Aus- und Weiterbildung

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© Goran Gajanin für den BIHK

IHK organisiert 8.830 Zwischenprüfungen und 23.721 Abschlussprüfungen

Rückgang der Ausbildungszahlen um mehr als 11 Prozent

Hohe Nachfrage nach beruflicher IHK-Fortbildung – 6.800 Teilnehmer

Ausbildung

Bayerische Trends und Projekte

Minus von 11,8 Prozent – Corona belastet den Ausbildungsmarkt

In bayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sind im Jahr 2020 insgesamt 46.708 Auszubildende ins Berufsleben gestartet. Das bedeutet ein sattes Minus von 11,78 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Medien und die Öffentlichkeit war der Grund klar: Wegen der Pandemie fahren Oberbayerns Unternehmen die Ausbildung zurück. Das war aber nur ein Teil der Wahrheit. Auf der anderen Seite blieb erneut eine hohe Zahl von Ausbildungsplätzen unbesetzt. Die Agentur für Arbeit meldete weiterhin zum 30. September eine Lücke von knapp 16.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen in Bayern.

Und nicht nur Corona hat dem Ausbildungsmarkt zugesetzt. Hinzu kamen die chronischen Probleme: weiterhin sinkende Zahlen der Schulabsolventen, ein Rückgang der Einwanderung und ein unverändert hohes Interesse an rein schulischen Bildungsalternativen haben die Nachfrage nach Ausbildungsstellen sinken lassen. Vor diesem Hintergrund hat die IHK erneut klar Position bezogen: Es liegt im Interesse der gesamten Wirtschaft Oberbayerns, die Vorteile der dualen Berufsausbildung wieder sichtbar zu machen. Im heutigen Bildungssystem werden zu viele Talente, Berufs- und Karrierechancen verschenkt. Eine starke Berufsorientierung hilft Jugendlichen und den Unternehmen..

Ausbildung bleibt zentrales Instrument der beruflichen Integration

Die Ausbildung ist ein Top-Instrument, um Geflüchtete in unsere Gesellschaft zu integrieren. Darauf hat die IHK seit 2015 immer wieder hingewiesen. Im Jahr 2020 hat sich erneut gezeigt, wie gut das duale Ausbildungssystem in Bayern als Motor der Integration funktioniert. Wie schon 2019 traten knapp 2.500 Jugendliche aus fluchtwahrscheinlichen Ländern eine IHK-Ausbildung in Bayern an. Leider lähmte Corona auch diesen Integrationsprozess. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Neuabschlüsse von Personen aus fluchtwahrscheinlichen Ländern um 17,48 Prozent zurück. Insgesamt absolvieren über 6.000 Personen dieser Zielgruppe eine duale Ausbildung in Industrie, Handel und Dienstleistungen in Bayern.

Bayerns Top-Ausbildungsberufe: Bürokauffrau und Fachinformatiker

Bei den Top-IHK-Berufen im Freistaat gab es keine Veränderung: Bei jungen Frauen stand erneut die Kauffrau für Büromanagement an der Spitze, bei jungen Männern der Fachinformatiker. In der Gesamtrechnung führten unverändert die Einzelhandelskaufleute vor den Verkäufer/innen, die sich 2020 an den Kaufleuten für Büromanagement vorbeigeschoben hatten. Es folgten Fachinformatiker/innen und Industriekaufleute. Insgesamt wurden in Bayern über 200 Berufe im IHK-Bereich ausgebildet. Die bayerischen IHKs waren für rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse im Freistaat zuständig und betreuten knapp 30.000 aktive Ausbildungsbetriebe.

Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ bietet „Berufsorientierung online“

Das bayerische Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ lief auch in Corona-Zeiten weiter. Die Idee ist einfach, aber effektiv: „Echte“ Azubis werben in den Schulen für Ausbildung und ihren Beruf. Schüler erfahren aus erster Hand, wie der Berufsalltag aussieht. Corona hat allerdings den Modus dieses Projekts verändert. Der direkte Kontakt in den Schulen war wegen des Lockdowns kaum möglich. Stattdessen machten die AusbildungsScouts virtuelle Klassenbesuche. Zudem wurde ein neues offenes Informationsprodukt „Berufsorientierung online“ geschaffen. Auszubildende aus ganz Bayern geben ihre Erfahrungen in einem virtuellen Raum weiter. Die Plattform steht allen Ausbildungsinteressierten in Bayern offen. Unter dem Strich hatte Corona für das Projekt „IHK AusbildungsScouts“ einen positiven Effekt: Das Ganze wurde digitalisiert, die Reichweite deutlich erweitert.

Ausbildung in Oberbayern

Die Berufliche Bildung ‎blieb trotz des Rückgangs en vogue. Das zeigt auch die Zahl der aktiven Ausbildungsunternehmen, die sich seit mehreren ‎Jahren bereits auf hohem Niveau befindet: Knapp 9.621 IHK-Unternehmen bildeten 41.176 junge Menschen aus. Die IHK organisierte 8.830 Zwischenprüfungen und 23.721 Abschlussprüfungen.

Ausbildungsbilanz: Rückgänge vor allem bei kaufmännischen Berufen

Die Bilanz des Ausbildungsjahres in der Wirtschaft Oberbayerns entsprach dem bayernweiten Trend. 14.706 neue ‎Ausbildungsverträge bedeuteten ein Minus von 11,18 Prozent. Bemerkenswert: Das Minus basierte per Saldo auf ‎einem Rückgang bei den kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen.

Knapp die Hälfte der neuen Azubis hat Mittleren Schulabschluss

Bei der schulischen Vorbildung der neuen oberbayerischen Azubis ‎zeigten sich kaum Veränderungen. Gut ein Viertel der neuen Ausbildungsverträge ‎wurden mit Auszubildenden mit Mittelschulabschluss abgeschlossen. Dennoch begann immer noch knapp die Hälfte aller neuen Auszubildenden ihre Ausbildung mit einem Mittleren Schulabschluss. 22,1 Prozent hatten eine ‎Hochschulzugangsberechtigung beim Vertragsabschluss in der Tasche.

Weiterbildung

Folgen der Pandemie für IHK-Weiterbildungsangebot

Die Covid19-Pandemie hatte dramatische Folgen für den Weiterbildungsmarkt. Die IHK Akademie war unmittelbar davon betroffen. Der klassische Seminar- und Hotelbetrieb der IHK Akademie in Westerham war zeitweise gar nicht mehr oder nur noch mit großen Einschränkungen möglich. Selbst in den Phasen, in denen das Seminarzentrum geöffnet war, fanden kaum Übernachtungen statt. Die Nachfrage nach Präsenzveranstaltungen brach wegen der Pandemie ein. Mit einer deutlichen Ausweitung des Angebots an digitalen Formaten hat die IHK Akademie darauf schnell reagiert. Allerdings gab es hier einen harten Wettbewerb mit bundesweit agierenden Fortbildungsunternehmen, die ebenfalls schnell digitalisierte Bildungsformate ins Netz gestellt hatten.

Sprunghafter Anstieg der Nachfrage nach digitaler Weiterbildung

Die Pandemie hat einen Digitalisierungsboom in der Wirtschaft ausgelöst. Über Nacht war das halbe Land im Home-Office. Entsprechend radikal veränderte sich der Informations- und Weiterbildungsbedarf. Die IHK Akademie hat vor diesem Hintergrund für das Ziel „Weiterbildung in den Unternehmen“ das Förderprojekt "#smartlearning.digital“ aufgebaut. Trainings rund um das Thema Digitalisierung wurden in allen Lehrgangs- und Seminarbereichen vorangetrieben – den Unternehmen konnte für den Aspekt der Digitalisierung das passende Angebot gemacht werden. Auch das Angebot an Online-Prüfungslehrgängen wurde in Kooperation mit der IHK Akademie Digital weiter ausgebaut. Zusätzlich wurden neue Blended-Learning-Konzepte zur Prüfungsvorbereitung entwickelt. Blended-Learning steht für den Mix aus Online- und Präsenzunterricht.

Rückläufige Zahlen bei Seminaren und Zertifikatslehrgängen

Die Coronakrise hat sich auch in den Zahlen der IHK Akademie niedergeschlagen. So buchten nur etwa 9.500 Kunden ein Seminar, 2019 waren es noch 10.800 Teilnehmer gewesen. Bei den Zertifikatslehrgängen gab es ebenfalls einen leichten Rückgang von 1.100 (2019) auf etwa 1.000 Teilnehmer. Bei den beruflichen Fortbildungen ist dagegen die Zahl der Absolventen mit 6.800 Teilnehmern um 100 gegenüber dem Vorjahr 2019 gestiegen. Gründe: Unverändert sehr gute berufliche Perspektiven und finanzielle Entwicklungsmöglichkeiten sowie wirksame staatliche Förderung (AfBG).