IHK Veranstaltungsrückblick 25.07.2019

Afrikaforum Bayern 2019‎

Über 200 Teilnehmer, spannende Themen, eine klare Botschaft: Bayerns Wirtschaft will in Afrika ihre Chancen nutzen!

Vor dem großen Sprung

„Chancenkontinent“ – das klang vor einigen Jahren noch anders. Da stand Afrika für Kriege, Krisen, Korruption und Chaos. Afrika war Thema der Kirche und der Entwicklungshilfe. Aber Wirtschaft? Das Geschäft überließ man China und Russland. Das „Afrikaforum 2019“ am 25. Juli hat gezeigt, wie radikal sich die Sichtweise geändert hat.

Schon die Premiere des Afrikaforums im vergangenen Jahr in Nürnberg war ein Erfolg. Dieses Jahr fand das Forum unter dem Slogan „Märkte für den Mittelstand in Ost und West“ im neuen Conference Center-Nord der Messe München statt. Die Veranstalter, die bayerischen IHKs (BIHK) in Kooperation mit der Messe München, dem bayerischen Wirtschaftsministerium und EZ-Scout, durften mit der Resonanz zufrieden sein. Das Forum war mit mehr als 200 Anmeldungen ausgebucht.

BIHK-Präsident Eberhard Sasse brachte die Ausführungen der Referenten auf die kurze Formel „Auf nach Afrika!“ Für diesen Appell sprechen viele Gründe. Einer ist die geostrategische Überlegung: Wo findet auf lange Sicht überhaupt noch Wachstum statt?

Afrika wächst auch langfristig

Prof. Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, sprach von der „demografischen Dividende“: Afrikas Bevölkerung wird auch dann noch wachsen, wenn die Chinas schrumpfen wird. Die Zahl der Menschen wird in Afrika bis 2050 um 100 Prozent zulegen und auf gut 2,5 Milliarden steigen.

Schon heute liegen 6 der 15 wachstumsstärksten Länder der Welt in Ost- und Westafrika. Felbermayr erwartet für Länder wie Angola und Nigeria ein dauerhaftes Wachstum zwischen 4 und 5 Prozent. Kein anderer Kontinent verspricht auf lange Sicht solche Dynamik. Und die Staaten Afrikas sind zum Wachstum verdammt.

Um die politische Stabilität zu sichern, brauchen Afrikas Regierungen dringend Jobs für ihre junge Bevölkerung. Der Investitionsbedarf für Verkehrswege, Wohnungsbau, Entsorgung und Energieversorgung ist riesig. Und während die Briten und die USA sich abschotten, öffnen sich in Afrika die Märkte.

BIHK-Präsident Sasse sprach von einem „klaren Signal an die Welt“. Gemeint ist die am 30. Mai geschaffene „African Continental Free Area“ (ACFTA), der größten Freihandelszone der Welt, der 54 von insgesamt 55 afrikanischen Staaten angehören.

„Wir machen extrem wenig“

Das Problem: Bayern ist in Afrika spät dran. Politik und Unternehmen haben den Kontinent lange Zeit vernachlässigt. „Wir machen extrem wenig und das stark konzentriert“, stellte Felbermayr fest. In Zahlen ausgedrückt, liest sich das so: Pro Jahr exportiert Bayern Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 190 Milliarden Euro. Nur 1 Milliarde davon entfällt auf Afrika. Die Ausfuhren nach Äthiopien beziffern sich nur auf 36 Millionen Euro.

Felbermayr erklärte, der Wettlauf um die afrikanischen Märkte sei in vollem Gang. Zwar ist die EU derzeit noch Afrikas wichtigster Handelspartner, doch die Konkurrenz drückt richtig aufs Gas. Laut Felbermayr hat der Handel zwischen der EU und Afrika im Zeitraum von 2006 bis 2018 um 41 Prozent zugelegt. China kommt auf ein Plus von 226 Prozent, Indien gar auf 292 Prozent.
Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert (Freie Wähler) nannte die Entwicklung „fast beängstigend“. Es werde mit „extrem harten Bandagen“ um Afrikas Märkte gekämpft. Inzwischen hätten Afrikas Regierungen aber ihre Erfahrungen mit chinesischen und russischen Investoren gemacht. Und die agierten anders als die Caritas. „Das ist unsere Chance. Wir bieten eine Partnerschaft auf Augenhöhe. Wir wollen nachhaltige Handels- und Wirtschaftsbeziehungen“, sagte Weigert.

Wachsende Verhandlungsmacht

Felbermayr sieht das genauso. Bislang seien Handelsbeziehungen mit Afrika quasi Linzenzen zur Ausbeutung gewesen. „Dieses Mal könnte es anders sein. Die Verhandlungsmacht Afrikas ist gestiegen“, sagte der Ökonom. Es sei klar, dass auch die deutsche Wirtschaft dringend neue Absatzmärkte brauche.

Ein wichtiger Punkt: Nach Ansicht Felbermayrs geht es in Afrika nicht nur um Aufbauhilfe. Er ist davon überzeugt, dass künftige Technologiesprünge auf dem „Chancenkontinent“ stattfinden. Als Beispiele nannte er die Entwicklung von Apps, die die Alphabetisierung fördern. Oder der Einsatz von Drohnen, um den Zustand der Straßen zu ermitteln.

Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München, forderte zum Teamplay auf. Seine Messe kämpfe mit weltweit rund 1.000 Mitbewerbern darum, wer künftig in Afrika die Leitmessen organisieren wird. Staatsregierung, Unternehmen, Messe, IHKs und AHKs – alle müssten nun an einem Strang ziehen. Nur dann sind wir erfolgreich.

BIHK-Präsident Sasse lobte, Bayern habe zuletzt in Sachen Markterschließung deutliche Fortschritte gemacht. Er verwies auf die Unternehmerreisen nach Nigeria, Ghana und Elfenbeinküste des vergangenen Jahres. Als vorläufigen Höhepunkt der bayerischen Afrika-Inititiative bezeichnete Sasse die Delegationsreise des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder nach Äthiopien, über die auch die Medien groß berichteten.

Für Afrika braucht es Mut

Sasse betonte, für Afrika brauche es Mut. Die anwesenden Unternehmer seien Vorbilder. „Sie gehören zu denen, die sich frühzeitig um neue Märkte kümmern“, lobte der BIHK-Präsident. Diese Märkte zu erschließen, erfordert aber Strategie und Planung. Felbermayr sprach von ökonomischen Zwergen und Riesen, das Wohlstandsgefälle zwischen Afrikas Staaten sei enorm.
Die Podiumsdiskussion „Von Addis bis Abidjan: Geschäftspotenzial für Bayerns Wirtschaft“ verdeutlichte, wie Bayerns Mittelständler den Sprung nach Afrika schaffen können.
Frank Dollendorf, Bereichsleiter der IHK-Außenwirtschaft moderierte das Gespräch mit ausgewiesenen Afrika Experten. Auf dem Podium saßen Maren Diale-Schellschmidt, Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Kenia, Dr. Michael Blank, Leiter der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana, Rudolf Düster, Geschäftsführer der SEBA Hydrometrie aus Kaufbeuren, und Hermann Schrattenthaler, Bereichsleiter Afrika von BAUER Maschinen aus Schrobenhausen.

Viel Geld und gute Nerven

Das Fazit des Gesprächs: Wer in Afrika einsteigen will, muss viel Geduld und Geld mitbringen. Und die Konkurrenz aus den asiatischen Ländern ist keinesfalls unschlagbar. Die Qualität „Made in Germany“ werde in Afrika sehr geschätzt.

Herrmann Schrattenthaler sagte, ein guter Aftersale-Service sei wichtig. Er habe schon häufiger erlebt, dass Anlagen der Konkurrenz still standen, weil ein Ersatzteil nicht geliefert werden konnte. SEBA-Chef Düster erklärte, Französisch-Kenntnisse seien in Westafrika Pflicht, wenn man Erfolg haben wolle.

Maren Diale-Schellschmidt betonte die Bedeutung fester Anlaufstellen für die Unternehmen. Hier geht es gut voran. Söder hat im April ein Büro der Bayerischen Repräsentanz in Addis Abeba eröffnet. Laut Michael Blank wird in Kürze ein AHK-Büro in der Elfenbeinküste die Arbeit aufnehmen. Es soll demnächst auch ein weiteres AHK-Büro in Äthiopien geben. Es geht schließlich um einen Markt mit 100 Millionen Menschen.

Start-ups als Mutmacher

Beim anschließenden Start-Up-Pitch präsentierten folgende Unternehmen als Mutmacher für Afrika: getInnotized GmbH aus ‎München, MangoSolar aus Neu-Ulm und die Startup Lions GmbH aus Geltendorf.‎

Nach der Mittagspause hatten die Teilnehmer die Wahl unter den Workshops „Ausbildung & Beschäftigung“, „Markterschließung durch Messen“ „Digitales Afrika“ und „Logistik – Transport – Zoll“. Im Rahmen das Afrikaforums gab es über 90 Einzelgespräche mit Experten der deutschen AHKs in Subsahara-Afrika, sowie Vertretern des Global Business Netzwerk der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Euler Hermes.

Auf www.afrika-forum.bayern/ finden sich die Präsentationen der Referenten und einige Fotos der Veranstaltung zum Download.


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