IHK Magazin

Zeugnis-Check: Betrüger rasch entlarven

Mit dem neuen IHK Zeugnis-Check können Unternehmer und Personaler schnell ermitteln, ob ein vorgelegtes IHK-Dokument echt ist oder ob ein Bewerber eine Fälschung abgibt. SABINE HÖLPER

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Ist das Zeugnis echt? Die IHK-Datenbank hilft bei der Überprüfung - Foto: hvostik16_stock.adobe.com

Der Bericht der Polizei dokumentiert nichts Geringeres als Urkundenfälschung. Eine Bewerberin hatte sich mit einem gefälschten Arbeitszeugnis einer Münchner Firma – bei der sie nie beschäftigt war – bei einem Unternehmen in Baden-Württemberg beworben und wurde dort, weil der Betrug nicht auffiel, als Führungskraft eingestellt. Des Weiteren hatte die Frau Urkunden der IHK für München und Oberbayern beigelegt, unter anderem ein Prüfungszeugnis in einem Ausbildungsberuf und einen Meisterbrief.

Nun bittet die Polizei die IHK um Überprüfung der Unterlagen auf Richtigkeit. Es sei davon auszugehen, dass auch diese Dokumente Fälschungen sind. Es kommt immer wieder vor, dass Bewerber versuchen, sich mit Tricks in ein besseres Licht zu rücken, um so ihre Chancen auf einen Arbeitsplatz zu steigern. Kommt kriminelle Energie hinzu, schrecken manche sogar vor gefälschten Urkunden nicht zurück. Die Bandbreite dabei ist groß. »Manche verleihen sich bessere Noten, andere haben die Prüfung gar nicht bestanden – tun mit der Fälschung aber so, als ob«, sagt Alex Schaurer, IHK-Referatsleiter Technisches Prüfungswesen bei der IHK für München und Oberbayern.

Wie viele Fälle solcher Art pro Jahr vorkommen, kann der Experte nicht sagen. Es sei kein Massenphänomen. Aber: »Jeder einzelne Fall ist schlimm«, so Schaurer. Und die Neigung zu betrügen nehme mit dem Trend zu Onlinebewerbungen tendenziell zu.

So funktioniert der Check

Wer auf Nummer sicher gehen will, ob ein IHK-Zeugnis echt ist, musste sich bislang an die IHK wenden, die dann recherchierte. Das dauerte eine Zeit lang. Nun ist dieser Prozess enorm beschleunigt worden. Im Sommer dieses Jahres hat die IHK für München und Oberbayern mit dem Zeugnis-Check ein kostenloses Onlinetool zur Überprüfung von Ausbildungszeugnissen ins Netz gestellt.

Unter zeugnischeck.bihk.de gelangen Personaler und Firmenchefs direkt zur Eingabemaske. Sie ist mit Hilfe des vorgelegten IHK-Zeugnisses einfach auszufüllen. Nutzer geben den Namen und das Geburtsdatum des Bewerbers ein, das auf der Urkunde vermerkte Datum der Prüfung sowie den dort angegebenen Ausbildungsberuf. Danach erscheinen in der Maske die Notenfelder. Hier tragen die Unternehmen die Noten aus dem vorgelegten Zeugnis ein. Danach schickt der Nutzer die Daten per Mausklick ab.

Sofort danach erscheint das Ergebnis: Grün bedeutet, dass das Zeugnis mit diesen Angaben auch in der IHK-Datenbank gefunden wurde. Es ist also echt. Rot bedeutet, dass es keine exakte Übereinstimmung mit der Datenbank gibt. »Das heißt nicht automatisch, dass das Zeugnis gefälscht ist«, sagt Schaurer. Allerdings sollten Unternehmen sich in diesem Fall mit der IHK in Verbindung setzen, die noch einmal einen eigenen Check macht. Dieses Ergebnis erhält der Unternehmer nach einigen Tagen.

Anzeige im Betrugsfall

Im Falle eines Betrugs erstattet die IHK Anzeige. Ein Straftatbestand liegt allerdings nur dann vor, wenn das Original gefälscht wurde. Eine fingierte Kopie reicht hingegen dafür nicht aus. Für Unternehmer ist das meist zweitrangig. Für sie zählt zuallererst, dass die Fälschung überhaupt als solche entlarvt wurde. Der Check bewahrt sie davor, womöglich einen Hochstapler einzustellen, der nicht nur kriminell ist, sondern auch wegen der nicht vorhandenen, sondern nur vorgegaukelten Erfahrungen und Kenntnisse eine absolute Fehlbesetzung wäre.

Besonders pikant dabei: Erkennt eine Firma den Betrug nicht gleich und stellt die vermeintliche Fachkraft ein, wird es später – sollte der Schwindel doch noch auffliegen – schwierig, diesen Angestellten wieder loszuwerden, sofern er gute Arbeit geleistet hat. Genau hinsehen Unternehmen sollten daher die Echtheit von eingereichten Dokumenten genau prüfen. Der Zeugnis-Check ermöglicht dies in sehr kurzer Zeit. Manchmal reicht es aber auch schon, die vorgelegten Dokumente genau zu betrachten.

Manche Betrüger gehen so stümperhaft vor, dass die Fälschung mit bloßem Auge auszumachen ist. Sie kann zum Beispiel an einem zu großen oder zu kleinen IHK-Logo erkennbar sein, einem falschen Siegel oder nicht passenden Unterschriften – etwa von einem IHK-Hauptgeschäftsführer, der zum Zeitpunkt der Zeugniserstellung nicht mehr oder noch nicht im Amt war.Zeugnischeck