maßnahmenempfehlung an die Politik adressieren.

Stimmen von Teilnehmern am Ingolstädter Workshop

"Entscheidende Stellschraube"

Christian Pols, Standortleiter von Airbus Defence and Space GmbH in Manching, war positiv überrascht über die gemeinsame und breite Basis unter den Workshopteilnehmern für die ausgearbeiteten Topthemen wie die Digitalisierung. „Sie sehe ich als entscheidende Stellschraube neben einem gezielt angelegten Bildungskonzept an.“

Ähnlich lautet das Fazit von Professor Walter Schober, Präsident der Hochschule Ingolstadt: „Dass in Ingolstadt die Digitalisierung als das dominierende Zukunftsthema von den beteiligten Akteuren eingestuft wurde, ist richtungsweisend. Es beschreibt ein Aktionsfeld, welches von „smart factory“, „smart city“, „Car2X-Kommunikation“ oder dem „Internet der Dinge“ viele Themen schlagwortartig aufgreift. Deren integrale Gestaltung ist eine gemeinsame Aufgabe von Hochschulen, Unternehmen und den gesellschaftlichen Akteuren, die gemeinsam an dem Workshop der IHK teilnehmen.“ Marcin Sporys von der Gründerinitiative „Newexist“ der Hochschule Ingolstadt hat die Workshop-Gruppen als gute Abwechslung zu anderen Veranstaltungen empfunden: „Sich nicht berieseln zu lassen, sondern selbst gefragt zu sein war toll“.

Von Fachkräften bis zu Lebensqualität

Sich auszutauschen und über Zusammenarbeit auch die Region zu stärken, findet Dr. Janine Bentz-Hölzl wichtig, zuständig für Standortprojekte im Bereich Corporate Social Responsibility der Audi AG: „Mehr Vernetzung macht den Standort Ingolstadt attraktiv, was gut ist für mehr Identifikation. Das steigert auch die Lebensqualität und hält Fachkräfte.“

Florian Sochatzy, Gründer und Geschäftsführer des Instituts für Digitales Lernen in Eichstätt, gefiel die Workshop-Führung, „die nicht kindisch rüberkam, was schnell passieren kann bei solchen Formaten. Hier wurden die Leute von ihren verschiedenen Stufen gut abgeholt, sodass sie schnell die Kernfragen diskutierten.“ Vom Landratsamt Eichstätt fasste Wirtschaftsförderer Georg Stark zusammen: „Ein positiver Ausreißer bei so einigen Veranstaltungen zu Zukunftsfragen im Moment.“

Zum Rückblick der Auftaktveranstaltung von Mitte Juli geht es hier.