IHK Magazin

Risikomanagement: Die Firma wetterfest ‎machen

Inzwischen zeichnet sich das Ende des Aufschwungs ab. Daher sollten Mittelständler ihre Finanzierungskonzepte anpassen und Risiken absichern. MONIKA HOFFMANN

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Rechtzeitig Finanzierungsrisiken absichern

Der Boom legt vorerst eine Pause ein. Das zeigt die jüngste Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertages (BIHK) in München. Jetzt müssen selbst die so erfolgsgewohnten bayerischen Mittelständler wieder mit schwächeren Quartalen rechnen. Viele Firmen prüfen bereits, welche Risiken die hiesige, aber gerade auch die internationale Konjunktur und Politik bringen. Vor allem im langsameren weltweiten Wachstum, politischen Unsicherheiten und zunehmendem Protektionismus sehen sie Gefahren. Denn wenn sich Märkte verändern, Produkte weniger Abnehmer finden und Aufträge wegbrechen, stellt das oft sogar gut positionierte Betriebe vor große Herausforderungen. »Wer jedoch solche Risiken richtig einschätzt und rechtzeitig gegensteuert, kann so sein Unternehmen wetterfest machen«, ist Joachim Linke, Finanzierungsexperte der IHK für München und Oberbayern, überzeugt.

1. Finanzierungsmodelle prüfen

Nicht nur für kleine und mittlere Firmen, sondern auch für gestandene Mittelständler ist es wichtig, ihre Finanzierungsmodelle unter die Lupe zu nehmen. »Für ein gesundes Unternehmen ist der ausgewogene Finanzierungsmix wichtig«, betont Linke. So lassen sich starke Abhängigkeiten vermeiden. Dies haben bereits viele Unternehmen erkannt. Nach einer aktuellen Studie der Deloitte GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in München unter deutschen Finanzchefs arbeiten angesichts der schwächeren Konjunktur 37 Prozent daran, ihre Finanzierungsquellen zu diversifizieren. Dabei sollte auch das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital ausgewogen sein. »Das sorgt ebenfalls für Stabilität«, so IHK-Experte Linke.

2. Kreditlinien ausbauen

Besonders wenn Unternehmen in schlechten Zeiten neue Aufträge vorfinanzieren müssen, kommt es oft zu Engpässen. Um das zu vermeiden, bauen sie in guten Zeiten am besten ihre Kreditlinien aus oder sichern sie zumindest. »Jetzt sind die Chancen auf Kreditzusagen höher, da sie (noch) über gute Bonitäten verfügen«, erklärt Linke. Denn schlittern ihre Branchen in Krisen, kann sich ihr Rating verschlechtern. Der Grund: Die meisten Banken und Geldgeber nehmen dann zusätzliche Branchenabschläge vor. Zudem können die Firmen selbst in solchen Phasen meist nicht mehr so gute Zahlen vorweisen. »Wer aber in besseren Zeiten vorsorgt, profitiert von seinem guten Rating in Form zinsgünstiger Kredite«, bringt es der Experte auf den Punkt.

3. Niedrige Zinsen langfristig sichern

Wichtig ist jetzt, Planungssicherheit zu schaffen. Daher sollten Unternehmen gerade jetzt ihre Finanzierungen langfristig ausrichten. Kurzfristige Kredite sollten daher in langfristige umgeschuldet werden, dies verschafft spürbar Planungssicherheit. »Wer sich über langfristige Kredite finanziert, profitiert über Flauten hinaus vom aktuell niedrigen Zinsniveau«, erklärt Linke.

4. Währungsrisiken abfedern

Vor allem international aktive Firmen sollten sich möglichst weitgehend vor Währungsschwankungen schützen. »Am besten legen sie in ihren Verträgen schon vorab fest, wer wann was und wie viel in welcher Währung zahlt«, empfiehlt Linke. Solche Schwankungen lassen sich beispielsweise dadurch verringern, dass die Lieferanten in der gleichen Währung zahlen wie die Unternehmen. Auch die Banken bieten oft Instrumente zur Währungsabsicherung an. Bei Termingeschäften etwa einigen sich Währungskäufer und Bank auf einen festen Wechselkurs, wobei der Vertrag erst zu einem späteren Zeitpunkt erfüllt werden muss. »Swaps« können weitere sinnvolle Instrumente zur Währungsabsicherung sein. »Mit den Hausbanken über solche Instrumente zu sprechen, kann sich als sinnvoll erweisen«, rät der Experte. Denn die Unternehmen gewinnen damit an Planungssicherheit.

5. Rohstoffrisiken abmildern

Um Rohstoffpreise für die nahe Zukunft zu sichern, sollten Firmen auch hier eine gezielte Bedarfsplanung und Absicherung vornehmen. Eine Möglichkeit ist, die Vorräte aufzustocken, solange die Einkaufspreise noch relativ niedrig sind. »Zudem sollten sie in ihren Lieferantenverträgen günstige Preise langfristig festschreiben, wenn das möglich ist«, betont Linke. Ebenso lassen sich auch solche Preisschwankungen über »Swaps« oder Termingeschäfte abmildern. Für Rohstoffe, die an Börsen gehandelt werden, aber auch für viele andere handelbare Ressourcen bieten die meisten Banken Absicherungsinstrumente an.

6. Internationale Forderungen absichern

Wer zahlreiche internationale Forderungen hat, sollte ein durchdachtes Forderungsmanagement betreiben. Dazu gehört vor allem zu prüfen, ob sie sich mit einer Kreditversicherung absichern lassen. Vor allem die Euler Hermes Deutschland AG in Hamburg bietet im Auftrag der Bundesregierung als Export Credit Agency (ECA) geförderte Versicherungen und Garantien – gerade für Länder, für die es wegen hoher Ausfallrisiken auf dem privaten Markt keine Angebote gibt. Angesichts der staatlichen Förderung sind die Kosten, je nach Länderrisiko, relativ niedrig. Daneben bieten private Kreditversicherer eine breite Palette von Kreditversicherungen und Leistungen an. Sie greifen dabei auf umfassende Datenbanken zurück, um Bonitäten weltweit zu prüfen.

7. Forderungen hierzulande absichern

Um das Risiko ihrer Geschäfte mit hiesigen Firmen zu begrenzen, vereinbaren die Unternehmen idealerweise in ihren Verträgen Anzahlungen und Abschlagszahlungen. Zudem sollten sie überlegen, ob sie beispielsweise mit Factoringgesellschaften kooperieren. Beim Factoring überträgt der Betrieb seine Forderungen und bei Bedarf auch einen Teil seines Mahnwesens an eine Factoringfirma. Diese zahlt ihm meist zunächst eine Quote von bis zu 90 Prozent der Forderungen aus – und den Rest erst, wenn die Schuldner bezahlt haben. Besonders wichtig ist es gerade bei sich abkühlender Konjunktur, über ein wirksames Forderungs-, Mahn- und Inkassomanagement zu verfügen.

8. Liquidität optimieren

Gerade in solchen Phasen profitieren Firmen besonders von ihren Liquiditätspolstern. Diese Polster entstehen, wenn sie Gewinne thesaurieren oder Vermögen umschichten. Zudem eröffnen sich viele weitere Möglichkeiten, die Liquidität langfristig zu sichern, beispielsweise die Eigenkapitalquote mit Beteiligungskapital zu steigern. Zusätzlich helfen Fremdkapital, etwa Kredite, Anleihen oder (in einigen Fällen) Crowdfunding, oder alternative Instrumente, wie Leasing und Factoring, Engpässe zu umgehen. Wer dabei seine Finanzierung auf möglichst viele Säulen stützt, sorgt für mehr Stabilität. Er kann es besser verkraften, wenn einer der Geldgeber ausfällt. Linke: »Und das ist eine besonders wichtige Voraussetzung, um konjunkturellen Unwettern zu trotzen«.

Wie Unternehmer ihre Liquidität erhöhen können, zeigt das Merkblatt der IHK für München und Oberbayern. Es gibt vielfältige, nützliche und wertvolle Tipps. Das Merkblatt ist auf der IHK-Website abrufbar unter: Liquidität