Highlights 2017

Fachkräfte und Integration

  • Integrationspakt Bayern: 4.537 Flüchtlinge in regulärer Ausbildung
  • IHK-Fachkräftemonitor beziffert erstmals die Kosten des Mangels
  • Integration: IHK fordert mehr Rechtssicherheit für Betriebe

Integration: BIHK-Chef Peter Driessen fordert mehr Rechtssicherheit

BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen hat auf die Klagen von Mitgliedsunternehmen über Behördenwillkür in Asylverfahren reagiert und von der Politik eine klare Linie verlangt. „Der uneinheitliche Verwaltungsvollzug im Freistaat zermürbt Ausbildungsbetriebe, Flüchtlinge und Helferkreise. Die Einzelfallprüfungen für die Arbeits- und Ausbildungserlaubnis dürfen kein Lotteriespiel sein, das abhängig von Landkreis oder Sachbearbeiter einen anderen Verlauf nehmen kann“, sagte Driessen. Bayerns Wirtschaft brauche dringend ein klares, einfach nachvollziehbares Regelwerk, das den Betrieben die versprochene Rechts- und Planungssicherheit biete. Driessen hat Vollzugsprobleme der bayerischen Umsetzung der sogenannten 3+2-Regel (3 Jahre Bleiberecht für einen Geflüchteten plus zwei folgende Berufsjahre) nicht nur kritisiert, sondern auch im Gespräch mit der Staatsregierung nach Lösungen gesucht. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte diese Gespräche als hilfreich. Er führte die Klagen der Unternehmen auf Missverständnisse und fehlerhafte Informationen zurück.

Digital Work

Auch die Personalpolitik der Unternehmen muss auf die Digitalisierung reagieren. Die IHK hat als Unterstützung kleinerer und mittelständischer Unternehmen die Dialogreihe „Digital Work“ angeboten. Vier Veranstaltungen fanden vom Mai bis Juli statt. Als Location diente jeweils ein innovatives Unternehmen. Die Teilnehmer bekamen einen Einblick, wie neue Arbeitsformen und kreative Arbeitsorte heute aussehen.

IHK-Studie: Fachkräftemangel kostet Bayern 17 Milliarden Euro pro Jahr

BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen hat am 27. März die jüngste Auswertung des IHK-Fachkräftemonitors Bayern vorgestellt. Er nannte die Ergebnisse alarmierend. Laut Prognose fehlen bis Ende 2017 in Bayern in allen Berufsgruppen 227.000 Fachkräfte. Damit wird die Fachkräftelücke binnen Jahresfrist um 47 Prozent wachsen. Rund fünf Prozent aller im Freistaat angebotenen Arbeitsplätze für Fachkräfte werden unbesetzt bleiben. Zum ersten Mal wurden bei dieser Auswertung auch die volkswirtschaftlichen Effekte abgeschätzt. Das Fazit war bedrückend. „Der Fachkräftemangel bremst die bayerische Wirtschaft massiv. Betriebe müssen Aufträge verschieben oder ablehnen, weil die Kapazitäten nicht vorhanden sind. So entgeht Bayern eine Wirtschaftsleistung von schätzungsweise 17 Milliarden Euro allein in diesem Jahr“, sagte Driessen in der IHK.

Integrationspakt Bayern: 4.537 Flüchtlinge in regulärer Ausbildung

Die Zahlen widersprechen der negativen politischen Stimmung: Bayerns Wirtschaftsministerium hat im Herbst erfreuliche Zahlen zum Integrationspakt vorgelegt. Demnach gibt es deutlich messbare Fortschritte in der Integration geflüchteter Jugendlicher. 2017 haben 2.370 Jugendliche aus Fluchtländern eine Ausbildung bei Industrie, Handel und Dienstleistung begonnen. 31 Prozent mehr als im gesamten Jahr 2016. Insgesamt sind 4.537 Flüchtlinge im IHK-Bereich in Ausbildung. BIHK-Hauptgeschäftsführer Peter Driessen nahm das zum Anlass, eine „Stichtagsregelung“ zu fordern: Geflüchtete, die beruflich qualifiziert, in berufsvorbereitenden Berufsschulklassen oder in Ausbildung sind, sollen einen gesicherten Aufenthalt über das Bundesintegrationsgesetz oder Zuwanderungsgesetz bekommen. Dafür soll keine vorherige Rückreise ins Heimatland mehr notwendig sein.

Check.work – Kompetenztool der bayerischen IHKs

Die Experten sind sich einig: Die berufliche Integration Geflüchteter fiele leichter, wenn sich ihre Job-Befähigung schneller ermitteln ließe. Genau für diesen Bedarf haben die bayerischen IHKs „Check.work“ entwickelt. Mit diesem Kompetenzcheck können erstmals auch Flüchtlinge mit geringen oder keinen Deutschkenntnissen mittels Text- und Bildfragen umfassende Angaben zu Bildungsweg und Berufserfahrung machen. Anhand des erstellten Profils können sie entweder gezielt qualifiziert oder passgenau in den Arbeitsmarkt vermittelt werden. „Check.work“ wird vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert und von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit ‎sowie vom Kultusministerium unterstützt. Bayerns Staatsministerin Ilse Aigner (CSU) hat das Projekt am 15 Mai offiziell gestartet. „Check.work“ ist in Bayern flächendeckend im Einsatz. Bislang wurden über 4.000 Lizenzen an Jobcenter, Arbeitsagenturen, Berufsschulen, ‎Bildungsträger und Firmen verteilt.

Interkulturelle Seminare in Bayern: 39 Veranstaltungen, 400 Teilnehmer

Der richtige Umgang mit Menschen eines anderen Kulturkreises kann die berufliche Integration entscheidend fördern. Die „Interkulturellen Trainings“ der IHK-Weiterbildung bieten hierfür die ideale Basis. In Summe wurden bayernweit 39 Veranstaltungen ‎mit knapp 400 Teilnehmern durchgeführt. In München und Oberbayern waren es 11 Seminare ‎mit 109 Teilnehmern im Modul 1 und 3 Seminare für das Modul 2 mit 21 Teilnehmern.‎ Die Veranstaltungen wurden vom Bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert.

Tagung „Lebenslanges Lernen“ in der Münchner IHK Akademie

Es war eine Absage an den Jugendwahn: Die Tagung „Lebenslanges Lernen – Erfolgreich mit erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“ am 15. Februar im Forum der Münchner IHK Akademie war Teil der Initiative „Ältere und Arbeitswelt“: Bayerns Sozialministerium, die bayerischen IHKs und Handwerkskammern, vbw, der DGB Bayern und die Regionaldirektion der Bundesarbeitsagentur werben unter diesem Slogan für die Beschäftigung älterer Mitarbeiter. Sozialstaatssekretär Johannes Hintersberger und der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Kammerer forderten zum Umdenken auf. Man müsse den Wert älterer Mitarbeiter erkennen und mehr in ihre Weiterbildung investieren. Prof. Martin Korte fungierte als Mutmacher der Tagung. Er sagte, Firmen müssen nur die richtigen Bedingungen schaffen. Dann sind ältere Mitarbeiter genauso leistungsfähig wie ihre jungen Kollegen.

IHK-Abschlussveranstaltung: „Integration von Geflüchteten in Ausbildung“

Das siebenköpfige Integrationsteam der IHK für München und Oberbayern hat die Veranstaltungsreihe „Erfolgreiche Integration von Geflüchteten in Ausbildung“ organisiert. Mit insgesamt fünf Veranstaltungen wurden 240 Unternehmen und Kooperationspartner über die wichtigsten Erfolgsfaktoren informiert. Die Abschlussveranstaltung der Reihe fand am 27. November im Rosenheimer OVB-Medienforum statt. Ausbilder, Vertreter der Arbeitsagentur und des Bundesamtes für Migration (BAMF) äußerten sich zwiespältig. Wille und das Engagement der Unternehmen sei da. Allerdings müssten die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. Auf der Wunschliste der Experten: weniger Bürokratie, mehr Planungssicherheit und Unterstützung bei der Ausbildung von Geflüchteten – und ein Sprachunterricht, der sich an der Lebenswelt der Geflüchteten orientiere.

IHK-Ausbildungsbus auf Tour

Zum ersten Mal ist der IHK-Ausbildungsbus an den Start gegangen. Ziel der Busfahrten war es, Geflüchtete und Betriebe zusammenzubringen. An zwei Standorten – Weilheim-Schongau und Berchtesgadener Land – wurden Unternehmen der Region insgesamt 45 jugendliche Flüchtlinge aus den Berufsintegrationsklassen, Berufe aus den Branchen Lagerlogistik, Einzelhandel, Baugewerbe und Automobilzulieferer vorgestellt. Mit von der Partie waren unter anderem die Firma Bauer und die psm protech GmbH& Co.KG – eine Firma der Regionalausschussvorsitzenden Berchtesgadener Land, Irene Wagner.

Workshops für Auszubildende mit Fluchthintergrund

Die IHK hat zum ersten Mal Workshops für Auszubildende mit Fluchthintergrund angeboten. Insgesamt haben sich über 60 Jugendliche über Rechte und Pflichten in der Ausbildung und über zusätzliche Lernmöglichkeiten außerhalb des Betriebes informiert. Die IHK-Integrationsberater standen den Jugendlichen für vertiefende Gespräche zur Verfügung.

Teilqualifizierungsmaßnahme zum Berufskraftfahrer

Im Oktober startete dann auch eine weitere Maßnahme aus dem Integrationspakt – die Umsetzung einer Teilqualifizierungsmaßnahme zum Berufskraftfahrer. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung informierten sich über 30 Geflüchteten über die jeweiligen Qualifizierungsbausteine und nutzten die Möglichkeit sich mit den jeweiligen Unternehmen aus der Logistikbranche auszutauschen.

Integrationsteam zieht Zwischenbilanz

Das IHK-Integrationsteam hat im vergangenen Jahr eine beeindruckende Zwischenbilanz seiner Arbeit auf den Tisch gelegt. Seit 2016 haben insgesamt über 4.000 Beratungen, davon 1.600 Unternehmensberatungen, stattgefunden. Darüber hinaus wurden knapp 13.000 Kontakte und Teilnehmer generiert.

Fachkräfteforum mit Schwerpunkt „Diversity“

Das IHK-Fachkräfteforum hat sich am 8. Mai erstmals mit dem Thema „Diversity“ beschäftigt. Botschaft der Referenten: Die Personalpolitik der Firmen sollte nicht nur aufgrund demografischer Zwänge Belegschaften bunter gestalten – mehr Vielfalt macht Firmen auch kreativer und innovativer. Rund 100 Teilnehmer kamen ins Forum der IHK. Geboten wurden Vorträge von Ernst&Young und IW Köln, eine Podiumsdiskussion und eine Open Space-Runde. Abschließend sprach Prof. Matthias Spörrle zum Thema Diversity und wie festgefahrene Stereotype sie mitunter verhindern.Die IHK hat im Herbst auch eine Broschüre zum Thema Diversity veröffentlicht.

5 Jahre BQFG im Rahmen der Anerkennungsfeier

Am 31. März feierte die IHK im Rahmen der Anerkennungsfeier auch 5 Jahre „Anerkennungsgesetz“ BQFG: ein wichtiges Jubiläum. Seit dem 1. April 2012 können ausländische Qualifikationen mit dem Segen der IHK als vollwertiger deutscher Berufsabschluss anerkannt werden. Die IHKs haben hierfür in Nürnberg die Zentralstelle IHK FOSA eingerichtet. Die Beratung der Antragssteller führen die IHKs selbst durch. Für Oberbayern hieß das bis dahin mehr als 1.100 Anerkennungsbescheide und rund 2.500 Beratungen. Hauptgeschäftsführer Peter Driessen sagte, mit dieser Aufgabe erfüllten die IHKs eine wichtige Integrationsfunktion. Bundesbildungsstaatssekretär Stefan Müller dankte den IHKs für eine fünfjährige Erfolgsgeschichte. Bayerns Arbeitsstaatssekretär Johannes Hintersberger betonte, wie wichtig die Arbeit der IHK FOSA für die Integration von Menschen aus anderen Teilen der Welt und den heimischen Arbeitsmarkt sei. IHK FOSA bringe Bayern zusätzliche Fachkräfte und Talente.