Aus- und Weiterbildung

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© Goran Gajanin für den BIHK

IHK organisiert 24.751 Abschlussprüfungen

Zahl Ausbildungsverträge sink bayernweit um 2,8 Prozent

IHK AusbildungsScouts: Projekt wird verlängert

Ausbildung

Ausbildung in Bayern

Ausbildungsmarkt: Bewerber-Lücke wächst auch in der Pandemie

Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit, der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) sowie weitere Partner der beruflichen Bildung haben Ende Oktober eine durchwachsene Bilanz über die Lage des bayerischen Ausbildungsmarkts gezogen. Was BIHK-Sprecher Hubert Schöffmann positiv wertete: Der Corona-Schock hat grundsätzlich nichts an der hohen Ausbildungsbereitschaft der bayerischen Betriebe geändert. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen in der Wirtschaft sei nur um sechs Prozent gesunken. Als besorgniserregend bezeichnete Schöffmann dagegen die unverändert sinkende Zahl an Bewerbungen für eine Ausbildung. Nüchtern formuliert: 15.609 Ausbildungsplätze sind laut Arbeitsagentur in Bayern unbesetzt geblieben.

Die meisten unbesetzten Stellen sind nach Angaben der Arbeitsagentur im Einzelhandel, in der Lebensmittelherstellung und -verarbeitung, im Tourismus-, Hotel- und Gaststättenberufe, in den medizinischen Gesundheitsberufen sowie in den Gebäude- und versorgungstechnischen Berufen zu verzeichnen. Knapp 60 Prozent der unbesetzten Ausbildungsstellen sind allein auf diese Berufsgruppen zurückzuführen. Außerdem blieben viele Ausbildungsstellen im Baugewerbe (Hochbau), in der Metall- und Elektrobranche sowie im kaufmännischen Bereich unbesetzt.

Jahresbilanz Ausbildungsmarkt 20221: Ein Minus von 2,8 Prozent

Bayerns Ausbildungsmarkt hat ein Problem: fehlende Bewerber. Das zeigte sich deutlich in der Jahresbilanz: Am Stichtag 31. Dezember gab es bayernweit mit 45.407 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein Minus von 2,8 Prozent. Wie schwierig die Lage ist, zeigte ferner eine BIHK-Umfrage unter knapp 3.500 bayerischen Ausbildungsbetrieben im Herbst. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist trotz Corona noch gestiegen. 75 % (Vorjahr 67 %) der Ausbildungsunternehmen wollen die Zahl ihrer Ausbildungsplätze konstant halten oder noch mehr ausbilden.
  • Die Besetzungsquote der angebotenen Ausbildungsstellen lag bei 78,5 % - und damit so niedrig wie noch nie.
  • 67,6 % der Unternehmen mit unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätzen gaben als Grund an, sie hätten keine Bewerbungen erhalten. Im Vorjahr waren es 62,7%.
  • 65,3 % der Unternehmen können sich gut vorstellen, in Zukunft verstärkt Studienabbrecher/innen für die Ausbildung zu gewinnen zu versuchen.

Bayerns Top-Ausbildungsberufe: Bürokauffrau und Fachinformatiker

Bei den Top-IHK-Berufen im Freistaat gab es keine Veränderung: Bei jungen Frauen stand erneut die Kauffrau für Büromanagement an der Spitze, bei jungen Männern der Fachinformatiker. In der Gesamtrechnung führten unverändert die Einzelhandelskaufleute vor den Verkäufer/innen, die sich 2020 an den Kaufleuten für Büromanagement vorbeigeschoben hatten Es folgten Fachinformatiker/innen und Industriekaufleute. Insgesamt wurden in Bayern über 200 Berufe im IHK-Bereich ausgebildet. Die bayerischen IHKs waren für rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse im Freistaat zuständig und betreuten knapp 30.000 aktive Ausbildungsbetriebe.

Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ startet „Berufsorientierung online“

Das bayerische Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ lief auch in Corona-Zeiten weiter. Die Idee ist einfach, aber effektiv: „Echte“ Azubis werben in den Schulen für Ausbildung und ihren Beruf. Schüler erfahren aus erster Hand, wie der Berufsalltag aussieht. Corona hat allerdings den Modus dieses Projekts verändert. Der direkte Kontakt in den Schulen war wegen des Lockdowns kaum möglich. Stattdessen machten die AusbildungsScouts virtuelle Klassenbesuche. Zudem wurde ein neues offenes Informationsprodukt „Berufsorientierung online“ geschaffen. Auszubildende aus ganz Bayern geben ihre Erfahrungen in einem virtuellen Raum weiter. Die Plattform steht allen Ausbildungsinteressierten in Bayern offen. Unter dem Strich hatte Corona für das Projekt „IHK AusbildungsScouts“ einen positiven Effekt: Das Ganze wurde digitalisiert, die Reichweite deutlich erweitert.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und BIHK-Präsident Eberhard Sasse lobten das digitale Projekt. „Die vielen offenen Lehrstellen in den bayerischen Betrieben zeigen, dass wir beim Werben für die duale Ausbildung nicht nachlassen dürfen. Ich unterstütze deshalb die sehr gute Idee der bayerischen IHKs, die Ausbildungsscouts derzeit pandemiebedingt als digitales Format weiterzuführen", erklärte Aiwanger. Sasse sagte, man müsse „mutig neue Wege gehen“, um jungen Leuten deutlich zu machen, welche ausgezeichneten Perspektiven eine Berufsausbildung bietet.

IHK AusbildungsScouts: Projekt wird zum zweiten Mal verlängert

Das Projekt „AusbildungsScouts“ des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) zur besseren Berufsorientierung bayerischer Schüler wurde zum zweiten Mal verlängert. Das haben Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (FW) und BIHK-Präsident Eberhard Sasse am 7. Juni bei einer Veranstaltung mit AusbildungsScouts aus dem ganzen Freistaat auf Schloss Hohenkammer (Landkreis Freising) bekannt gegeben. Über das Bayerische Wirtschaftsministerium fließen in den nächsten drei Jahren 700.000 Euro Förderung in das Projekt. Die bayerischen IHKs tragen mit 1,1 Millionen Euro rund 60 Prozent der Projektkosten.

Weigert und Sasse begründeten diesen Schritt mit Hinweis auf den Erfolg des Projekts. Seit Februar 2016 haben fast 4.000 zu AusbildungsScouts geschulte Azubis aus bayerischen Betrieben die Vielfalt der Lehrberufe und die guten Karrierechancen durch eine Ausbildung in den Klassenzimmern vorgestellt. Sie haben rund 110.000 Schüler im Freistaat erreicht. Die AusbildungsScouts führten dazu fast 5.000 Klassenbesuche durch, davon jeweils ein Viertel in Gymnasien und Realschulen, ein Drittel in Mittelschulen. Rund jeder sechste Besuch fand in Fachoberschulen, Wirtschaftsschulen oder Berufsintegrationsklassen statt.

Qualifizierungsoffensive für betriebliches Ausbildungspersonal gestartet

Die bayerischen IHKs haben eine kostenfreie Qualifizierung für betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder auf den Weg gebracht. Bayerns Wirtschaftsministerium fördert diese Initiative. Ziel: Ausbilderinnen und Ausbilder fit machen für die angepassten Standardberufsbildpositionen. In ihrer neuen Fassung machen es diese Positionen für die Ausbildungsexpert/-innen zur Pflicht, Auszubildenden das Thema Nachhaltigkeit nahezubringen sowie über Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung im Rahmen der Ausbildung zu informieren. Das Problem: Viele Ausbilderinnen und Ausbilder haben sich selbst noch nicht so intensiv mit diesen Themen befasst – oder es ist ihnen nicht ganz klar, wie sie Nachhaltigkeit und Digitalisierung mit einem traditionellen Ausbildungsberuf verknüpfen sollen.

Das Qualifizierungsangebot der IHKs versteht sich in solchen Fällen als Einstiegshilfe für diese Themen. Es besteht aus einem virtuellen oder analogen „Sensibilisierungstag“ mit vor- und nachbereitenden Elementen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind danach in der Lage, auf dem Weiterbildungsmarkt die Qualifizierungsangebote auszuwählen, die am besten zu ihrer Ausbildungsarbeit passen.

Neue WebSite BIHK Lernreich unterstützt Ausbildungsarbeit in den Betrieben

Ausbildung im Homeoffice, neue Weiterbildungsabschlüsse, politische Veränderungen oder das Gewinnen von Auszubildenden – die Anforderungen an die Ausbildungsverantwortlichen in den Unternehmen steigen stetig. Die bayerischen IHKs haben deswegen die neue Informationsseite „BIHK Lernreich“ ins Internet gestellt. Die Seite soll die Ausbildungsarbeit der Betriebe unterstützen. Sie informiert über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Ereignisse oder Zukunftsthemen der beruflichen Bildung – und das in einer leicht verständlichen Sprache. Das Angebot ist keine Einbahnstraße. Wer Fragen oder neue Themen hat, kann sich direkt an die Lernreich-Macher wenden. lernreich.bihk.de

Ausbildung in Oberbayern

Zahl der Ausbildungsbetriebe bleibt auf hohem Niveau

Die Berufliche Bildung blieb trotz des Rückgangs bei den Ausbildungsverträgen en vogue. Das zeigt auch die Zahl der aktiven Ausbildungsunternehmen, die sich seit mehreren Jahren bereits auf hohem Niveau befindet: Knapp 9.156 IHK-Unternehmen bildeten 39.058 junge Menschen aus. Die IHK organisierte 7.433 Zwischenprüfungen und 24.751 Abschlussprüfungen.

Ausbildungsbilanz: Rückgänge vor allem bei kaufmännischen Berufen

Die Bilanz des Ausbildungsjahres in der Wirtschaft Oberbayerns entsprach dem bayernweiten Trend. 14.197 neue Ausbildungsverträge bedeuteten ein Minus von 3,46 Prozent. Bemerkenswert: Das Minus basierte per Saldo auf einem Rückgang bei den kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen.

Knapp die Hälfte der neuen Azubis hat Mittleren Schulabschluss

Bei der schulischen Vorbildung der neuen oberbayerischen Azubis zeigten sich kaum Veränderungen. Gut ein Viertel der neuen Ausbildungsverträge wurden mit Auszubildenden mit Mittelschulabschluss abgeschlossen. Dennoch begann immer noch knapp die Hälfte aller neuen Auszubildenden ihre Ausbildung mit einem Mittleren Schulabschluss. 21,3 Prozent hatten eine Hochschulzugangsberechtigung beim Vertragsabschluss in der Tasche.

Weiterbildung

Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0 wird verlängert

Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) hat am 21. Juni gemeinsam mit Vertretern der Staatsregierung und den Spitzenverbänden der bayerischen Wirtschaft den erstmals im Juni 2018 unterzeichneten Pakt für berufliche Weiterbildung 4.0 bekräftigt, erweitert und um weitere drei Jahre verlängert. Ziel ist es, die Weiterbildungsbereitschaft und -beteiligung der Beschäftigten und Unternehmen in Bayern zu stärken. Der Pakt richtet sich dabei vor allem an Gruppen, die in der Weiterbildung bisher unterrepräsentiert sind.

Die Paktverlängerung unterzeichneten BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl, Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (FW), Staatsminister Florian Herrmann (CSU), Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Bayerns Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU), Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) sowie den Hauptgeschäftsführern des Bayerischen Handwerkstags e. V., der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., und dem Deutschen Gewerkschaftsbund Bayern und der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. Die bayerischen IHKs bringen sich u.a. mit einer Qualifizierungsoffensive für betriebliche Ausbilderinnen und Ausbilder in den Pakt ein, der bis 2024 laufen wird.

IHK fördert Erfolg des Weiterbildungsstipendiums

Die IHK für München und Oberbayern hat erneut zur erfolgreichen Umsetzung des bundesweiten Programmes „Weiterbildungsstipendium“ beigetragen. Das Programm unterstützt junge, besonders erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen einer dualen Berufsausbildung bei anspruchsvollen Weiterbildungen. Das Ganze wird finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und koordiniert von der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB). Die IHK ist in diesem Rahmen zuständig für die Absolventinnen und Absolventen, deren Ausbildungsverhältnis bei einer IHK eingetragen war.

Die IHK für München und Oberbayern ist – nach der Stiftung Begabtenförderung selbst – die größte betreuende Stelle: 2021 wurden 480 Stipendiat*innen (inklusive 171 Neuaufnahmen) in der Inlandsförderung betreut. Es wurden Fördermittel in Höhe von 840.000 Euro ausbezahlt. Für die Auslandsförderung (Kooperation mit der AHK Spanien) wurden zwei Stipendiat*innen betreut, für die 5.000 Euro Fördermittel zur Verfügung standen. Die IHK übernimmt die Information der Interessent*innen, das Bewerbermanagement sowie die umfassende Beratung und Verwaltung der Stipendiat*innen - von der Beantragung der Weiterbildung bis zur Auszahlung von Fördergeldern.

IHK Akademie von Pandemie hart betroffen

Die Covid19-Pandemie hatte auch im zweiten Jahr starke Auswirkungen auf den Weiterbildungsmarkt. Die IHK Akademie war unmittelbar davon betroffen. Der klassische Seminar- und Hotelbetrieb der IHK Akademie in Westerham war zeitweise nicht oder nur mit großen Einschränkungen möglich. Selbst in den Phasen, in denen das Seminarzentrum geöffnet war, fanden wenig Übernachtungen statt. Die Nachfrage nach Präsenzveranstaltungen blieb wegen der Pandemie sehr niedrig. Mittlerweile konnte das gesamte Angebot digitalisiert werden. Allerdings gab es hier einen harten Wettbewerb mit bundesweit agierenden Fortbildungsunternehmen, die ebenfalls digitalisierte Bildungsformate ins Netz gestellt haben.

Sprunghafter Anstieg der Nachfrage nach digitaler Weiterbildung

Die Pandemie hat einen Digitalisierungsboom in der Wirtschaft ausgelöst. Das halbe Land war seit Beginn der Pandemie im Home-Office. Entsprechend radikal veränderte sich der Informations- und Weiterbildungsbedarf. Die IHK Akademie hat vor diesem Hintergrund für das Ziel „Weiterbildung in den Unternehmen“ das Förderprojekt "#smartlearning.Digital“ aufgebaut. Trainings rund um das Thema Digitalisierung wurden in allen Lehrgangs- und Seminarbereichen vorangetrieben – den Unternehmen konnte für den Aspekt der Digitalisierung das passende Angebot gemacht werden. Auch das Angebot an Online-Prüfungslehrgängen wurde in Kooperation mit der IHK Akademie Digital weiter ausgebaut. Alle digitalen Bildungsformate konnten sich mittlerweile stabil etablieren.

Corona-Folge: Buchungszahl für Seminare stark rückläufig

Die Coronakrise hat sich auch im zweiten Jahr in den Zahlen der IHK Akademie niedergeschlagen. So gingen die Buchungszahlen im Seminarbereich weiter nach unten. Nur etwa 5.500 Kunden besuchten ein Seminar, 2020 waren es noch 9.000 Teilnehmer. Bei den Zertifikatslehrgängen stieg die Nachfrage wieder von 1.000 Kunden im Vorjahr auf etwa 1.500 Teilnehmer an. Ein erfreuliches Wachstum gab es auch bei den Aufstiegsfortbildungen. Die Zahl der Absolventen verzeichnete mit 7.200 Teilnehmern um 400 gegenüber dem Jahr 2020 einen guten Anstieg. Gründe: Unverändert sehr gute berufliche Perspektiven und finanzielle Entwicklungsmöglichkeiten sowie wirksame staatliche Förderung (AfBG).