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Zahlverfahren: Online bezahlen – aber sicher!‎

Ab Mitte September werden Zahlverfahren im Internet sicherer, aber auch etwas umständlicher. Onlinehändler sollten sich bereits jetzt darauf einstellen. EVA ELISABETH ERNST

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© ©sebra - stock.adobe.com Shoppen im Internet - nur Kreditkartendaten eingeben reicht künftig nicht mehr

Nach dem Kauf auf Rechnung und per Paypal sind Kreditkarten das bevorzugte Zahlungsmittel der Konsumenten bei Onlinebestellungen. Dieses Ranking könnte sich allerdings ab kommendem September verschieben. Ernst Stahl (45), Director des ibi-Competence Centers Digital Commerce & Payment an der Universität Regensburg, geht davon aus, dass Kunden künftig seltener die Kreditkarte zücken werden.

Grund dafür ist die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie (»Payment Services Directive 2«), kurz PSD2. Sie schreibt unter anderem vor, dass spätestens ab dem 14. September 2019 für Onlinezahlungen eine sogenannte starke Kundenauthentifizierung erforderlich ist. »Damit soll Missbrauch verhindert und die Sicherheit elektronischer Zahlungen erhöht werden«, erklärt Stahl.

Zwei Elemente als Nachweis

Kernstück der PSD2 ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung: Endkunden, die online bezahlen möchten, müssen künftig grundsätzlich anhand von jeweils zwei Elementen aus den Kategorien Wissen, Besitz oder Biometrie nachweisen, dass sie dazu berechtigt sind, diese Zahlung zu tätigen. Zur Kategorie Wissen gehören Passwörter oder PIN. Beim Besitz zählen Chipkarte oder Smartphone. Und bei der Biometrie identifizieren sich die Kunden beispielsweise per Fingerabdruck, Stimme oder Iris-Scan. »Es reicht also künftig nicht mehr, beim Bezahlen im Onlineshop nur seine Kreditkartendaten einzugeben, wie es heute häufig der Fall ist«, erklärt Stahl. Das würde nicht einmal den Faktor Wissen erfüllen, da Kartennummer und Prüfziffer offen erkennbar sind.

Wer online auf einem Desktop oder Notebook bestellt, braucht daher zum Beispiel noch ein Mobiltelefon, auf das der Zahlungsdienstleister eine Transaktionsnummer (TAN) via SMS schickt. Diese TAN muss er dann beim Bezahlvorgang im Onlineshop eingeben, womit der Faktor Besitz erfüllt ist. Schließlich lässt sich über die Mobilfunknummer dessen Besitzer zuordnen. Noch leichter kann es mit einem Smartphone werden: Dann generieren die Apps der Banken und Zahlungsdienstleister eine TAN oder Foto-TAN, bei der ein Bildcode mit dem Smartphone gescannt wird.

Alternativ dazu kann der Käufer die Zahlung per Fingerabdruck oder Iris-Scan bestätigen. Kunden, die auf Mobile Shopping setzen, also den kompletten Onlineeinkauf per Smartphone erledigen, müssen dann nur zwischen Onlineshop und Zahlungs-App hin- und herwechseln. »Doch insgesamt wird das Bezahlen per Kreditkarte, aber auch mit den anderen Verfahren wie PayPal etwas unkomfortabler«, sagt Stahl. Lediglich bei Rechnungsbeträgen unter 30 Euro kann die Zwei-Faktor-Authentifizierung entfallen – allerdings nur, wenn dies der Anbieter des Zahlungsverfahrens zulässt.

Lastschrift als Gewinner?

Bei Zahlungen auf Rechnung, per Nachnahme oder Lastschrift ändert sich durch die PSD2 dagegen nichts. Das Lastschriftverfahren könnte laut Stahl daher der heimliche Gewinner der neuen gesetzlichen Regelung werden. »Allerdings bleibt hier das Risiko des Zahlungsausfalls beim Händler«, warnt der Experte. Genau wie der Kauf auf Rechnung sei auch dieses Verfahren nur dann empfehlenswert, wenn der Händler anhand der Kundenhistorie oder einer Bonitätsauskunft davon ausgehen kann, dass seine Lastschrift tatsächlich eingelöst wird. Bleibt die Frage, wie sich der Onlinehandel auf die Auswirkungen der PSD2 vorbereiten kann. »Grundsätzlich sind Banken und Zahlungsdienstleister in der Pflicht, spätestens bis zum Stichtag praktikable und gesetzeskonforme Lösungen zu entwickeln und gemeinsam mit den Händlern zu implementieren«, sagt Stahl. Onlinehändlern empfiehlt er, diese Lösungen vorab intensiv zu testen. Zudem könnte es sein, dass es zumindest in den ersten Wochen vermehrt zu Reklamationen und Kaufabbrüchen beim Bezahlvorgang kommt.

Deshalb ist es wichtig, dass E-Commerce-Unternehmer ihre Mitarbeiter im Kundenservice auf Fragen und Beschwerden zu diesem Thema vorbereiten. Im Onlineshop selbst sollten Kunden informiert werden, warum die Abwicklung bei einigen Zahlungsvarianten etwas komplexer geworden ist. »Außerdem können Händler die PSD2 zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, welche Payment-Variante für sie am vorteilhaftesten ist, und diese Verfahren in ihrem Shop dann entsprechend prominent platzieren«, rät Experte Stahl. »Denn ibi-Studien haben gezeigt, dass die Anordnung der Zahlungsvarianten durchaus Einfluss auf deren Nutzung hat.«