Highlights 2019: Aus- und Weiterbildung

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Die Anzahl neuer Ausbildungsverträge ist im vergangenen Jahr um 3 Prozent zurückgegangen. Die Imagekampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ wurde verlängert. Insgesamt wurden 23.721 Abschlussprüfungen in der Ausbildung abgenommen

IHK Azubi Card

Mit Studentenausweis gibt es überall Rabatt – im Kino, Museum und ÖPNV. Bayerns Azubis haben dagegen voll bezahlt. Mit der Einführung der IHK Azubi Card soll sich das ändern. Unternehmen aus Freizeit, Kultur, Sport, Gastronomie und Einzelhandel sollen auch Auszubildenden einen „Azubi-Rabatt“ gewähren. Firmen, die das Projekt unterstützen, haben die Chance, die jungen Kunden langfristig an ihre Produkte und Dienstleistungen zu binden.

Minus von 3 Prozent: Azubimangel in Betrieben verschärft sich

In bayerischen Betrieben aus Industrie, Handel und Dienstleistungen sind insgesamt 52.943 Auszubildende ins Berufsleben gestartet. Das bedeutet ein Minus von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hauptgrund ist die rückläufige Anzahl von Schulabsolventen der allgemeinbildenden Schulen. Nach Angaben des Kultusministeriums gingen diese im gleichen Zeitraum um 3,2 Prozent zurück. Wie in den Vorjahren blieben viele Lehrstellen mangels Bewerber unbesetzt. Die Agentur für Arbeit sprach von knapp 16.000 unbesetzten Ausbildungsplätzen in Bayern. BIHK-Präsident Eberhard Sasse erklärte, die Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft sei auf Rekordniveau gestiegen. Die Unternehmen wüssten sehr genau, dass sie ihren Fachkräftenachwuchs selbst ausbilden müssten. Mit Blick auf die vielen unbesetzten Ausbildungsplätze forderte Sasse mehr Praxisnähe und bessere Berufsorientierung an den Schulen. Zudem müssten die guten Berufs- und Karriereaussichten der beruflichen Bildung besser beworben werden.

Ausbildung bleibt zentrales Instrument der beruflichen Integration

Für die Integration von Flüchtlingen hat das Duale Ausbildungssystem in Bayern weiter eine große Rolle gespielt. Wie schon 2018 traten knapp 3.000 Jugendliche aus fluchtwahrscheinlichen Ländern eine IHK-Ausbildung in Bayern an.

Bayerns Top-Ausbildungsberufe: Bürokauffrau und Fachinformatiker

Bei den Top-IHK-Berufen im Freistaat gab es keine Veränderung: Bei jungen Frauen steht die Kauffrau für Büromanagement an der Spitze, bei jungen Männern der Fachinformatiker. In der Gesamtrechnung führen unverändert die Einzelhandelskaufleute vor den Kaufleuten für Büromanagement und den Verkäufern. Es folgen Industriekaufleute und Kaufleute im Groß- und Außenhandel. Insgesamt gibt es über 200 Berufe im IHK-Bereich. Die bayerischen IHKs sind für rund 60 Prozent aller Ausbildungsverhältnisse im Freistaat zuständig und betreuen knapp 31.000 aktive Ausbildungsbetriebe.

Ausbildung soll Eltern weiter stolz machen

Die bayerischen IHKs, die bayerischen Handwerkskammern und Bayerns Wirtschaftsministerium haben sich darauf geeinigt, die Imagekampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ über das Jahr 2019 hinaus fortzusetzen. Ziel der Kampagne ist, gezielt Eltern anzusprechen, weil sie auf Karriereplan und Berufswahl ihrer Kinder großen Einfluss haben. „Ausbildung macht Elternstolz“ stellt auf Bildern und Videos Mütter und Väter vor, die mit der Entscheidung ihres Kindes, eine Ausbildung zu starten, alles andere als unglücklich sind. Die Kampagne hat Wirkung. Die zweite Kontrollmessung der Evaluation im Frühjahr hat das bestätigt. Demnach sehen Bayerns Eltern das Thema Ausbildung deutlich positiver als vor dem Start der Imagekampagne.

Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ ausgebaut

Bayerns Wirtschaftsministerium und die bayerischen IHKs haben das Erfolgsprojekt „IHK AusbildungsScouts“ weiter ausgebaut. Die Idee ist einfach, aber effektiv: „Echte“ Azubis werben in den Schulen für Ausbildung und ihren Beruf. Schüler erfahren aus erster Hand, wie der Berufsalltag aussieht. 2.927 AusbildungsScouts konnten bisher gewonnen werden. Sie haben seit Projektbeginn über 80.000 Schüler in Bayern erreicht. Seit 2019 bieten sich auch ehemalige Auszubildende als „KarriereScouts“ an. Sie informieren Eltern über Karrierechancen nach einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung. Die Evaluationsergebnisse sind beeindruckend. 83 Prozent aller befragten Schüler bewerten den Klassenbesuch der Scouts als positiv. Über 99 Prozent der befragten Lehrer würden die Ausbildungsscouts erneut einladen. Auch die Rückmeldungen der im Projekt engagierten Unternehmen belegen den Erfolg. Nach „Scout“-Besuchen hat es mehr Bewerbungen für Praktika und Ausbildungsplätze gegeben.

Qualitätssicherung: Bayerische Azubis geben der Ausbildung die Note „gut“

Was die Berufsbildung wenig fördert: Klagen der Gewerkschaften über Missstände in der Ausbildung, ausbeuterische Ausbildungsverhältnisse und einem Niveauverlust der beruflichen Bildung. Die neun bayerischen IHKs wollten es genau wissen. Sie befragten im Frühjahr mehr als 30.000 volljährige Auszubildende in einer gemeinsamen, wissenschaftlich geführten Untersuchung nach ihrer Zufriedenheit mit der Ausbildung. Nach einer repräsentativen Zufallsstichprobe ausgewählt erhielten die Jugendlichen per Post einen Fragebogen, der alle wesentlichen Aspekte der Ausbildungsorganisation, Arbeitskultur im Betrieb, Belastungsfaktoren und das Lernen in der Berufsschule thematisierte. Die Ergebnisse von über 3.600 zurückgesendeten Fragebögen waren erfreulich. Insgesamt machen die Bayerischen Ausbildungsbetriebe einen richtig guten Job: Die Zufriedenheit mit ihrer Ausbildung erreicht die Gesamtnote „gut“. Die detaillierten Ergebnisse der Befragung finden Sie auf der Webseite www.bihk.de/bildung

‎#gemeinsam: Unternehmen und IHKs in Bayern entwickeln Zukunftsbilder‎

Gemeinsam mit den Mitgliedsbetrieben für ein ausreichendes Fachkräfteangebot in Bayern sorgen – mit diesem Ziel ist die Initiative BIHK ZukunftsBilder gestartet. Im Rahmen dieser Initiative arbeiten Bildungsforscher, Praktiker aus den Unternehmen und IHK-Spezialisten in unterschiedlichsten Formen zusammen. Dieser Wissens- und Erfahrungsaustausch soll Zukunftstrends der Beruflichen Bildung aufspüren. Im zweiten Schritt sollen dann Strategien entwickelt werden, mit denen Unternehmen, Politik und auch die IHK auf diese Trends reagieren können.

Ausbildung in Oberbayern

Die Berufliche Bildung ‎bleibt trotz des Rückgangs en vogue. Das zeigt auch die Zahl der aktiven Ausbildungsunternehmen, die sich seit mehreren ‎Jahren bereits auf hohem Niveau befindet: Knapp 9.900 IHK-Unternehmen bildeten 43.185 junge Menschen aus. Die IHK organisierte 8.830 Zwischenprüfungen und 23.721 Abschlussprüfungen.

Ausbildungsbilanz: Rückgänge vor allem bei kaufmännischen Berufen

Die Bilanz des Ausbildungsjahres entsprach dem bayernweiten Trend. 16.557 neue ‎Ausbildungsverträge bedeuteten ein Minus von 2,7 Prozent. Bemerkenswert: Das Minus basierte per Saldo auf ‎einem Rückgang bei den kaufmännischen Berufen. Die Neuabschlüsse bei den technischen Berufen blieben mit einem Plus von 0,3 Prozent praktisch unverändert.

Knapp die Hälfte der neuen Azubis hat Mittleren Schulabschluss

Bei der schulischen Vorbildung der Jugendlichen ‎zeigten sich kaum Veränderungen. Gut ein Viertel der neuen Ausbildungsverträge ‎wurden mit Auszubildenden mit Mittelschulabschluss abgeschlossen. Dennoch begann immer noch knapp die Hälfte aller neuen Auszubildenden ihre Ausbildung mit einem Mittleren Schulabschluss. 21,5 Prozent hatten eine ‎Hochschulzugangsberechtigung beim Vertragsabschluss in der Tasche.

IHKjobfit! 2019 – Vielfalt der beruflichen Bildung erkennen und nutzen ‎

Auf den drei IHKjobfit!-Messen in Ingolstadt, München und Rosenheim informierten sich über 6.000 Jugendliche und Eltern bei über 400 Ausstellern über Ausbildungs- und Praktikumsplätze in den jeweiligen Regionen. Alleine in München stellten die Aussteller über 120 Ausbildungsberufe und 80 duale Studiengänge vor.

IHK-Bildungspartnerschaften – Unternehmen und Schulen gemeinsam für Ausbildung

Die Initiative der IHK-Bildungspartnerschaften hat weiter Fahrt aufgenommen. 54 Unternehmen und Schulen haben sich zu neuen IHK-Bildungspartnerschaften zusammengeschlossen. Die IHK hat 32 TOP-Bildungspartnerschaften geehrt: Unter diese Rubrik fallen Bündnisse zwischen einer Schule und einem Unternehmen, die bereits ein Schuljahr erfolgreich als IHK Bildungspartner absolviert und neue Pläne für die Zusammenarbeit im kommenden Schuljahr vereinbart haben. Nach Einschätzung der IHK nutzen Bildungspartnerschaften allen Beteiligten. Unternehmen kommen früh in Kontakt mit talentierten Schülern. Schüler bekommen Einblicke in Job-Praxis und einen erleichterten Einstieg in die Berufswelt. Die Schulen erhalten motivierte Schüler, die mit Blick auf Ausbildungsplatz und folgender Übernahme wissen, dass sich lernen lohnt.

Weiterbildung

Erfolgreiches Jahr der IHK Akademie

Die IHK Akademie gGmbH hat ein erfolgreiches Geschäftsjahr erzielt. Im Vergleich zum Vorjahr hat die IHK Akademie ihre Erlöse noch einmal gesteigert. Insgesamt besuchten etwa 13.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine der rund 1.000 Veranstaltungen der IHK Akademie. Die Tagungsstätte in Westerham hat mehr als 17.000 Übernachtungen verzeichnet. Als Umsatzbringer erwiesen sich neben den klassischen Lehrgängen vor allem offene Seminare und maßgeschneiderte Firmenseminare.

Weiterbildungstrends: Digitalisierung und Blended-Learning

Digitalisierung und Blended-Learning hießen die Trends, die das inhaltliche Angebot der IHK Akademie geprägt haben. „Blended-Learning“-Formate verbinden Präsenzveranstaltungen mit digitalem Arbeiten. Insgesamt umfasste das Angebot zur Digitalisierung rund 50 verschiedene Themen. Als besonderer Erfolg erwies sich zum Beispiel der Zertifikatslehrgang „Digital Transformation Manager/-in IHK“, der bereits mehrmals ausgebucht war. Das Förderprojekt „Multiplikatoren des digitalen Wandels“ wurde fortgeführt und neue Formate wie der „Agile Lerncoach in der Ausbildung" entwickelt. Im Bereich „Azubi-Fit“ wurde das Angebot an Online-Prüfungsvorbereitungslehrgängen in Kooperation mit der IHK Akademie Digital weiter ausgebaut und zusätzlich wurde Blended-Learning-Konzepte zur Prüfungsvorbereitung erarbeitet. Die „IHK Fachkraft Zoll, Online“ wurde erstmals als digitales Angebot gestartet und war auf Anhieb ausgebucht.

Neues Seminarprogramm „Frauen in der Wirtschaft“

Mehr Frauen in Top-Jobs, mehr Frauen in Führungspositionen – die IHK Akademie hat für diesen Trend das Programm „Frauen in der Wirtschaft“ entwickelt. Angeboten werden viele Seminare rund um die Themen Führung, Konfliktmanagement, Rhetorik, Digitalisierung und Kommunikation.

Kooperationsprojekt mit der AHK Singapur

Die IHK Akademie hat das Gemeinschaftsprojekt „Work based learning“ als internationales Kooperationsprojekt mit der AHK Singapur gestartet. Eine erste Unternehmerdelegation unter Beteiligung von mehreren bayerischen Unternehmen konnte bereits geschult werden.

Vorbereitungskurse für Einstieg in Prüfungslehrgänge

Die IHK Akademie hat für die klassischen Prüfungslehrgänge Meister, Fachwirte und Betriebswirte Vorbereitungskurse entwickelt. Ziel der Kurse ist, den Teilnehmern den Einstieg in die anspruchsvollen Lehrgänge zu erleichtern.

IHK Akademie führt erfolgreich neue Formate ein

Mit Erfolg hat die IHK Akademie neue Formate eingeführt. So wurde erstmals der „Technische Betriebswirt Online“ mit 22 Teilnehmern gestartet. Etabliert hat sich das Praxistraining „Medizinischer Praxismanager IHK“ als Fortbildung für medizinische Fachkräfte. Um dem verstärkten Kundenwunsch nach kompakten Formaten nachzukommen, wurden für alle teilnehmerstarken Lehrgänge Vollzeitkurse realisiert.

Neues Konzept für Weiterbildung auf DQR8-Niveau

Eine Erfolgsstory der IHK Akademie ist in die zweite Runde gegangen: Die Akademie hatte in der ersten Phase im bundesweiten Wettbewerbes „InnoVET“ den Zuschlag erhalten für die Entwicklung einer Weiterbildung auf DQR8-Niveau. Das ist spannend, weil Niveau 8 der höchsten Stufe im Deutschen Qualifikationsrahmen entspricht: Es geht um Vermittlung von Kompetenzen, die zur Gewinnung von Forschungserkenntnissen in einem wissenschaftlichen Fach oder zur Entwicklung innovativer Lösungen und Verfahren in einem beruflichen Tätigkeitsfeld benötigt werden. Die IHK Akademie hat für diese sehr anspruchsvolle Weiterbildung ein Konzept erstellt – und die weitere Projektförderung im Rahmen der vierjährigen Umsetzungsphase von „InnoVET“ beantragt.