Sandoz

Erfolgsfaktor Tempo

Jährlich profitieren mehr als 500 Millionen Patienten von den Produkten des Medikamentenherstellers Sandoz. Der Marktführer bei patentfreien Arzneimitteln setzt auf Geschwindigkeit. STEFFI SAMMET

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© Mittermueller Bildbetrieb Pflasterproduktion bei Sandoz in Holzkirchen

In der Industriestraße 18 in Holzkirchen bei München herrscht großer Optimismus: Sandoz, die Generika- und Biosimilars-Sparte der Schweizer Novartis-Gruppe, investiert 45 Millionen Euro, um ihren Hauptsitz um zwei stattliche Bürogebäude mit jeweils Raum für 150 neue Arbeitsplätze zu erweitern. „Die Mitarbeiterzahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wir wollen die Mitarbeiter, die derzeit quer über das Industriegebiet in Holzkirchen verteilt sind, auf unseren Campus 18 zusammenbringen“, erklärt Stephan Eder, Deutschland-Chef von Sandoz. Insgesamt arbeiten in Holzkirchen rund 1 800 Beschäftigte für den Arzneimittelhersteller. Neben dem globalen und nationalen Hauptquartier von Sandoz befinden sich hier auch Forschungs- und Produktionseinrichtungen für biopharmazeutische Produkte und transdermale Pflaster, die Wirkstoffe über die Haut freisetzen.

Der Optimismus scheint berechtigt: Bereits seit 2005 ist Sandoz in Deutschland mit seinen Marken Hexal und 1 A Pharma unangefochtener Marktführer bei patentfreien Arzneimitteln, sogenannten Generika. Jährlich liefert der Hersteller etwa 200 Millionen Medikamentenpackungen an Apotheken und Kliniken.

Insgesamt produziert das Unternehmen 400 Wirkstoffe, die es in 5 200 verschiedenen Arzneimitteln anbietet, darunter sind so bekannte Präparate wie ACC akut, Gingium oder IbuHexal. Eine Bandbreite, die hierzulande niemand sonst vorweisen könne, so das Unternehmen. „Wir versorgen Deutschland!“ Das ist für Sandoz-Deutschland-Chef Eder der Schlüsselsatz.

Doch nicht nur bei den Generika dominiert Sandoz den Markt: Mit fünf vermarkteten Biosimilars – das sind biotechnologisch erzeugte, proteinbasierte Nachahmerarzneistoffe – ist das Unternehmen in diesem Bereich Weltmarktführer. „Bei dieser Produktgruppe waren wir weltweit Pionier“, erklärt Eder.

Zu den entscheidenden Erfolgstreibern zählt das Unternehmen vor allem die Geschwindigkeit, mit der es am Markt agiert: „Wir wollen alles, was patentfrei wird und für die Versorgung der Patienten relevant ist, im Portfolio haben. Egal, wie schwierig die Entwicklung, Herstellung oder Vermarktung sein mögen“, sagt der Sandoz-Deutschland-Chef. Möglichst am Tag eins nach dem Ablauf eines Patents soll das entsprechende Generikapräparat verfügbar sein, so das ehrgeizige Ziel des Unternehmens.

Nebenwirkungen verhindern

Seine starke Marktposition hat sich Sandoz mit viel Ehrgeiz erarbeitet: „Wir wollen Medikamente nicht nur nachmachen, sondern besser machen“, lautet das Credo. Das bedeutet in der Praxis, dass der patentgeschützte Wirkstoff gesetzt ist. Die Hilfsstoffe aber optimiert Sandoz nach Möglichkeit, um etwaige Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen zu verhindern.

Zusätzliche Dosisstärken und verschiedene Darreichungsformen gehören für Sandoz ebenfalls dazu: Es mache für Patienten einen Unterschied, ob sie Tabletten dreimal oder nur einmal täglich einnehmen müssten. Auch Fiebersäfte für Kinder oder Wirkstoffpflaster für Hochbetagte und Patienten mit chronischen Schmerzen zählen hier dazu.

Derlei Angebote schätzen kranke Menschen ebenso wie pflegende Angehörige – entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Generika dieser Art. Sandoz investiert zunächst einmal viel Geld: „Die Forschung für die Produktion eines chemisch erzeugten Medikaments kostet uns durchschnittlich zwischen zwei und drei Millionen Euro“, erklärt Eder. Für die 400 Produkte, die Sandoz derzeit als Generika auf dem Markt anbietet, hat das Unternehmen über die Jahre hinweg also einen satten Milliardenbetrag aufgewendet.

Fast eine Kleinigkeit im Vergleich zu den Aufwendungen, die Sandoz für die fünf proteinbasierten Nachahmerprodukte, die das Unternehmen derzeit anbietet, in die Hand genommen hat. Diese Biosimilars unterliegen aufgrund ihrer biotechnologischen Erzeugung natürlichen Schwankungen, da sie niemals zu 100 Prozent gleich sind – daher ihr Name. „Da sprechen wir von Investitionen in Höhe von 75 bis 250 Millionen Euro pro Präparat“, so Eder und fügt hinzu: „Biosimilars sind der Markt der Zukunft.“

Zwei neue Biosimilars

Seit der Jahrtausendwende gelten Biopharmazeutika als Revolution für die Behandlung von Menschen beispielsweise mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma. Sie wirken im Vergleich zu früheren, chemisch erzeugten Medikamenten oft schneller und effektiver. Im Idealfall stoppen sie selbst bei mittelschweren bis schweren Verläufen die Erkrankung. „Zunehmend mehr Ärzte fassen Vertrauen in die Biosimilars“, beobachtet Eder. „Wir können heute sagen, dass Biosimilars in der Versorgung angekommen sind.“

2017 brachte Sandoz zwei neue Biosimilars für den Bereich Rheumatologie, Onkologie und Immunologie auf den Markt. Bis zum Jahr 2020 sollen drei weitere hinzukommen. Positiver Nebeneffekt für die Krankenkassen: Kostet die Jahrestherapie eines Rheumapatienten jährlich im Schnitt etwa 40000 bis 50000 Euro, reduziert sich dieser Betrag mit Biosimilars um 25 bis 30 Prozent.

„Natürlich lassen sich solche Pläne nur mit wirklich hochqualifizierten Mitarbeitern realisieren“, weiß Eder. Und mit einem Mutterkonzern wie Novartis im Hintergrund, der seinen Sparten als Forschungsunternehmen beste Voraussetzungen für ihr Wachstum bietet. Selbstverständlich wolle man Geld verdienen und wachsen, vor allem aber „verfolgen wir das Ziel, einer Milliarde Menschen Zugang zu Medizin zu ermöglichen“, so Eder. Derzeit erreicht Sandoz mehr als 520 Millionen Menschen weltweit.