Stöger Automation

Schrauben wie ein Kolibri

Stöger Automation hat sich mit innovativen Schraubsystemen eine führende Position erobert. Um diese Stellung zu halten, setzt der Mittelständler nicht nur auf neue Produkte, sondern organisiert auch das Unternehmen um. STEFFI SAMMET

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Blick in die Produktion - Werkshalle in Königsdorf. Foto: Stöger

Die zarte Bienenelfe, ein winziger Kolibri, misst samt Schnabel und Schwanzfedern gerade einmal sechs Zentimeter. Flattert der Vogel durch die Luft, schlägt er bis zu 50-mal mit seinen Flügeln – in der Sekunde! Dem Mittelständler Stöger Automation dient das flinke Tier als Vorbild für eine seiner jüngsten Entwicklungen: Ganz wie die Bienenelfe bewegt sich der kleinste Schraubautomat, den der Spezialist für Schraubsysteme aus dem oberbayerischen Königsdorf 2017 entwickelt hat, in atemberaubendem Tempo, wenn er winzig kleine Schrauben in Brillen, Mobiltelefone oder Herzschrittmacher einschraubt. Die weniger als 0,4 Quadratmeter große Anlage namens Kolibri ist wie das Vögelchen die kleinste ihrer Art, hat aber die schnellsten Taktzeiten.

„Schrauben in der Größe eines Stecknadelkopfes in elektronische Komponenten einzubauen ist anspruchsvoll“, sagt Lorenz Stöger, Gründer von Stöger Automation. Aber die Nachfrage nach automatisierten Schraubsystemen, die im Miniaturbereich präzise arbeiten, wachse seit Jahren kontinuierlich, beobachtet er. „Die Kunden brauchen Automaten wie den Kolibri. Der Einsatz für die Entwicklung des Mini-Schraubautomaten zahlt sich wegen der Nachfrage aus, aber auch, weil sie technisch spannend war.“

Schon als Stöger sein Unternehmen 1987 gründet, verfolgt er diese Geschäftsphilosophie: Der gebürtige Königsdorfer will seinen Kunden exakt die Schraubsysteme anbieten, die sie für die Montage ihrer Bauteile brauchen. Was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, treibt den 66-Jährigen immer wieder um: Konsequent arbeitet er daran, auf den Bedarf seiner Kunden aus der Automobilbranche, der Elektro-, Möbel- oder Holzindustrie ideal vorbereitet zu sein.

Innerhalb von 30 Jahren hat der gelernte technische Zeichner aus einem 2-Mann-Betrieb ein renommiertes Unternehmen mit 90 Mitarbeitern gemacht, das europaweit zu den fünf führenden Anbietern von Schraubautomaten zählt. „Ein früherer Kollege hatte mich auf die Idee gebracht, mich mit dem Bau von Schraubern selbstständig zu machen“, erzählt Stöger. Die Fachkenntnisse dafür hatte der Oberbayer über viele Jahre hinweg bei einem Wettbewerber gesammelt, den er kurz vor der Gründung von Stöger Automation verlassen hatte. „Ich habe in einer Garage losgelegt, in der gar nichts stand“, erzählt der Unternehmer. Er habe erst einmal Werkzeuge kaufen müssen. „Und einen Businessplan gab es auch nicht.“

In den ersten Monaten nach der Gründung tüftelte Stöger fast ausschließlich an Schraubsystemen, die er nach und nach perfektionierte. „Wenn du Erfolg haben willst, ist es Pflicht, technisch zu überzeugen“, betont er. Das Portfolio des Spezialisten für Schraub- und Verbindungstechnik mit automatischer Zuführung bietet vom einfachen Handschrauber bis zu komplett prozessautomatisierten Anlagen nahezu alles an: für die Montage von Skibindungen und Bleistiftspitzern ebenso wie für Flugzeugtragflächen. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Schrauber manuell geführt oder stationär befestigt werden soll. „Der Kunde liefert uns Informationen zum Bauteil, der Schraube und den benötigten Taktzeiten, und dann entwickeln wir die passende Anlage oder den idealen Schrauber für ihn.“

Die Vielfalt der Kundenwünsche ist groß: Etwa 650 Projekte betreut Stöger Automation jährlich. Im Schnitt verlassen zwei Maschinen pro Tag die Produktion. „In all den Jahren ging es kontinuierlich vorwärts, auch wenn es mal schwierige Zeiten gab“, resümiert Stöger.

Der Unternehmer will auch das Potenzial der Digitalisierung ausschöpfen: Längst hat die Industrie 4.0 in den Werkshallen in Königsdorf Einzug gehalten. 2017 entwickelte das Team die Schraubeinheit CSX, die speziell auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter ausgerichtet ist. „Bei der Konstruktion des CSX – eines Mensch-Roboter-Kollaborationssystems – haben wir vor allem darauf geachtet, Risiken für den Werker zu eliminieren“, erklärt Stöger. Beispielsweise wurde die Sicherheitsabdeckung des Mundstücks mit einer automatischen Abschaltung bei Berührung ausgestattet, alle Kanten abgerundet und der Zuführarm zusätzlich abgedeckt. Etwa sechs Monate brüteten Stöger und seine Mitarbeiter über dem Projekt.

Bei der Präsentation auf einer Fachmesse in Stuttgart sei die Entwicklung auf großes Interesse seitens der Industrie gestoßen. „Inzwischen sind die ersten Schrauber bei Kunden schon in Betrieb“, sagt Stöger. Ähnlich akribisch wie seine Schraubsysteme entwickelt der Unternehmer auch seine Firma weiter: Seit Herbst 2016 erarbeiten Stöger, die Geschäftsleitung und alle Mitarbeiter eine neue Organisation. Sie soll alle Prozesse von der Entwicklung über die Montage bis hin zur Auslieferung transparent und schneller machen. Vor allem aber soll sie Abläufe ermöglichen, die ineinander verzahnt funktionieren.

Ein externer Berater hilft beim Umorganisieren des Betriebs

„Der Umbau unseres Unternehmens war und ist bis heute eine wahnsinnige Hausnummer“, gibt Stöger zu. Der externe Berater, den er für die Neuausrichtung ins Haus geholt habe, habe zunächst alles auf den Kopf gestellt. Für die Realisierung seiner Vorschläge „haben wir sogar räumlich umgebaut und zusätzliche Flächen in den Montage- und Bürobereichen geschaffen“, sagt Stöger. Das verbessere die Kommunikation, den Informationsfluss und die Durchlaufzeiten – die transparenten Abläufe und die verkürzten Lieferzeiten wiederum kämen den Kunden zugute.

Das bisherige Engagement zahlt sich schon jetzt aus: „Wir spüren, dass wir besser werden“, betont der Unternehmer. Selbst frühere Bedenkenträger in der Firma seien von den Maßnahmen inzwischen überzeugt. Bis Ende 2018 will das Unternehmen den Umbau der Organisation abschließen. Stöger betont, dass davon vor allem die Kunden profitierten: „Das ist ein entscheidender Schritt für uns. Schließlich wollen wir nicht wie alle sein, sondern uns von der Konkurrenz abheben“.