Fachkräfte und Integration

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In Bayern werden 2030 insgesamt 450.000 Fachkräfte fehlen. Nicht zuletzt deshalb hat die IHK einen Vorschlag für ein Zuwanderungsgesetz vorgelegt.

Inhalt

BIHK-Fachkräftereport ‎

Der BIHK-Fachkräftereport hat die dramatische Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt unterstrichen. Demnach fehlten der bayerischen Wirtschaft im Jahr 2018 über alle Branchen hinweg rund 260.000 Fachkräfte. Bis zum Jahr 2030 wird der Engpass auf voraussichtlich 450.000 Arbeitskräfte an. 4,8 Prozent der Fachkräftenachfrage der bayerischen Unternehmen kann schon heute nicht gedeckt werden. Bis 2030 steigt diese Zahl auf 9,6 Prozent an. In absoluten Zahlen fehlen vor allem beruflich Qualifizierte. Besonders stark betroffen sind schon heute die Branchen „beratende und wirtschaftsnahe Dienstleistungen“, „personenbezogene Dienstleistungen“ sowie das Gesundheits- und Sozialwesen. Der Fachkräftemangel bremst die Wirtschaft deutlich. Für Bayern bedeutet dies für 2018 Wertschöpfungsverluste von rund 23 Milliarden Euro.

ifo-Studie zur den Folgen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt ‎

Die IHK hat im August die Studie „Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen bis 2030“ vorgestellt. Das ifo-Institut hat diese Studie im Auftrag der IHK erstellt. Kernaussage: Die Befürchtung, Digitalisierung wird zum Abbau von Tausenden von Jobs führen, ist unbegründet. Das Ifo-Institut sieht bis 2030 sogar Potenzial für einen weiteren Beschäftigungsaufbau in Bayern, der 1,6 bis 13,5 Prozent betragen könnte. Allerdings wird sich die Berufslandschaft ebenso stark verändern wie die Kompetenzen, über die Mitarbeiter künftig verfügen müssen. Einfache Routinetätigkeiten werden weitgehend verschwinden, weil sie leicht automatisiert werden können.

Information und Interessenvertretung zum Thema Fachkräfte

Die IHK unterstützte zudem Unternehmen gezielt bei der Fachkräftesicherung mit einer ganzen Palette von Maßnahmen: Informationen in den IHK-Medien, Vernetzung, der Vorstellung von Best-Practice-Beispielen, und Firmenbesuchen. Die 13 Veranstaltungen haben insgesamt 1.122 Teilnehmer verzeichnet. Besonders hervorzuheben sind die IHK-Zukunftskonferenz „Digital Work“ und das Fachkräfteforum „Erfolgreich im Ausland rekrutieren“. Die IHK hat verschiedene Studien und Broschüren veröffentlicht, wie beispielsweise „Ältere Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt“ und „Arbeit 4.0“. In der Politikberatung hat die IHK Handlungsempfehlungen formuliert zu den Themen Fachkräfteeinwanderungsgesetz, Arbeitszeit- und Ruheregelungen, Brückenteilzeit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ausbildung und Weiterbildung.

Fachkräfteeinwanderungsgesetz: IHK legt Vorschlag auf den Tisch

Die IHK München hat sich seit Jahren für Vereinfachungen bei der Zuwanderung eingesetzt und eine Lockerung der Zugangsbarrieren gefordert. Dies gilt etwa für die Positivliste (Liste der Berufe, die Bewerbern ohne deutschen Pass offenstehen) und der Vorrangprüfung (bevor ein Job an einen Bewerber mit Migrationshintergrund vergeben wird, muss geprüft werden, ob es deutsche Bewerber gibt). Die IHK hat 2018 vom ifo-Institut einen Vorschlag („Qualifizierte Zuwanderung in Deutschland“) für ein neues Zuwanderungskonzept erarbeiten lassen. Kernelementen sind hierbei ein marktbasierter Zuwanderungskanal, ein potenzialorientiertes Kontingent zur Arbeitsplatzsuche und die Steuerung der Zuwanderung über ein Onlineportal. Und schließlich hat die IHK der Politik empfohlen, international gezielt für den bayerischen Arbeitsmarkt zu werben. Die Vorschläge wurden mit vielen Politikern diskutiert. Einige zentrale Elemente sind im neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz enthalten.

‎6 Jahre „Anerkennungsgesetz“‎

Am 20. April feierte die IHK im Rahmen der Anerkennungsfeier auch 6 Jahre „Anerkennungsgesetz“ (BQFG). Seit dem 1. April 2012 können ausländische Qualifikationen mit dem Segen der IHK als vollwertiger deutscher Berufsabschluss anerkannt werden. Die IHKs haben hierfür in Nürnberg die Zentralstelle IHK FOSA eingerichtet. Die Beratung der Antragssteller führen die IHKs selbst durch. Die IHK für München und Oberbayern war hier besonders aktiv. Manfred Gößl, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, nannte auf der Veranstaltung im April beeindruckende Zahlen: mehr als 1.400 Anerkennungsbescheide und über 3.000 Beratungen wurden für den IHK-Bezirk verbucht. Seiner Ansicht nach ist das wertvolle Arbeit für erfolgreiche Integration. „Wir wertschätzen Ausbildung ohne Grenzen“, sagte Gößl. Er dankte auch den ausländischen Fachkräften: „Sie leisten mit Ihren Fachkenntnissen und Ihrem Einsatz einen wertvollen Beitrag zum Erfolg unserer Wirtschaft und zum Wohlergehen unserer Region.“ Bis Ende des Jahres wurden insgesamt rund 3.500 Personen aus 109 Ländern zu 144 verschiedenen Berufsbildern persönlich bei der IHK München zum Thema Anerkennung beraten.

Familie und Beruf: Ortstermin bei CEWE-Color

Fachkräfte sichern durch mehr Familienfreundlichkeit – unter diesem Motto stand eine Bayern-Roadshow, die die bayerischen IHKs vom 26. bis 28. Juni veranstaltet haben. Die IHK hat im Rahmen dieser Roadshow das Unternehmen CEWE-Color besucht. CEWE-Color verfügt über eine besonders familienfreundliche Unternehmenskultur. Das Unternehmen stellte sein Konzept vor. Danach wurden die Teilnehmer in einem Workshop selbst aktiv. Bausteine einer familienfreundlichen Unternehmenskultur – von der Kommunikation bis hin zu konkreten Maßnahmen. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem bundesweiten Unternehmensnetzwerk Erfolgsfaktor Familie und dem Familienpakt Bayern umgesetzt.

Veranstaltung zum Thema psychische Gesundheit

Die IHK hat im Mai gemeinsam mit dem Arbeitskreis „Beschäftigungschancen von Menschen mit Behinderung“ eine Veranstaltung zum Thema psychische Gesundheit organisiert und moderiert. Die Veranstaltung fand in der Arbeitsagentur München, einem Kooperationspartner des Events, statt. Wie brisant das Thema ist, zeigte die Resonanz: Es gab mehr Anmeldungen als die 100 Plätze, die zur Verfügung standen. Die Referenten machten klar, welche psychische Belastungen heute in Unternehmen auftreten können. Spannend waren vor allem die Fragen, was eine Risiko-Analyse den Beschäftigten bringt, und was Unternehmen für die Psyche ihrer Beschäftigten tun können.

BIHK-Broschüre „Betriebliche Gesundheitsförderung“‎

Die IHK hat im Herbst die Broschüre „Betriebliche Gesundheitsförderung“ vorgestellt. Sie wurde als BIHK-Projekt umgesetzt und informiert über aktuelle Trends des betrieblichen Gesundheitsmanagements.

Die Zukunft ist digital – und weiblich

Mehr gute Jobs und Führungspositionen mit Frauen besetzen – dafür wirbt die IHK seit Jahren. Mit dieser Botschaft hat sich die IHK an der Frauenkarrieremesse HerCAREER beteiligt und die Veranstaltungsreihe „Winning Digital Women“ gestartet. Auf der Messe und bei den Events bei Microsoft und Bosch Siemens Hausgeräte rief die IHK Personalverantwortliche und Firmenchefs dazu auf, gerade die Frauen als Fachkräfte in den Blick zu nehmen. Die IHK-Fachleute erklärten, Frauen verfügten über Kommunikationsfähigkeit und Empathie. Zwei Eigenschaften, die für die Arbeit im virtuellen Raum absolut notwendig seien.