my Schoko World

Geschäftsidee mit zartem Schmelz

Die individualisierten Schokoladenpräsente von my Schoko World können seit kurzem in über 1 700 dm-Drogeriemärkten bestellt werden. Der Weg dorthin führte durch „Die Höhle der Löwen“. EVA ELISABETH ERNST

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Unternehmer Christian Keller

Unter dem Ansturm der Bestellungen brach der Server zusammen, die Telefonleitungen liefen heiß. Wochenlang gab es immer wieder Bestellstopps, weil die Produktion nicht nachkam: Der Auftritt von Unternehmer Christian Keller in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ brachte immense Resonanz. Bei dem Fernsehformat stellen Startups ihr Geschäftskonzept fünf prominenten Investoren vor. Im Oktober 2015 präsentierte Keller dort seine Geschäftsidee my Schoko World: personalisierte Fotogeschenke aus Schokolade, online zu bestellen. „Ich hatte zwar mit einem gewissen Ansturm nach der Sendung gerechnet“, so der 42-Jährige. „Doch was nur wenige Sekunden nach der Ausstrahlung über uns hereinbrach, war kein Sturm mehr, sondern ein Orkan.“

Bereits während der Sendung unterbreiteten ihm drei der fünf Investoren ein Angebot. Keller entschied sich für die Offerte Jochen Schweizers, Extremsportler und Kopf der gleichnamigen Firmengruppe rund um die Vermarktung besonderer Erlebnisse. Er wollte sich mit 80 000 Euro am Unternehmen beteiligen. Beim Aushandeln der Details wurden sich Schweizer und Keller jedoch nicht einig, so dass der Deal platzte. Dennoch brachte der Fernsehauftritt den Durchbruch für my Schoko World. Ein Millionenpublikum wurde auf die Produkte aufmerksam. Auch die Presse griff das Thema auf, die „Bild“-Zeitung verfasste gleich zwei Beiträge über den „Schokokönig“.

Der passende Partner

Mindestens genauso wichtig war für Keller jedoch, dass die Kodak Alaris Germany GmbH das Angebot sah. Das Unternehmen betreibt unter anderem Sofortbildstationen im Handel, an denen nicht nur Fotos, sondern auch Grußkarten oder Kalender zusammengestellt und ausgedruckt werden können. „Da passen unsere Produkte natürlich bestens ins Sortiment“, freut sich Keller. Seither können die Kunden die Schokoprodukte nicht nur auf der Website ordern, sondern auch in über 1 700 dm-Märkten.

Der Bestellablauf ist auf beiden Kanälen gleich: das gewünschte Design auswählen, Bilder hochladen, Adresse eingeben, online bezahlen. Das fertige Präsent wird binnen zwei bis sechs Tagen geliefert. Hinter den Kulissen werden die Fotos auf selbstklebende Folien gedruckt, per Hand auf die kleinen Schokotäfelchen aufgeklebt und in die Geschenkbox gelegt. Diese Aufgabe übernimmt ein externer Münchner Dienstleister. Die Schokotäfelchen stammen von einem belgischen Hersteller, der sie in silbernem Stanniolpapier verpackt mit blanko Banderole anliefert. Mit diesen Lieferanten arbeiten Keller und sein mittlerweile dreiköpfiges Team seit 2010 zusammen. Davor hatte er die Mastertrade GmbH gegründet, die sich auf klassische Puzzles mit lizenzierten Motiven konzentrierte. Um sich von den Produkten der Großanbieter abzuheben, bot Keller Puzzles mit Duft an: Bei einem Puzzle zum Beispiel, das ein Lavendelfeld zeigte, verströmten die Teile Lavendelgeruch.

Ein Kindertraum wird wahr

Kellers damals neunjährige Nichte wünschte sich daraufhin ein Puzzle aus Schokolade – die Initialzündung zu my Schoko World. Da Schokolade für klassische Puzzleteile kein wirklich geeigneter Rohstoff ist, entwickelte Keller zunächst das weltweit erste Memoryspiel aus Schokoladentäfelchen. Mit einer Kombination aus Vertriebsgeschick, Beharrlichkeit und der Begeisterung des Jungunternehmers gelang es ihm, seine „Schoko-Memos“ genannten Täfelchen in den Drogerie- und Handelsmärkten zu platzieren. „Es war ein Kaltstart“, sagt der gelernte Bankkaufmann, der vor dem Sprung in die Selbstständigkeit bei einer Lizenzagentur tätig war. „Das Know-how sowie die Kontakte zum Handel und zu Dienstleistern habe ich von null aufgebaut.“

Wer nun denkt, von Schoko-Memos bis hin zu den personalisierten Produkten von my Schoko World wäre es nur ein kleiner Schritt, irrt. Auch wenn es sich in beiden Fällen um Täfelchen aus Schokolade handelt: Die Individualisierung der Produkte, der Direktverkauf über die eigene Website und die Vermarktung an Endkunden unterscheiden sich sehr stark vom Vertrieb über den klassischen Einzelhandel. Von der Idee bis zum Start des Shops verging ein gutes Jahr: „Wir mussten sowohl einen Dienstleister für den individuellen Druck und die Konfektionierung als auch einen Partner zur Programmierung des Shops finden“, erinnert sich Keller. Seine neuen Produkte bewarb er zunächst über Beileger in seinen Schoko-Memos und die Facebook-Seite des Unternehmens. Die Resonanz war von Anfang an vielversprechend. In der „Wirtschaftswoche“ wurde das Konzept als „Startup der Woche“ vorgestellt, was my Schoko World die ersten Firmenkunden bescherte, die individualisierte Geschenke für Kunden und Mitarbeiter orderten. „Dass wir ab einer Auflage von einem Stück produzieren und bereits ab 50 Stück Staffelpreise anbieten, ist für diese Zielgruppe sehr interessant“, sagt Keller. Mittlerweile erwirtschaftet er knapp ein Viertel des Umsatzes mit kleinen und mittelständischen Firmenkunden.

Die personalisierten Schokopräsente laufen so gut, dass Keller die Produktion der Schoko-Memos zwischenzeitlich ruhen ließ: „Die Konzentration im Handel, die Diskussionen um Konditionen sowie die immer kürzeren Zyklen zwischen Bestellung und Auslieferung waren für uns als kleiner Hersteller damals nur schwer zu bewältigen“, sagt Keller. „Außerdem hatten wir nicht die Manpower, um auf zwei Hochzeiten zu tanzen.“ Dieses Jahr kommen die Schoko-Memos wieder in den Handel, die ersten Aufträge liegen vor.

Derzeit erwirtschaftet das Unternehmen rund 90 Prozent des Umsatzes über die eigene Website. „Doch die Sofortbildstationen von Kodak Alaris sind ein super Multiplikator, und der Umsatzanteil wächst“, betont Keller. Künftig will er das Sortiment erweitern und in EU-Länder liefern. Um die Expansion zu finanzieren, überlegt Keller, erstmals einen Investor an Bord zu holen. Bislang gelang es ihm, sämtliche Investitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Gestiegene Produktionskapazitäten, die eingespielten Prozesse und ein neues, deutlich leistungsfähigeres Shopsystem sorgen für eine solide Wachstumsbasis – und würden selbst einem Orkan wie dem nach der „Höhle der Löwen“ standhalten.