messe.rocks

Mit Risikofreude und Power

Vor zwei Jahren startete Natascha Hoffner die Messegesellschaft messe.rocks. Für ihre eindrucksvolle Gründung wurde sie auf der Ideenplattform OPEN IHK ausgezeichnet. SABINE HÖLPER

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Unternehmerin Natascha Hoffner Foto: Sung-Hee Seewald

Natascha Hoffner formuliert messerscharf und hat auf alles eine Antwort. Natürlich auch auf die Frage, wie sie auf den Firmennamen „messe.rocks“ gekommen ist. Steht „rocks“ für Felsen? Oder findet sie eine Messe fetzig wie Rock ‘n‘ Roll? Na klar, sagt sie, Letzteres sei der Fall: „Wir rocken das. Wir haben eine Menge Power.“

Dass Hoffner über sehr viel Energie verfügt, glaubt man der 37-Jährigen aufs Wort. Als sie sich vor zwei Jahren mit einer privaten Messegesellschaft selbstständig machte, war ihr jüngstes Kind erst ein paar Monate alt, das ältere gerade zwei Jahre. Mit zwei Kleinkindern sind Mütter in der Regel bestens ausgelastet. Hoffner hingegen schaffte es, Familie und Unternehmensgründung unter einen Hut zu bekommen. Das gelang auch, weil sie sich Unterstützung suchte. Anfangs nahm ihr Mann Elternzeit, mittlerweile hilft ein Au-Pair-Mädchen. Außerdem gehen die Kleinen in den Kindergarten.

Was die Betriebswirtin auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. Kein Wunder, dass die IHK für München und Oberbayern sie im Rahmen des ersten Wettbewerbs auf der neuen Ideen- und Gestaltungsplattform OPEN IHK als eines von zwölf Role Models kürte. „Natascha Hoffner steht für eine mutige Gründungsgeschichte“, heißt es in der Begründung der Jury.

Mutig war sie in der Tat. Eine Messegesellschaft konzipiert eigene Veranstaltungen, kümmert sich um den Vertrieb, das Marketing und die Durchführung. Um eine Messegesellschaft auf die Beine zu stellen, braucht man deshalb zuallererst einmal Startkapital. Schließlich hat eine Messe eine Vorlaufzeit von mindestens einem halben, in der Regel sogar einem Jahr. In diesen Monaten müssen viele Leistungen vorfinanziert werden, die Einnahmen jedoch fließen erst nach und nach.

Ausgerechnet beim entscheidenden Thema Finanzierung stieß die Gründerin zunächst auf Hürden. Sie brachte zwar Eigenkapital mit und hatte einen Mitgesellschafter. Dennoch wollte ihr keine Bank die benötigten knapp 100000 Euro geben – nicht ohne weitreichende Sicherheiten. Hoffner war nicht bereit, das Haus ihres Mannes zu beleihen. Sie wollte aber auch nicht ihren Traum vom eigenen Unternehmen aufgeben. Also fing sie ohne eine Darlehenszusage an – „wohl wissend, dass uns das Geld vielleicht irgendwann ausgehen würde“. Dazu kam es glücklicherweise nicht. Hoffner fand rechtzeitig einen Finanzierungspartner.

Eine weitere Herausforderung war, eine Messe zu konzipieren, die es so noch nicht gibt. Wer die Messe- und Veranstaltungskalender im Land überfliegt, merkt schnell, dass das Angebot bereits sehr umfangreich ist. Hoffner stieß dennoch auf ein Thema mit Potenzial. Sie entwickelte mit herCAREER die „erste Karrieremesse in Deutschland, die alle Aspekte einer weiblichen und familiären Karriereplanung berücksichtigt“, wie sie sagt. Mittlerweile findet die herCAREER in München 2017 schon zum dritten Mal statt. Bereits im Startjahr 2015 konnte sie 73 Aussteller gewinnen und knapp 2000 Besucher. Ein Jahr später waren es schon 191 Aussteller und 3300 Besucher. Für dieses Jahr erwartet sie eine ähnliche Auslastung. „Und die Firmen buchen jetzt größere Flächen“, stellt Hoffner zufrieden fest.

Wachstum ist elementar

Dass die Unternehmerin mit herCAREER eine Marktlücke gefunden hat, zeigen nicht nur die Zahlen. „Viele Besucher kamen extra im Messebüro vorbei, um sich zu bedanken“, berichtet sie von den bisherigen Veranstaltungen. Das habe sie noch nie erlebt. Und Hoffner hat schon einige Messen hinter sich.

Bevor sie sich selbstständig machte, hatte sie 15 Jahre lang als Angestellte in der Branche gearbeitet – mit beträchtlichem Erfolg: Schon während ihrer Ausbildung wurde sie zur Projektleiterin befördert. Nach sieben Jahren stieg sie in die Geschäftsleitung auf. Vielleicht wäre sie noch heute in dem Unternehmen angestellt, wenn es dort keinen Gesellschafterwechsel gegeben hätte. Es kam zu kleinen Disharmonien mit der neuen Spitze. Hoffner entschied sich zu kündigen. Heute ist die Wahlmünchnerin froh über diese Entwicklung, die sie zur Firmenchefin machte.

Dabei war und ist es nicht einfach mit dem eigenen Unternehmen. Noch schreibt die messe.rocks GmbH keine schwarzen Zahlen, wenngleich „wir auf dem Weg dahin sind“, wie die Gründerin sagt. Aber dass man den Break Even erst nach einigen erfolgreich durchgeführten Messen erreicht, war ihr von Anfang an klar. Es ist typisch für eine Messegesellschaft. „Wachstum ist elementar“, sagt sie. Deshalb sei es noch immer eine der größten Herausforderungen, sich „mittel- und langfristig am Markt zu behaupten und sich vom Wettbewerb abzuheben“.

Mit herCAREER hat das Startup diese Herausforderung gemeistert. Die Teilnehmerinnen schätzen die guten Vernetzungsmöglichkeiten. Hoffner lädt hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft ein. „Das geht bis zur Bundesministerin für Wirtschaft“, sagt sie. Darüber hinaus werde den Frauen „enorm viel Wissen zugänglich gemacht“. In mehr als 60 Vorträgen und 90 sogenannten Job-Offer-Talks treten die Teilnehmer in einen intensiven Dialog. Außerdem bietet Hoffner Extras wie etwa einen kostenlosen Transferservice für Studentinnen. Dazu kooperiert sie mit dem Fernbusunternehmen Flixbus.

Neue Messethemen

„Unser Ziel ist es, die wichtigste Messe für die weibliche Karriereplanung in Deutschland zu sein“, sagt Hoffner. Sie und ihr mittlerweile vierköpfiges Team arbeiten mit Hochdruck an der herCAREER 2017. Gleichzeitig recherchieren sie, mit welchen anderen Themen sie am Markt punkten können. Die Platzierung von neuen Messethemen sei wichtig, um Wachstum zu generieren. Die messe.rocks-Chefin will nicht zu viel über ihre Pläne verraten. Sie könne sich aber vorstellen, als Nächstes eine B2B-Messe auf die Beine zu stellen. Sie denkt dabei an das Thema „Smart Buildings“, also die Automation und zentrale Steuerung der Technik in Gewerbegebäuden. „In diesem Bereich gibt es zwar schon viel“, sagt Hoffner. „Aber die Branche ist spannend, wir prüfen gerade, ob wir uns in einer Nische etablieren können.“

So, wie Hoffner das sagt, ahnt man schon, dass sie von der Idee überzeugt ist. Und wenn sie überzeugt ist, dann wird sie mit großer Energie alles daran setzen, das Projekt zum Erfolg zu führen. So wie früher als Angestellte – und jetzt als Unternehmerin.

Weitere Informationen zur Gestaltungs- und Ideenplattform Open IHK