Schottland

Ein starker Partner

Der Freistaat Bayern und Schottland wollen in Zukunft enger zusammenarbeiten. Das soll die Innovationskraft beider Regionen stärken. MECHTHILDE GRUBER

Mountain view point over Edinburgh city.
© bnoragitt Blick auf Schottlands Hauptstadt Edinburgh

Großbritannien ist weltweit einer der wichtigsten Handelspartner Bayerns. Es wird auch in Zukunft ein interessanter Markt bleiben, wenn die Briten im März 2019 die EU verlassen. Ein oft wenig beachteter Teil des Vereinigten Königreichs ist das europafreundliche Schottland. Die Regierung dort ist bestrebt, die Bindungen zu wichtigen EU-Partnern zu stärken. Bayern spielt dabei eine bedeutende Rolle. Das Interesse beruht auf Gegenseitigkeit. Auch der Freistaat bemüht sich um eine intensivere Zusammenarbeit mit der aufstrebenden Wirtschaftsregion im Nordwesten Europas. 17 Städtepartnerschaften sind dafür eine gute Basis. Während einer Delegationsreise nach Schottland im März vergangenen Jahres, an der rund 30 bayerische Unternehmensvertreter teilnahmen, unterzeichneten Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) und die Erste Ministerin von Schottland, Nicola Surgeon, eine Vereinbarung und Absichtserklärung zur Förderung einer engeren wirtschaftlichen Kooperation. „Dieses Abkommen ist ein Grundstein für eine künftig engere Zusammenarbeit und soll vor allem in den Bereichen Energie, Technologie und Forschung Geschäftsaktivitäten fördern“, sagt Hannes Aurbach, stellvertretender Referatsleiter Europa bei der IHK für München und Ober-
bayern.

Die Vereinbarung gilt es nun, mit Leben zu füllen. Die bayerischen IHKs pflegen bereits einen regen Austausch mit den Schotten: Unternehmen aus Inverness besuchten im Mai 2017 Augsburg. Eine Delegation der Handelskammer Glasgow war im Oktober in Nürnberg zu Gast. Aus Edinburgh wird am 14. und 15. März 2018 eine Delegation aus innovationsorientierten und netzwerkinteressierten Unternehmern in die Partnerstadt München kommen. Im Herbst plant das bayerische Wirtschaftsministerium eine weitere Delegationsreise nach Schottland.

„Die Handelsbeziehungen zwischen Bayern und Schottland sind schon jetzt nicht schlecht“, sagt IHK-Präsident Eberhard Sasse, selbst Teilnehmer der vorangegangenen Delegationsreise nach Edinburgh. „Es gibt aber noch viel Potenzial für Kooperationen, zwischen Universitäten ebenso wie zwischen Unternehmen.“ Gute wirtschaftliche Beziehungen entwickelten sich auch hier nur über den persönlichen Austausch, betont Sasse. „Schotten und Bayern haben viele Gemeinsamkeiten, nicht nur was Traditionsbewusstsein und den Drang nach Eigenständigkeit betrifft.“ Auch Schottland zähle heute bei modernen Technologien zu den Vorreitern. „Es lohnt sich also für beide Seiten, miteinander ins Gespräch zu kommen“, so Sasse.

Chancen durch Kooperation

Schottland ist zwar mit 5,2 Millionen Einwohnern ein kleiner Markt, biete bayerischen Unternehmen als Teil Großbritanniens aber viele interessante Möglichkeiten, betont David Scrimgeour, Wirtschaftsberater in München. Der 63-jährige Schotte, der in beiden Regionen zu Hause ist, unterstützt sowohl bayerische als auch schottische Unternehmen bei Geschäftsaufbau und Kooperationen. So sei Schottland ebenso wie Bayern führend bei innovativen Energie- und Antriebstechnologien. Hier würden sich besonders große Chancen ergeben, durch Kooperationen Synergien zu schaffen: „Gerade jungen Startups bieten Glasgow oder Edinburgh wesentlich günstigere Konditionen als London. Edinburgh hat eines der größten Technologiecluster im Vereinigten Königreich und eine hervorragende Universität, die großes Interesse an Kooperationen hat“, so Scrimgeour.

Chancen sieht der Berater vor allem in den Bereichen erneuerbare Energien, Energieinfrastruktur und -effizienz. „Die schottische Regierung ist sehr offen für Firmen, die nach Schottland kommen wollen“, so Scrimgeour. Die Regionalregierung verfolgt das ehrgeizige Ziel, das Land bis 2020 zu 100 Prozent mit Strom aus regenerativen Quellen zu versorgen. Umfangreiche Förderprogramme auch in Bereichen wie Fernwärme und Energiespeicherung sollen die Realisierung ermöglichen.

„Sehr produktive Gespräche“

„Dieses Ziel der Regierung macht Schottland für unser Unternehmen besonders interessant“, sagt Christian Huber (32), Geschäftsführer der Li.plus GmbH. Denn damit seien Speichertechnologien und Batterien gefragt – das Spezialgebiet des Münchner Startups, das innovative Testverfahren für Batteriesysteme entwickelt und vertreibt. Auf der Delegationsreise nach Edinburgh habe das Unternehmen „sehr produktive Gespräche mit potenziellen Geschäftspartnern geführt, speziell mit einer Firma, die Batteriesysteme baut“, sagt Huber. „Gemeinsame Projekte sind bereits in den Blick gefasst, eine Geheimhaltungsvereinbarung unterschrieben und weitere Treffen vereinbart.“

Die vielen Kontakte mit Wissenschaftlern und Unternehmern der Branche brachten seinem jungen Unternehmen vor allem großen fachlichen Nutzen, urteilt der Li.plus-Chef. „Bisher haben wir uns bei unserer Zielgruppe auf den Automobilbereich beschränkt. Für unsere Produkte haben sich nun aber ganz neue Anwendungsfelder ergeben.“ Ganz gleich, ob Großbritannien die EU verlässt – die Reise nach Schottland habe sich in jeder Beziehung gelohnt. „Es war eine gute Gelegenheit, einmal über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, sagt Huber. „Nicht zuletzt deshalb wollen wir auch in Zukunft einen lebendigen und aktiven Austausch mit schottischen Startups führen.“