Rohstoffsicherung

Bodenschätze leichter heben

Langwierige Verfahren und harsche Regelungen erschweren der Rohstoffindustrie den Abbau heimischer Vorkommen deutlich. JOSEF STELZER

Der Bedarf ist gigantisch. Rund 150 Millionen Tonnen mineralischer Rohstoffe aus bayerischen Vorkommen, vor allem Kies und Sand, aber auch Industrieminerale wie zum Beispiel Kieselerde, Bentonit oder Gips benötigt die Wirtschaft allein im Freistaat, so der Bayerische Industrieverband Steine und Erden. Ganze Industriezweige wie etwa die Eisen- und Stahlbranche, die Chemie- und die Keramikbranche und vor allem die Bauwirtschaft sind auf diese Rohstoffe angewiesen. Für wichtige Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel den Brennerbasistunnel, der in Oberbayern umfangreiche Baumaßnahmen für neue Bahntrassen und Tunnelanlagen erfordert, sowie für die Errichtung der zweiten Stammstrecke der Münchner S-Bahn spielt die regionale Versorgung mit Kies und Sand eine zentrale Rolle. Ähnliches gilt für den stetig wachsenden Bedarf an Wohnungsbau in den bayerischen Metropolregionen.

Doch die bayerische Rohstoffindustrie steht immer wieder vor hohen Hürden. Zu schaffen machen den Unternehmen diverse gesetzliche Vorgaben, aber auch eine mitunter ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit und bei regionalen Behörden. Der Zugang zu den heimischen Bodenschätzen müsse insgesamt erleichtert werden, fordert Matthias Reimann (59), Vorstandschef der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe. „Die Regionalplanung sollte so angelegt sein, dass sich Nutzungskonflikte mit Wasserwirtschaft, Windkraft, dem Straßenbau oder der Land- und Forstwirtschaft auch langfristig vermeiden lassen“, so Reimann. Der promovierte Geologe ist bei der Knauf Gips KG in Iphofen als Leiter Rohstoffsicherung und Umwelt sowie an der Universität Würzburg als Honorarprofessor in den Bereichen Geodynamik und Geomaterialforschung tätig.

Die Regionalpläne dienen gewissermaßen als Grundlage für die Entwicklung der 18 bayerischen Regionen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Festlegung von sogenannten Vorrang- und Vorbehaltsgebieten zur Sicherung und Gewinnung von Bodenschätzen. Zuständig sind die regionalen Planungsverbände als gesetzlich vorgesehene Zusammenschlüsse aller Kommunen in ihren jeweiligen Planungsregionen. Die Festsetzungen des Regionalplans schaffen damit die Voraussetzungen für die Genehmigung von Abbauvorhaben. Um den Rohstoffabbau zu erleichtern, sollten zum Beispiel die naturschutzrechtlichen Vorgaben angepasst werden, fordert Branchenvertreter Reimann. So hätten in jüngster Zeit Urteile von Verwaltungsgerichten irritiert. Demnach müssten die Betriebe wegen des im Naturschutzgesetz verankerten Tötungsverbots möglichst verhindern, dass in ihren aktiven Gruben und Steinbrüchen Lebensräume für Vögel, Amphibien oder Reptilien entstehen. „Dies will niemand“, so Reimann. Nun werde in den Umweltministerien über eine „Abmilderung“ des Tötungsverbots nachgedacht. „In jüngster Zeit gibt es in München und Berlin glücklicherweise erste Ansätze für eine artgerechte Anpassung der Gesetzeslage“, freut sich der Geologe.

„Die Paragrafen zum Tötungsverbot sollten auf Bundesebene detailliert überarbeitet und in Richtung Artenschutz präzisiert werden", so Manfred Hoffmann (61), Geschäftsführer der Hoffmann Mineral GmbH in Neuburg an der Donau.