knooing

Wie ein Partnervermittler

Das Münchner Startup knooing setzt auf eine digitale Plattform, um für IT-Dienstleistungen die Auftraggeber mit den passenden Anbietern zusammenzubringen. JOSEF STELZER

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© Alex Schelbert knooing-Geschäftsführer Carsten Hochschon

Die Geschäftsidee von knooing-Firmenchef Carsten Hochschon klingt vielversprechend einfach: „Wir bieten eine Lösung, mit der ein Unternehmen die für es passenden IT-Dienstleister deutlich schneller als üblich ausfindig machen kann.“ Die knooing GmbH fungiert als neutraler Makler, der Auftraggeber und Dienstleister mittels Datenbank, Software und individueller Expertise zusammenbringt, eine Art Kontaktbörse für IT-Aufträge. Dadurch könnten beide Seiten letztlich viel Zeit und Geld sparen, verspricht der 48-jährige Geschäftsführer.

Das Matching-Procedere funktioniert im Prinzip ähnlich wie Partnerschaftsvermittlungen im Internet. Wer einen IT-Dienstleister sucht, registriert sich auf der Plattform und gibt seine Anfrage mit einigen Suchbegriffen ein wie etwa Web-Hosting, Cloud oder IT-Sicherheit. Auch Aufträge, die telefonisch oder per E-Mail ankommen, werden bearbeitet. Hochschons Beraterteam hilft bei der Erstellung der Projektanfragen, gleicht die Auftragsanforderungen mit den Anbieterprofilen der in der knooing-Datenbank gespeicherten IT-Dienstleister ab und schlägt die passenden Anbieter vor.

Die Vermittlung der IT-Dienstleistungen ist für Auftraggeber kostenlos. Für die IT-Anbieter liegt die monatliche Grundgebühr je nach Leistungsumfang bei 220 Euro bis maximal 5000 Euro. Der Mindestbetrag reicht, um auf der Plattform vertreten zu sein. „Wir speichern die Unternehmensdaten mit allen Leistungsschwerpunkten in unserer Datenbank ab“, erläutert Hochschon.

Falls eine Auftragsvermittlung zustande kommt, berechnet knooing eine zusätzliche Transaction Fee in Höhe von einigen Prozent des Auftragsvolumens. IT-Startups, die höchstens drei Jahre im Markt sind und weniger als eine Million Euro Jahresumsatz erzielen, sind von den fixen Monatsbeiträgen befreit. Dazu gehören rund 30 Münchner Firmen.

Der knooing-Service, der bereits teilweise automatisiert abläuft, kommt offenbar gut an. „Bisher haben wir über 1000 Matches für 160 IT-Dienstleister und 500 IT-Kunden mittels persönlicher Beratung sowie per Computerhilfe realisiert, Tendenz deutlich steigend“, bekräftigt Hochschon. Das Auftragsvolumen beläuft sich bislang auf rund 100 Millionen Euro.

2017 wird das Startup mit sechs Mitarbeitern wohl mehr als eine Million Euro umsetzen. „Anfang 2018 wollen wir insgesamt zwölf Mitarbeiter beschäftigen, die Umsatzerlöse werden wir nächstes Jahr auf mindestens zwei Millionen Euro verdoppeln“, so der Unternehmer.

Jede Woche registriert knooing zwischen fünf und zehn neue Anfragen, in denen Betriebe aus verschiedenen Branchen und Größenklassen nach IT-Partnern suchen. Unternehmen wie der Lkw-Hersteller Volvo Trucks und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gehören zu den Kunden. „Beim Einkauf von IT-Dienstleistungen können sie einige 10000 Euro einsparen, da wir mit unserer Datenbank schnell die für sie passenden und praxiserfahrenen Experten aufspüren“, sagt der Unternehmer.

Wachsender Kundenkreis

Derzeit nutzen vor allem größere Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern die Plattform. „Doch auch für kleinere Firmen – egal, aus welcher Branche – finden wir passende Dienstleister“, verspricht Hochschon. Vom knooing-Service profitierten ebenso die IT-Anbieter. Sie könnten ihre Vertriebskosten durchschnittlich um zehn Prozent senken.

Der gebürtige Düsseldorfer Hochschon besitzt Erfahrung auf diesem Markt. Nach seinem Diplomabschluss als Elektroingenieur siedelte er 1999 nach München um und war danach bei mehreren IT-Konzernen jeweils im Vertriebsbereich tätig. „Dass datenbankgestützte Matchingdienste und Beratungsleistungen eine zukunftsträchtige Marktnische bieten, war mir aus meiner langjährigen Erfahrung im Vertrieb eigentlich längst klar“, so der Unternehmer. Ehemalige Kollegen motivierten ihn schließlich, sich selbstständig zu machen. Die IT-Dienstleister, mit denen er seit der Firmengründung zusammenarbeitet, stammen unter anderem aus den Bereichen IT-Sicherheit, SAP-Systeme und Cloud-Services. Hinzu kommen aber auch immer mehr Anbieter, die sich zum Beispiel auf Big Data und Datenanalyse oder auf Lösungen für Amazons Sprachassistenten Alexa fokussieren.

Sogar eine Mediatorin steht bereit

„Wir kennen den Markt der innovativen Anbieter und sorgen dafür, dass die Auftraggeber die passenden IT-Partner finden, darunter sind echte Hidden Champions aus der Computerbranche“, verspricht der Unternehmer. Die knooing-Experten begleiten die Geschäftsbeziehungen auch nach Vertragsabschluss und helfen in Konfliktfällen als Schlichter. Bei Bedarf kann sich eine Psychologin als Mediatorin einklinken.

Hochschon ist von seinem Geschäftsmodell überzeugt. „Im Zusammenführen von IT-Anbietern mit deren Zielgruppen sehen wir für uns auch langfristig ein enormes Wachstumspotenzial“, sagt er. Der Markt mit seinen Zigtausenden Anbietern sei extrem unübersichtlich geworden und fächere sich in immer mehr Aufgabenfelder sowie Spezialthemen auf. Dass das Angebot kaum noch überschaubar ist, belegt eine Studie des Digitalverbands Bitkom. Demnach sind hierzulande mehr als 9500 IT-Unternehmen aktiv, die zwischen zehn und 499 Mitarbeiter beschäftigen. Sie steigerten im vergangenen Jahr ihren Umsatz um acht Prozent auf 62 Milliarden Euro.

Im Mittelstands-Ranking des Mindelheimer Marktforschungsunternehmens Lünendonk & Hossenfelder GmbH steht die Allgeier SE an der Spitze. Das Münchner Beratungs- und Systemintegrationshaus setzte 2016 mit über 6300 Mitarbeitern rund 500 Millionen Euro um. Dem Ranking zufolge erzielten im Vorjahr bundesweit insgesamt sieben deutsche IT-Mittelständler dreistellige Millionenumsätze, die Top 20 erreichten zusammen mehr als drei Milliarden Euro. Hochschon setzt bei seinen Vermittlungsdiensten im Übrigen gezielt auf hiesige IT-Unternehmen: „Wir unterstützen die IT made in Germany.“ Um noch näher bei der Kundschaft zu sein, plant er weitere Büros in Frankfurt und Berlin. Hochschon: „Wir brauchen den engen Kontakt vor Ort zu unseren IT-Partnern und deren Auftrag-gebern.“