Sport

Wettkampf um gute Geschäfte

Mehr als 90 Milliarden Euro geben die Deutschen dieses Jahr für den Sport aus – vom Ticket fürs Bundesligaspiel über die neue Skiausrüstung bis zum Vereinsbeitrag fürs Kinderturnen. Ein gewaltiger Markt, der weiter wächst. JOSEF STELZER

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Bundesligaspiel mit dem FC Ingolstadt: Zuschauer auf dem BFFT-Fansofa. Foto: BFFT

Fußball, so heißt es, sei die schönste Nebensache der Welt. Im Profibereich ist die Jagd nach dem Ball sogar die Hauptsache – und ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor. Die Unternehmensberatung McKinsey nahm in der Studie „Wachstumsmotor Bundesliga“ den Profifußball genauer unter die Lupe. Demnach haben die 1. und 2. Liga mittlerweile mehr als 110000 Vollzeitarbeitsplätze geschaffen. Allein in Gastronomie und Hotellerie verdanken über 17000 Beschäftigte den Profikickern ihre Jobs. Und die Fußball-Bundesliga ist nur ein Ausschnitt aus dem riesigen Geschäft rund um den Sport.

In der Branche mischen Player aus allen sportlichen Disziplinen mit – vom Basketball über Eishockey bis hin zum Tennis. Millionen Freizeitsportler und Fans kaufen Sportartikel, reisen zu Wettkämpfen und zahlen Eintrittsgelder. Die Wirtschaft investiert alljährlich Milliardenbeträge in das Sportsponsoring und unterstützt damit die Aktiven sowie die Vereine. Robert Obermeier, Chefvolkswirt der IHK für München und Oberbayern, bringt es auf den Punkt: „Der Sport stellt insgesamt einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar und ist auch Ausdruck des gesellschaftlichen Engagements vieler Unternehmen.“

Die Bedeutung der Branche ist nicht zu unterschätzen. „Profi- und Breitensport weisen zusammen eine enorme wirtschaftliche Dynamik auf und liefern einen gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungsbeitrag, der mit dem Maschinenbau vergleichbar ist“, sagt Gerd Ahlert, Mitinhaber der Osnabrücker Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung mbH. Der 49-Jährige taxiert den Anteil der Sportbranche am Bruttoinlandsprodukt (BIP) mittlerweile auf etwa drei Prozent. In Bayern dürfte der Anteil sogar deutlich höher liegen, vor allem wegen der zahlreichen Wintersportangebote.

Und der Trend weist weiter nach oben. „Dieses Jahr dürften sich die Ausgaben der Bürger zugunsten des Sports in Deutschland auf etwa 90 bis 100 Milliarden Euro summieren“, so der Wissenschaftler, „die jährlichen Zuwächse liegen bei drei bis fünf Prozent.“ Zudem steigt die Zahl der Arbeitsplätze. Der Forscher schätzt, dass „mittlerweile ein bis 1,5 Millionen Personen aufgrund von Sport tätig sind“, einschließlich der Teilzeitmitarbeiter und der geringfügig Beschäftigten.

Das Wachstum kommt aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Da sind zum einen die weltbekannten Sportartikelhersteller Adidas und Puma aus Herzogenaurach, deren Geschäft gerade außergewöhnlich gut läuft. Beide Unternehmen steigerten ihre Umsätze mit Sportschuhen, -bekleidung und -ausrüstung im dritten Quartal um jeweils mehr als zehn Prozent und jagten ihren US-Rivalen Marktanteile ab. Gleichzeitig sind viele kleine Firmen auch aus Oberbayern mit innovativen Ideen auf dem Markt aktiv. Die WSC GmbH aus Brannenburg zum Beispiel gewann beim ISPO Award 2017 die Auszeichnung „Product oft the Year“ für ein neues Snowboard. Den Preis als „Winner“ erhielt ebenfalls ein oberbayerisches Unternehmen, die Unterföhringer Schwabe & Baer Entwicklungs GmbH. Prämiert wurde das Produkt „Indigo Voggle“, das die besten Eigenschaften einer Skibrille mit denen eines Visiers verbinden soll. Der ISPO Award kurbelte den Verkauf offenbar kräftig an. „Nach der Auszeichnung hat sich der Voggle-Umsatz verdoppelt“, freut sich Ulrich Höcker (60), Mitgesellschafter und Marketingleiter bei Schwabe & Baer.

Immer sportlicher

Doch nicht nur Hersteller und Einzelhändler profitieren vom Sportboom. „Viel Geld wird für einschlägige Dienstleistungen, etwa für den Betrieb von Trainingsanlagen sowie für Neubauten und Sanierungen von Hallen, Stadien und anderen Sporteinrichtungen, ausgegeben“, weiß Ahlert, der seit vielen Jahren den Wirtschaftsfaktor Sport analysiert, unter anderem für das Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Bonn.

Die Nachfrage nach Sportstätten ist offensichtlich ungebrochen. Bereits vor drei Jahren stellte eine Umfrage der ARAG zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest fest: „Die Deutschen werden immer sportlicher.“ Die Zahl der Aktiven sei seit 2010 deutlich gestiegen. Besonders beliebte Sportarten sind Radfahren, Jogging und Gymnastik.

Gerade im Winter sind die Trainingsgeräte und Kurse in vielen Fitnessstudios voll ausgelastet – wohl auch dank manch gutem Vorsatz zum Jahresanfang. Die Studios bieten flexible Trainingsmöglichkeiten, einige sind jeden Tag rund um die Uhr geöffnet. Das Fitnesstraining soll sich möglichst problemlos in den Alltag integrieren lassen. Dieses Konzept gewinnt immer mehr Anhänger. Gegenüber 2015 konnten die Fitnessunternehmen ihre Mitgliederzahl um rund 6,5 Prozent steigern, ermittelte eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Deloitte. Demnach setzte die Fitnessbranche 2016 rund fünf Milliarden Euro um – 4,5 Prozent mehr als im Vorjahr. In den deutschlandweit rund 8700 kommerziell betriebenen Studios trainieren rund zehn Millionen Menschen. Zum Vergleich: In Fußballvereinen waren 2015 bundesweit rund sieben Millionen Sportler angemeldet, in Turnvereinen fünf Millionen und in Tennisvereinen 1,4 Millionen.

Auch die Sportvereine registrieren immer mehr Mitglieder. In Oberbayern erfasste der Bayerische Landes-Sportverband in 3200 Sportvereinen knapp 1,62 Millionen Mitglieder – 2007 waren es erst 1,45 Millionen. Stark gewachsen ist das Interesse am Fußball. In den rund 1000 oberbayerischen Fußballvereinen stieg die Mitgliederzahl in den vergangenen zehn Jahren von 433000 auf 601000.

Mehr Umsatz dank Sportsponsoring

Eine wichtige Einnahmequelle für Sportler, Vereine, Verbände und Veranstalter stellt das Sponsoring dar. Dabei präsentieren Unternehmen ihre Logos etwa bei Wettkämpfen auf Werbebannern am Spielfeldrand und auf Spielertrikots, um damit ihre Bekanntheit zu steigern, das Firmenimage zu verbessern oder Fachkräfte zu gewinnen. Die Firmen zahlen dafür viel Geld.

„Für Sportsponsoring investiert die Wirtschaft pro Jahr rund 2,8 Milliarden Euro – Tendenz steigend“, schätzt Wirtschaftsforscher Ahlert. Davon profitieren auch Sportarten, die zumeist nicht so im Rampenlicht stehen wie etwa der Tanzsport. Der Elektronikdistributor Avnet EMG GmbH aus Poing bei München sponserte im Oktober 2017 den Ausrichter der Rock-’n’-Roll-Formations-Welt- und Europameisterschaft in Poing gemeinsam mit der Kreissparkasse als Titelsponsor. Das Unternehmen durfte dafür unter anderem seine Werbebanner während des Wettbewerbs deutlich sichtbar anbringen und sein Imagevideo im Livestream der WM präsentieren. „Mit solchen Sponsoringaktivitäten zeigen wir Engagement und Verantwortung für die Region“, erklärt Avnet-Marketingchef Georg Steinberger (58). „Das gehört für uns einfach dazu.“ Gewonnen hat die Rock’-n’-Roll-WM im Übrigen eine Tanzformation mit vier Paaren vom oberbayerischen SV Anzing – vor den Favoriten aus Moskau.