IHK Magazin

Verpackung: Die Becher der Kunden

Es gibt viele Möglichkeiten, Verpackungsmüll zu vermeiden. So können Einzelhändler und Gastronomen Lebensmittel in Behältnisse füllen, die Kunden zum Einkauf mitbringen. Sie müssen dabei nur klar definierte Hygieneregeln beachten. EVA ELISABETH ERNST

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© ©methaphum - stock.adobe.com Einwegbecher - es geht auch ohne

In den Filialen der Biomarktkette VollCorner lässt sich immer öfter folgende Szene beobachten: Ein Kunde stellt einen Behälter, den er von zu Hause mitgebracht hat, geöffnet auf ein Tablett auf der Theke. Der Mitarbeiter nimmt dieses sogenannte Hygienetablett, füllt das Gefäß mit der gewünschten Ware und wiegt Tablett, Behälter und dessen Inhalt. Ein paar Gramm Tara werden für das Behälter- und Tablettgewicht abgezogen. Schließlich stellt der Mitarbeiter das Tablett wieder auf die Theke, wo der Kunde seinen gefüllten Behälter entgegennimmt. »Während des gesamten Vorgangs ist es wichtig, dass unser Mitarbeiter den Kundenbehälter nicht berührt«, erklärt Sophie Krentel (28), stellvertretende Marketingleiterin der Münchner VollCorner Biomarkt GmbH. »Damit unsere Kollegen und Kolleginnen in den Märkten wissen, wie sie mit mitgebrachten Behältern umgehen müssen, führen wir regelmäßig Schulungen durch.«

Auch wenn das Verfahren auf den ersten Blick umständlich anmuten mag: Es funktioniert und erfüllt die Hygienevorgaben des Lebensmittelrechts (Kasten unten). »Damit können Unternehmen und Verbraucher gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Verpackungen und damit zum Umweltschutz leisten«, sagt Anita Schütz, Referentin Lebensmittelsicherheit und Umweltmanagement bei der IHK für München und Oberbayern. Die Zahl der Unternehmen, die solche Lösungen anbieten, wächst langsam, aber sicher.

Ohne Verpackung

In den Biosupermärkten der Münchner Basic AG etwa lassen sich an speziellen Abfüllstationen unter anderem Getreidekörner und Müsliflocken zapfen. Zudem können Kunden an den Wurst-, Fleisch- und Käsetheken eigene Behälter füllen lassen. Dies ist mittlerweile auch in vielen Filialen des klassischen Lebensmitteleinzelhandels möglich. In München verkaufen derzeit drei Läden Lebensmittel gar komplett ohne Verpackungen.

VollCorner startete den umweltfreundlichen Service mit kundeneigenen Behältern bereits im Oktober 2016. »Damals waren wir in München der erste Einzelhändler, bei dem dies möglich war«, sagt Krentel. Wie viel Verpackungsmaterial seither eingespart wurde, lässt sich schwer beziffern. Vertriebsleiter Alexander Worms aber beobachtet, dass mittlerweile jeder siebte Kunde von diesem Angebot Gebrauch macht. Wer kein eigenes Gefäß dabei hat, kann Mehrwegbehälter gegen Pfand ausleihen oder Brotzeitdosen kaufen. Im VollCorner Bistro und dem Restaurant Resihuber, das ebenfalls zur Firmengruppe gehört, wird auch Kaffee zum Mitnehmen in kundeneigene Becher abgefüllt – oder in einen Mehrwegbecher der reCup GmbH.

Becher mit Pfand

Dem Münchner Start-up reCup ist es gelungen, in Deutschland ein flächendeckendes Pfandsystem für Coffee-to-go-Becher zu etablieren. Mit aktuell mehr als 2 500 Ausgabestellen haben sich die wiederverwendbaren Becher längst auch jenseits der Bioszene etabliert. »Unsere Vision ist es, Kaffee im Einwegbecher für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen«, sagt Florian Pachaly (23), der das Unternehmen zusammen mit Fabian Eckert (29) gegründet hat. Im November 2016 starteten die beiden in Rosenheim, im Mai 2017 wurde das Pfandsystem in München eingeführt. Weitere Regionen erschloss das Team durch eigene Akquise und die Zusammenarbeit mit ähnlichen Anbietern in Berlin und im Norden Deutschlands.

Das Prinzip ist einfach: Kunden bestellen ihren Kaffee in einem reCup, hinterlegen einen Euro Pfand und erhalten mitunter noch einen kleinen Nachlass auf ihr Getränk. Den leeren Becher können sie bei jeder reCup-Ausgabestelle zurückgeben. Dort wird er ordnungsgemäß gespült und wieder in Umlauf gebracht. Die Becher gibt es in drei Größen. Sie bestehen aus recyclingfähigem Polypropylen und können rund 1 000mal gespült und wieder befüllt werden. Beim Deckel entschied sich reCup vorerst gegen eine Pfandlösung. »Denn je nach Gastrospülmaschine können nicht alle Partner garantieren, dass sie einen Deckel mit all seinen Kanten hygienisch einwandfrei reinigen können«, so Pachaly. Bei VollCorner wird der Kaffee zum Mitnehmen zwar mitunter noch im Einwegbecher ausgeschenkt – »falls einzelne Kunden keinen eigenen dabei haben und auch nicht in einen reCup-Becher investieren wollen«, sagt Krentel. »Das kommt allerdings nur noch sehr selten vor.«